Eigentlich sind wir Bilder von Apple-Fans gewohnt, die vor einem Laden campen, weil um Mitternacht ein neues Kult-Produkt aus Cupertino auf den Markt kommen soll. Doch im Moment sind die Apple-Fans verwirrt. Was bei dem Computer-Riesen schief gegangen ist, weiß unser Netsurfer Lars Reppesgaard.
Wenn man allein auf die Kartenfunktion schaut, dann ist das neue Betriebssystem für das Iphone eine ziemliche Katastrophe. Nach fünf Jahren hat sich Apple vom Kartenmaterial von Google Maps verabschiedet und bietet eine eigene Landkarten-Software an. Aber die ist ziemlich mies. Das Ausgangsmaterial für die Karten ist ungenau und veraltet, führt oft in die Irre und zeigt absoluten Nonsens an. Zum Beispiel ist der Bahnhof von Helsinki auf der neuen Software ein Park. Vor allem aber eine neue 3-D-Funktion, die besonders schicke Ansichten liefern sollte, sorgt im Netz für Heiterkeit. Viele Panorama-Ansichten sind aus Bildern zusammengesetzt, die einfach nicht zusammenpassen. Also sehen Brücken durch die Verzerrungen in den Bildern so aus, als ob sie einstürzen, oder Landschaften, als ob sie gewellt wie geschmolzenes Wachs sind. Das hat mich ein wenig an die Objekte und Landschaften auf einem Dali-Gemälde erinnert.
Für Apple bedeutet das einen ziemlichen Image-Schaden. Eigentlich heißt es ja im Netz: Apple macht die tollsten, die elegantesten Produkte. Okay, jemand wie Google ist ab und an bei Themen technisch weiter, aber Apple schafft es, Produkte zu entwickeln, die die Nutzer begeistern. Nun sieht man, wie groß bei diesem Thema der technische Rückstand zu Google ist – und über Apple wird gelacht. Alle hoffen, dass es bald wieder Google Maps auf dem Iphone gibt. Das ist für die Kultmarke eine ziemlich neue Erfahrung.
Apple hat das Thema Karten unterschätzt und mehr oder weniger planlos einfach Daten von etwa 20 unterschiedlichen Datenquellen integriert. Die passen einfach nicht gut zusammen. Bei Google weiß man bereits, dass das nicht funktioniert. Dort arbeitet ein großes Team daran, mit der Hand Korrekturen in die Maps zu zeichnen. Außerdem sieht man: Je mehr Leute einen Dienst nutzen, desto besser funktioniert er, wenn man – wie Google es tut – Hinweise auf Fehler schnell für Verbesserungen nutzt. Google hat einfach sieben Jahre und viele Millionen Nutzer Vorsprung.
Das stimmt. Und viele haben sich von der verheerenden Kritik an den Karten auch nicht bremsen lassen. Die Nutzer spielen noch schneller das Update auf das neue Betriebssystem als sie es beim Vorgänger getan haben. Langfristig ist aber für Apple eine große Gefahr, in einer Kerndisziplin des Webgeschäfts nicht konkurrenzfähig zu sein. Ortsbasierte Dienste, ortsbasierte Werbung, all das funktioniert nur mit sehr gutem Kartenmaterial.
Apple hofft jetzt, dass die vielen Millionen Iphone-Nutzer fleißig Fehler melden und so die Apple-Karten nach und nach besser werden. Vor allem aber wird Apple Experten anheuern müssen, die sich mit dem Thema Karten richtig gut auskennen. Apple sieht das auch so und buhlt unverhohlen um Mitarbeiter von Google Maps. Das empfinde ich als gute Nachricht im Zeitalter der allgegenwärtigen und scheinbar allmächtigen Software-Systeme: Ohne den Menschen und seine wachen Augen kann man eben keine guten Karten anbieten.
Peinliche Kartenpanne bei Apple, [3:42]
Hendrik Plaß im Gespräch mit Netsurfer Lars Reppesgaard
Info: Netsurfer
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