Netsurfer
Raubkopien machen Plattenfirmen die Umsätze kaputt, Videos werden nur noch auf Youtube gesehen – das war die Befürchtung der Unterhaltungsindustrie. Doch neue Musik, neue Filme, neue Bücher werden immer noch produziert – und zwar mehr als je zuvor. Wie das sein kann, weiß Netsurfer Lars Reppesgaard. Er hat sich mit der Lage der Unterhaltungsindustrie in Zeiten des Internets beschäftigt.
Der Unterhaltungsindustrie insgesamt geht es ganz hervorragend – und dass, obwohl in der Öffentlichkeit immer wieder laut über das Raubkopieren von Filmen, Musik, und e-Books lamentiert wird. Tatsächlich aber sind Einnahmen und Angebote der Unterhaltungsindustrie in den vergangenen zehn Jahren in Europas Ländern gestiegen. Diese Zahlen hat die amerikanische Branchenvereinigung Computer & Communication Industry Association gerade veröffentlicht. Die Geschäfte für Unternehmen, die Filme, Bücher oder Musik verkaufen, laufen ausgesprochen gut, gerade die Filmindustrie, für die war beispielsweise 2012 sogar ein Rekordjahr.
Ja, und trotzdem boomt die Branche. Man muss genau in die Zahlen schauen um das zu erklären: Es gibt Bereiche der Unterhaltungsindustrie, die gelitten haben, vor allem die Musikbranche. Die Zahl der großen Plattenfirmen etwa ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Aber dafür ist die Zahl der legalen Streaming Dienste extrem angestiegen, 68 Dienste wie Pandora, Spotify, simfy und Co gibt es inzwischen in Deutschland. 2007 waren es noch ganze elf. Das bedeutet: Es findet ein Wandel statt. Es gibt Bereiche der Unterhaltungsindustrie, die haben Probleme, etwa weil keine CDs mehr gekauft werden. Und andere kommen dadurch erst ins Geschäft und profitieren davon, dass Digitalisierung und Vernetzung es anbieten, billiger denn je Bücher oder Filme zu machen oder einen Streaming Dienst anzubieten.
Durch die Digitalisierung ist das Produzieren von Büchern, Filmen, Musik und Co viel, viel billiger als früher und durch das Internet können sie extrem schnell und günstig verbreitet werden. Die Unterhaltungsindustrie brauchen sie oft gar nicht mehr, um ihr Publikum zu erreichen.
Das ist gut für die Kreativen, die Zahlen zeigen, dass immer mehr Leute kreativ sind. Die Zahl der e-Books explodiert, und viele Titel, die sich gut verkaufen, haben die Autoren selbst heraus gegeben, ohne großen Verlag dazwischen. Bei der Musik sieht man das gleiche, es werden jedes Jahr mehr Songs veröffentlicht. Und die werden auch gespielt und gehört, die Gema etwa schüttet in diesem Jahr so viel Geld an die Musiker aus wie noch nie. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist aber, dass es für den einzelnen Kreativen wiederum nicht so einfach ist, genug Geld zu verdienen.
Die Konkurrenz der Musiker oder der Autoren untereinander ist viel intensiver geworden, weil mehr Leute ein Buch oder Musik publizieren können als früher. Und wenn ein Song auf einer Streaming-Plattform gespielt wird, kriegt der Musiker den Bruchteil eines Cents, von einer verkauften CD bekam er einen oder zwei Euro.
Hier müssen Kreativen also versuchen, mit Live-Events oder anderen Aktionen auf ihre Kosten zu kommen – etwa auch die Finanzierung von Alben, Film- oder Buchprojekten direkt durch die Fans über Crowd-Funding-Plattformen wie Kickstarter.
Aber grundsätzlich zeigt sich, dass Internet und die Kreativindustrien sich nicht gegenseitig im Weg stehen. Man muss allerdings lernen, sich an die neuen Umstände anzupassen. Die Fans jedenfalls sind nach wie vor bereit, für Unterhaltungsprodukte Geld auszugeben, gehen etwa noch immer viel ins Kino und mehr als früher sogar zu Konzerten. Aber sie wollen auch mehr als früher, Tracks vorabhören zum Beispiel oder Probekapitel lesen, bevor sie ein Buch kaufen.
Trotz Internet: Die Unterhaltungsindustrie boomt, [4:04]
Severino Melchiorre im Gespräch mit Netsurfer Lars Reppesgaard
Info: Netsurfer
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