Just Music
Der alljährliche Eurovision Song Contest steht wieder an. Und es kann nur einen Gewinner geben. Doch manche Loser aus der langen ESC-Geschichte sind im Laufe der Zeit zu den wahren Helden geworden. Joachim Deicke hat sich die unsterblichen Songs vorgenommen, die nie den ersten Platz gemacht haben.
Gewinner- und Verlierersongs in der Music-Box der späten Fünfziger
2012 hat Loreen den Eurovision Song Contest gewonnen – diese Barfußtänzerin mit der markanten Kopfbehaarung. Im Jahr davor… ja, das muss man schon nachschlagen. Es waren Nikki und Ell, diese zwei Aserbaidschaner, die sich im Windmaschinen-Sturm hartnäckig angesungen haben. Der Titel? Der ist schon wieder vergessen. Bei Wadde-Hadde-Duude-Da von Stefan Raab dagegen kann jeder sofort mitsingen. Dabei hat der nicht im Leben den Wettbewerb gewonnen. Und deshalb jetzt: Die unumstößliche Wahrheit, die eigentlich fünf Euro fürs Phrasenschwein bringen muss: Gewinnen ist nicht alles!
André Claveau: Dors Mon Amour
Das war der Gewinnertitel beim Eurovision Song Contest 1958 von André Claveau. Nun kann man natürlich sagen: "1958 – das war ja noch vor dem Steckrübenwinter! Wer soll sich denn an diese alten Schinken erinnern?" Nur komischerweise: Das hier landete damals auf Platz drei:
Domenico Modugno: Volare
Die Nummer kennt wirklich jeder. Domenico Modugno – vor 55 Jahren Loser beim Grand Prix d'Eurovision. Heute eineer mit diesem Song unsterblich geworden ist. Und so geht das weiter durch die Geschichte des größten Musikwettbewerbs der Welt:
Cliff Richard: Congratulations
Cliff Richard: Abgeschmiert 1968 mit diesem Hit, den immer noch jeder mitsingen kann gegen einen spanischen Titel namens "La, La, La", über den zu Recht eine dicke Grasdecke gewachsen ist. Oder diese "Loser" hier:
Texas Lightning: No No Never
Olli Dittrich und Texas Lightning haben's 2006 nur auf Platz 15 gebracht, und trotzdem kann noch fast jeder diesen Song mitsingen. Conny Froboess "Kleine Italiener": Ein magerer Platz sieben. Dschingis Khan mit ihrem He-Reiter-Ho-Reiter-Klassiker: Vergeigt, als Israel mit einem "Hallelujah" die Punkte holte. Oder auch die hinreißenden Zdob Si Zdub aus Moldavien:
Zdob si Zdub: Boonika Bate Doba
Ihr Song mit der trommelnden Oma, 2005, ist ein Stück an das sich deutlich mehr Leute erinnern, als an Elena Paparizous "Number One". Gut, manchmal gewinnt auch ein Song, der es verdient hat. Aber das ist wohl eher Zufall. Wer kennt heute noch Gewinner wie Marie N. aus Lettland, Irlands Paul Harrington oder Anne-Marie David, die für Luxemburg siegte? Stattdessen bleibt eher sowas im Ohr:
Tom Dice: Me and My Guitar
Der Belgier Tom Dice – ein magerer sechster Platz 2010, und trotzdem kennt man ihn immer noch. Oder 2011 der begnadete Italiener Raphael Gualazzi, der nur zweiter wurde:
Raphael Gualazzi: Madness of Love
Große Stars wie Ofra Haza, Clouseau, oder Alla Pugatschowa landeten schon unter "ferner liefen" bei der Punktevergabe. Manchmal hatten sie's verdient; manchmal wurden aber auch Traumsongs abgestraft, weil es gerade überm Balkan regnete oder in Brindisi ein Reissack umgefallen war.
LT United: We Are The Winners
Und selbst im letzten Jahr: Die Nummer eins – Loreens "Euphoria" – war zwar ein Riesenhit in ganz Europa. Aber ich frag mich, ob man sich nicht noch viel länger an die Großmütterchen aus Buranowski erinnern wird.
Buranowskije Babuschki: Party For Everybody
Autor: Joachim Deicke
Das Audio:
Joachim Deicke: Loser und Winner beim Eurovision Song Contest, [3:18]
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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