Die letzte Wahl in den Vereinigten Staaten gewann Barak Obama unter anderem deshalb, weil er im Netz so souverän auftrat wie kein anderer Politiker vor ihm. Netsurfer Lars Reppesgaard hat sich auf Spurensuche gemacht und geschaut, wie sich die beiden Präsidentschaftskandidaten in diesem Jahr im Netz präsentieren.
Es spielt eine wichtige Rolle, aber bei dieser Wahl sicher nicht die wichtigste.
Das ist anders als bei der letzten Wahl 2008. Damals hatte Barak Obama unter anderem deswegen gewonnen, weil er es schaffte, die Menschen über das Netz zu mobilisieren und Spenden zu sammeln in einem Ausmaß, das man bis dahin nicht kannte. Über seine Webseite konnte man politische Vorschläge machen und über das Wahlprogramm diskutieren. Es gab ständige Twitter-Updates und Facebook-Nachrichten. Es wirkte so, als könnte man als Internetnutzer permanent dabei sein bei der Kampagne und bei politischen Entscheidungsprozessen.
Aber: Mitt Romney hat daraus seine Lehren gezogen, und auch sein Team ist nun im Web extrem aktiv, Facebook-Auftritt sowieso, Twitter Updates – na klar, aber auch Pinterest und andere weniger bekannte Netzwerke werden bespielt. Hier hat Barak Obama also keinen Vorsprung mehr. Die Rolle von Fernsehduellen, Nachrichtensendungen, Werbung und persönlichen Auftritten ist damit wieder wichtiger geworden.
Das wirkt aus unserer – europäischen – Sicht so, aber Parodien, Pannenfilme und bösartiges Material, das gibt es auch über Barak Obama reichlich. Wir kriegen das in Deutschland aber weniger mit, weil viele dieser viralen Pannenvideos nur bestimmte Leute einander weiterreichen, und man weiß, 85 Prozent der Menschen außerhalb der USA würden Obama wählen. Das heißt: In Deutschland werden Beiträge, in denen Mitt Romney schlecht dasteht, viel häufiger weitergeleitet als Obama-Pannen. Wir sehen hier also einen anderen Ausschnitt aus dem Netz als den, den Menschen in den Vereinigten Staaten sehen, wo beide Kandidaten beinah gleich beliebt sind.
Die Zeiten sind eindeutig vorbei. Ja, man darf Nachrichten über Facebook an die Kandidaten schreiben, man kann Mails schicken, aber das Thema Partizipation über das Netz, das große vernetzte Diskutieren, das ist gar nicht mehr zu beobachten. Statt dessen sehen wir genau das Gegenteil: Schon 2008 haben Obama und sein Team mit ihren ganzen Webinitiativen im Grunde schon ganz gezielt Nutzerinformationen gesammelt und dann diese Nutzer gezielt angesprochen, um sie als Spender und als Wähler zu gewinnen.
Heute geht es bei allem, was im Netz passiert, nur noch darum. Man hat das Gefühl: Beide Seiten wollen gar nicht Feedback und Ideen einsammeln, sondern an Nutzerdaten gelangen. Die werden dann genutzt, um alle, die sich für Politik interessieren, mit Onlinewerbung zu versorgen. Besonders die Einflussreichen, die Meinungsmacher, will man in den Netzwerken identifizieren – die Leute, die mit ihrem Urteil andere überzeugen. Die werden dann noch mal gesondert angesprochen, angerufen und angeschrieben – und zwar mit hochgradig personalisierten Botschaften. Statt des Wählers, der eine wichtige Meinung hat, steht hier – fürchte ich – nur noch der User im Vordergrund, den man mit maßgeschneiderten Werbe-Botschaften eindeckt.
Netsurfer: Entscheidet das Netz die US-Präsidentenwahl?, [3:33]
Info: Netsurfer
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