Just Music
Am 25. Mai 1973 erschien ein Album, das selbst in den verrückten 70er Jahren etwas besonderes war: Mike Oldfield, ein neunzehnjähriger Eigenbrötler, hatte fast im Alleingang eine Art Symphonie aufgenommen: "Tubular Bells". Wirklich reich wurde damit ein anderes Wunderkind: Richard Branson und seine Plattenfirma Virgin.
Heute wird Bransons Vermögen auf über vier Milliarden Dollar geschätzt; rund fünfzig Unternehmen gehören zum Virgin-Imperium. Und es fing alles mit einer Platte und einer kleinen Geschäftsidee an.
Joachim Deicke hat sich "Tubular Bells", Richard Branson und den Aufstieg des Virgin-Kometen angeguckt:
Mike Oldfield, damals melancholisch und introvertiert, hatte 1972 schon bei etlichen Plattenfirmen angeklopft. Und überall hatte man spöttisch gegrinst: Ein Album – ganz ohne Gesang? Haha! Lustige Idee!
Richard Branson: Kaum älter als Oldfield, aber aus ganz anderem Holz geschnitzt. Schon an der Uni hatte er einen florierenden Schallplattenhandel organisiert. In Londons Oxford Street hatte er seinen ersten Laden geöffnet. Und als Mike Oldfield dort mit seinen Demos auftauchte, beschloss Branson kurzerhand eine Plattenfirma zu gründen. Er nannte sie "Virgin", weil er alles "jungfräulich" anpacken musste – ohne jede Erfahrung im Musikgeschäft.
Vor vierzig Jahren erschien das erste Virgin-Album: Oldfields "Tubular Bells". Damit begann der Rubel zu rollen. Das einzige Problem: Virgins schüchterner Superstar Mike Oldfield zog sich zurück und wollte partout keine Interviews geben. Richard Branson hatte dafür überhaupt kein Verständnis. Er war schließlich der große Kommunikator, er liebte es, im Mittelpunkt zu stehen. Große Freunde sind die beiden nie geworden. Jahre später schummelte Mike Oldfield eine Botschaft im Morse-Code auf sein Album "Amarok": "Fuck Off Richard Branson" war da zu hören.
Sie haben dennoch lange voneinander profitiert. Mike Oldfield wurde zu einem der erfolgreichsten Musiker. Und Bransons "Virgin Records" wuchs und schüttelte 1977 das Hippie-Image ab, als er die Sex Pistols unter Vertrag nahm. Die hatten es auch schon bei allerlei anderen Plattenfirmen versucht.
Branson gab auch ihnen eine Chance, obwohl die Pistols den erfolgreichen Selfmademan aus tiefster Seele verachteten. Virgin wurde – mit neuem Logo – zum Label der New-Wave-Ära, schluckte andere – weitaus ältere – Plattenfirmen. Und Branson kaufte weiter ein: Diskotheken, Plattenläden, die zu "Virgin Mega-Stores" wurden. Und 1984 eine Airline, die unter dem Namen "Virgin Atlantic" , die ersten Billigflüge nach Amerika anbot.
Mittlerweile gibt's fast ein Dutzend verschiedener Virgin Airlines; außerdem Eisenbahnen, Banken, Radio-, Fernseh- und Telefongesellschaften - alle unter Bransons unverkennbarem V-Logo. Die Plattenfirma hat er bereits 1992 verkauft – für eine Milliarde Dollar. Musik interessiert ihn nicht mehr. Stattdessen kümmert sich Sir Richard heute vor allem um sein Lieblings-Projekt "Virgin Galactic", das ab dem nächsten Jahr zahlende Touristen ins All bringen soll. Den Grundstock für diese Höhenflüge hat vor vierzig Jahren Mike Oldfields "Tubular Bells" geliefert.
Oldfield: Tubular Bells 1 – Main Theme
Autor: Joachim Deicke
Das Audio:
Tubular Bells und der Aufstieg des Virgin-Kometen, [4:09]
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
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