Wäre das nicht toll, wenn sich auf einmal jemand bei einem meldet, der einem ein paar Millionen verspricht? Solche Angebote kriegt man ja ab und zu in das E-Mail-Postfach und eigentlich wäre ja auch alles super – wenn da nicht immer die Hinweise wären, man müsste, bevor man an die Millionen kommt, aus diesem oder jenem Grund erst einmal selbst einen kleinen Vorschuss überweisen.... Diese Abzocke per E-Mail ist nicht neu. Neu ist aber, dass Forscher nun durchleuchtet haben, wie das Ganze genau funktioniert. Netsurfer Lars Reppesgaard hat sich die Ergebnisse angesehen.
Die wichtigste Erkenntnis ist, dass man selbst mit völlig bescheuerten Geschichten tatsächlich Geld verdienen kann, wenn man sie ein paar Millionen Mal per Mail um die Welt schickt. Die Masche ist ja altbekannt: Irgendein angeblicher Millionenerbe, ein Prinz, ein Bankiers- oder ein Ministersohn schreibt, er brauche Hilfe, um an das Familienvermögen zu kommen. Das Geld hängt irgendwo fest, man braucht einen klitzekleinen Vorschuss für den Anwalt, oder um Schaufeln zu kaufen, um das Versteckte auszugraben und so weiter... Das spannende ist nun, dass Fachleute aus der Forschungsabteilung von Microsoft mit mathematischen Methoden untersucht haben: Welche Lügenbotschaften sind die, die unter den Millionen von Mails am besten verfangen? Ergebnis: Je blöder und unwahrscheinlicher die Geschichte, desto eher reagiert jemand, der bereit ist, an völlig Unbekannte Geld in Gottweißwo zu überweisen, in der Hoffnung, dann mit Reichtum überschüttet zu werden.
Die Betrügereien laufen immer dann glatt, wenn möglichst dumme Leute die Opfer sind. Die Absender solcher Nachrichten sind ja Profis, haben zum Teil schon zehn Jahre und mehr Berufserfahrung. Sie haben gemerkt, welche Tricks funktionieren und welche nicht. Schritt eins ist immer einfach: Ich verschicke Millionen Mal eine Mail mit einer hanebüchenen Geschichte. Schritt zwei macht aber Arbeit: Wer überhaupt zurück schreibt, dem muss ich ja antworten. Ich muss individuell auf die Fragen und Sorgen des Opfers eingehen, die Geschichte weiterspinnen, ihm eine Kontonummer für seine Vorauszahlung schicken und so weiter. Da kann ich nicht mehr mit vorgefertigen Massenmails arbeiten. Und das ist schon relativ aufwendig, das kostet die Betrüger viel Zeit. Aber sie wissen: Wer auf die ganz dummen Geschichten reagiert, der kostet uns weniger Zeit als jemand, den ich nur mit einer total ausgefuchsten Story packen kann. Der ist quasi zu klug für meinen Trick.
Nein, auch das ist an der Microsoft-Forschung spannend: Das merkt eben nicht jeder. Die Texte sind deshalb nicht aus Versehen so schlecht geschrieben, sondern man schreibt mit voller Absicht Sätze wie: "Ich bin der einzige Sohn von Mr & Mrs . Richard Patrick. Vor dem Tod von meinem verstorbenen Vater er hinterlegt die Summe von 4,5 Millionen Dollar, die er in einem Sicherheits-und Finanz-Unternehmen gehalten hier in Abidjan."
Wer auf so eine total schlecht geschriebene Mail mit Interesse reagiert, bei dem ist die Chance höher, dass er bis zum Ende dabei bleibt und mir eher glaubt als jemand, dem die vielen Grammatikfehler auffallen. Mit dem Schlauen will ich ja gar nicht den aufwendigen Dialog anfangen, der durchschaut mich irgendwann sowieso. Also filtere ich mit superdummen Texten und aberwitzigen Geschichten extra alle die raus, die zu klug sind. Und konzentriere mich auf die, die übrig bleiben. Das ist absolut wirtschaftlich gedacht und total effektiv, sagen die Microsoft-Forscher.
Nicht antworten, nicht mal zum Spaß. Das Bundeskriminalamt warnt ganz klar, auf solche Offerten in keiner Weise einzugehen. Und man kann sich einfach vor Augen halten, dass niemand einfach so Millionen verschenkt, das gibt es vielleicht im Märchen oder im Hollywood-Film, aber nicht in der Realität, deswegen gibt es für solche Mails nur einen Ort: Den Mülleimer des Mailpostfachs.
Wie E-Mail-Betrügereien funktionieren, [3:14]
Severino Melchiorre im Gespräch mit Netsurfer Lars Reppesgaard
Info: Netsurfer
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