Netsurfer
In Frankreich erlauben Internet-Anbieter ihren Kunden schon lange den eigenen DSL-Anschluss als Hotspot freizugeben. Kunden desselben Anbieters können dank dieser privaten, zur Verfügung gestellten W-Lan-Anschlüsse mobil ins Netz. So entsteht in Städten ein eigenes Internet-Kundennetz. Wie die Situation in Deutschland ist weiß Netsurfer Lars Reppesgaard.
Nein, so bequem wie in Frankreich ist es hier nicht. In Berlin-Kreuzberg gibt es einige Gegenden, bei denen eine Initiative namens Freifunk organisiert, dass Menschen ihr W-Lan für Zufallsgäste öffnen, also für jeden, der da kommt. Gratis. Ohne Vergütung für den Anschlussinhaber. In Aachen gibt es dreitausend Hotspots, die dort eine Freifunker-Initiative aufgebaut hat. Auch in Weimar können Touristen dank der Freifunker vielerorts kostenlos surfen. Aber das war es dann aber auch. Flächendeckend schaffen die W-Lan-Initiativen meist nicht, Zugänge anzubieten, obwohl es Freifunk-Gruppe in mehr als sechzig Städten gibt.
Die Technik ist nicht das Problem. Aber was passiert, wenn jemand dein W-Lan mit nutzen und dann zum Beispiel sich illegale Filme oder Musik runterzieht? Dann kannst du nach der derzeitigen Rechtsprechung als Betreiber des W-Lans auch eine Menge Ärger bekommen. Das schreckt viele ab. So kommen oft nicht genug Nutzer zusammen, die mitmachen, und statt flächendeckender Netze gibt es nur hie rund da mal einen Zugang. Die Sorge vor diesen rechtlichen Fallstricken hindern neben dem Thema Geld auch Städte wie Berlin, die es eigentlich toll fänden, zum Beispiel an allen Touristen-Attraktionen offene Netze auszubauen.
Die Telekom startet gerade einen ambitionierten Versuch, W-Lan-Zugänge in der Breite für vorbeispazierende Zufallsnutzer zu öffnen. Letzte Woche startete das Unternehmen das Projekt "Wlan-to-go" offiziell. Das heißt: Bis 2016 sollen bis zu 2,5 Millionen Hotspots entstehen. Dazu sollen private Nutzer einfach ihr W-Lan für jedermann zugänglich machen. Hinzu kommen die weltweit etwa acht Millionen Netze des spanischen W-Lan-Betreibers Fon, mit dem die Telekom kooperiert. Dessen Netzwerk soll ebenfalls allen "Wlan-to-go"-Nutzern offenstehen.
Wer mitmacht, bekommt einen speziellen Router von der Telekom. Der richtet zwei Netze ein, ein privates für den Kunden und seine Familie, und ein öffentliches. Und für diesen öffentlichen "W-Lan to Go"-Hotspot übernimmt die Telekom die Verantwortung.
Die Telekom hat das Problem, dass immer mehr Menschen immer mehr Daten über die Mobilnetze abrufen und der Ausbau der Mobilfunk-Netz teuer ist. Deswegen gibt es die Idee, dass die Leute mit ihren Smartphones auf W-Lan ausweichen sollen. Außerdem plant die Telekom, das Hotspot-Netz nicht auf eigenen Kosten auszubauen. Dieser Telekom-Spezial-Router, der kostet 150 Euro, den muss man erstmal kaufen. Und dafür darf man dann alle offenen W-Lans anderer Telekom-Router-Inhaber mitnutzen.
Gut ist, dass die Anbieter eines offenen W-Lans mit dieser Lösung rechtlich auf der sicheren Seite sind. Aber ob die Leute mitmachen? Ich muss ja erst einmal zahlen für den Routerkauf und weiß noch gar nicht, ob alle anderen Telekom-Kunden das auch machen. Wirtschaftswissenschaftler, die auf die Spieletheorie stehen, würden sagen: Da macht keiner den ersten Schritt. Also, mal schauen, wie die Telekom Kunden reagieren.
Das Audio:
Netsurfer: W-Lan to go, [3:36]
17. Juni 2013
Info: Netsurfer
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