Es still geworden um Wikileaks, die Enthüllungsplattform, die vor einiger Zeit noch als "die gefährlichste Webseite der Welt" bezeichnet worden war. Doch die Ruhe könnte bald vorbei sein. Internet-Aktivisten haben angekündigt, einen Wikileaks-Nachfolger zu starten. Netsurfer Lars Reppesgaard hat sich das Vorhaben angesehen.
Hinter diesem geplanten Wikileaks-Nachfolger steckt niemand anders als die Hacker-Aktivistengruppe Anonymous. Dieses Kollektiv, das sich über das Web organisiert, hat angekündigt, im Dezember eine eigene Enthüllungs-Plattform im Stil von Wikileaks ins Netz zu stellen. Tyler soll die Plattform heißen. Das haben einige Anonymous-Mitstreiter dem russischen Staatssender Voice of Russia in einem Interview verraten.
Dafür gibt es zwei Gründe: Der eine ist, dass bei Wikileaks irgendwie die Luft raus ist. Der öffentliche Streit um Julian Assange, die Geldnot der Plattform, weil Banken sie bekämpfen, die zunehmende Skepsis der Medien, die ja letztlich veröffentlichen sollen, was Wikileaks ins Netz stellt, das alles trägt dazu bei, dass nicht mehr viel passiert, wenn Wikileaks an Geheimnisse kommt. Gerade veröffentlichte die Plattform US-Militärdokumente aus den letzten Jahren zu Militärgefängnissen und über Befragungsmethoden. Das hat nicht den Wirbel verursacht, den man eigentlich erwarten könnte. Andere Plattformen sind aber nicht in Sicht, die Wikileaks ersetzen könnten. Openleaks – das Projekt des ehemaligen Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg – ist immer noch eine Luftnummer.
Zweitens hat Anonymous vor zwei Wochen offiziell erklärt, dass man die Unterstützung für Wikileaks beendet. Früher hatten Anonymous-Aktivisten ja sogar Hackerattacken zum Beispiel gegen Kreditkartenfirmen gefahren, weil die Wikipedia boykottiert haben. Nun ist das Tischtuch zwischen diesen beiden Web-Initiativen zerschnitten. Anonymous hat dieses Bündnis beendet. Die Gruppe warf Assange vor, die eigentliche Idee von Wikileaks verraten zu haben, finanziell intransparent zu agieren und seine Person zu sehr in den Vordergrund zu stellen.
Die Plattform Tyler soll von einer Gemeinschaft, einem Kollektiv betrieben werden und nicht auf eine Person zugeschnitten sein. Und sie soll technisch anders aufgebaut sein als Wikileaks. Es soll keine zentralen Server geben, sondern ein Netz von vielen, vielen Einzelrechnern, die zusammen ein Netzwerk bilden. Das soll verhindern, dass zum Beispiel eine staatliche Behörde die Server abschalten oder beschlagnahmen kann.
Ich glaube nicht, denn keiner weiß so recht, wer hinter Anonymous steht und wohin man sensible Informationen gibt, wenn man sie auf der Anonymous-Plattform hinterlegt. Technisch mag sie sehr sicher sein, aber wer betreibt sie? Mit wem lasse ich mich da ein? Was geschieht mit den Informationen? Das ist alles ungeklärt und darum glaube ich, die Plattform wird kein Anlaufpunkt für Whistleblower, also Informanten zum Beispiel aus einer Behörde sein. Das man auf der Plattform aber Material findet, das Anonymous bei Hackerangriffen etwa auf Regierungsrechner erbeutet, denke ich eher. Allerdings gibt es da das Problem, dass man nur schwer verifizieren kann: Ist das Material echt oder ist es gefälscht? Ich glaube, Wikileaks wird noch eine Weile im Netz schmerzlich vermisst werden.
Anonymous plant Informanten-Plattform, [4:04]
Zozan Mönch im Gespräch mit Netsurfer Lars Reppesgaard
Info: Netsurfer
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