Netsurfer
Freunde, die den ganzen Tag vor dem Computer hängen, Kumpels, die die ganze Zeit nur auf das Handy starren, wenn man mit ihnen ausgeht – gut möglich , dass hinter dieser Leidenschaft für das Netz mehr steckt – nämlich eine Sucht. Lars Reppesgaard hat sich mit dem Phänomen Internetsucht genauer befasst.
Das Bundesgesundheitsministerium schätzt die Zahl der Süchtigen in Deutschland auf mehr als 500.000. Die Zahl der Alkohol-Süchtigen wird je nach Definition auf 1,3 bis 2,5 Millionen Menschen geschätzt. Die Fachstelle für Mediensucht des Diakonischen Werks in Hannover glaubt aber, dass es noch mehr Menschen sind, die gar nicht mehr vom Netz lassen können. Allein in der niedersächsischen Landeshauptstadt soll es mehrere tausend Internetsüchtige geben. Wenn das stimmt, würde das bedeuten, dass in ganz Deutschland mehrere Millionen Menschen internetsüchtig sind. Und ihre Zahl steigt, sagen die Suchtexperten dort.
Die Ursache findet man in Jacken- oder Hosentasche: Smartphones erlauben uns quasi, das Internet überall hin mitzunehmen, im Bus oder wo auch immer zu surfen, wo wir früher an den Rechner auf dem Schreibtisch mussten. Das ist natürlich auch im persönlichen Umfeld und bei der Arbeit zu sehen: Die Leute gucken dauernd auf das Smartphone. Facebook- und Twitter-Updates checken, gucken, wer über Whats App eine Kurznachricht geschrieben hat und so weiter... Dazu kommen Spiele, das Online-Shoppen, anstehende Arbeiten werden erledigt . Im Grunde hängen viele Leute einen großen Teil des Tages permanent am Netz.
Wenn man einfach nur viel am Netz hängt, das ist noch keine Sucht. Es werden viele unterschiedliche Dinge erledigt, und Online einkaufen ist etwas anderes als wegen der Facebook-Freunde etwa echte Freundschaften zu vernachlässigen. Die Suchtforscher sagen deshalb: Viel im Netz surfen ist ok und ziehen die Rote Linie, sobald man das Netz nicht nur nutzt, um zu kommunizieren, sondern man es nutzt, um dem eigenen, dem echten Leben auszuweichen – Online-Freunde ersetzen echte Freunde, Internet-Pornografie ersetzt das Gefühls- und das Beziehungsleben und macht es schwer, ein Verhältnis zu einem anderen Menschen einzugehen.
Es ist natürlich sehr schwer zu definieren, wo das "ganz normale" Verhalten endet und wo die Sucht beginnt. Deswegen ist der Begriff der Internet-Sucht wissenschaftlich auch durchaus umstritten. Einige Psychologen sagen sogar, es gibt keine Internet-Sucht im eigentlichen Sinne. Dieses nicht vom Netz loskommen ist keine eigenständige Störung, sondern das Symptom einer psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Depression. Das Netz trägt dazu bei, dass eine Störung ausgelebt wird, aber ist nicht unbedingt die Ursache für diese Störung.
Ein einfaches Experiment kann helfen, diese Gefahr zu erkennen. Und zwar: Das Smartphone zu Hause lassen, oder es sogar zwei, drei Tage in einen Schrank legen. Und dann sehen: Wie sehen die "Entzugserscheinungen" aus? Kann ich Freunde auch anders erreichen? Fühle ich mich unglücklich, fehlt mir was? Oder ist es vielleicht sogar mal ganz schön, nicht dauernd auf irgendwelche Status-Updates reagieren zu müssen? Ausprobieren, ob es noch ohne geht, ist immer ein guter Test. Und wer das Smartphone nicht einen Tag zuhause lassen kann, der sollte vielleicht wirklich mit Hilfe von Fachleuten schauen, ob ein Sucht-Problem vorliegt.
Internetsucht, [3:37]
Moderator Severino Melchiorre im Gespräch mit Lars Reppesgaard
Info: Netsurfer
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