Netsurfer
An der Suche nach den Attentätern von Boston beteiligten sich im Netz Tausende, doch dass die Gemeinschaft der Netznutzer mit ihrem gemeinsamen Wissen schlauer ist als einzelne Experten, hat sich in diesem Fall nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, Fotos von Unschuldigen und Falschmeldungen wurden tausenfach im Netz verbreitet. Netsurfer Lars Reppesgaard hat diese Entwicklung beobachtet .
Nein, das würde ich nicht sagen. Viele vernetzte Nutzer sind nach wie vor sehr oft in der Lage, bessere Antworten für eine bestimmte Fragestellung zu finden als ein einzelner Experte. Das gilt aber natürlich nicht in jedem Fall. Es gibt auch Fälle, wo die Experten schneller ans Ziel kommen als die Masse. Aber dass bei der Suche nach den Attentätern von Boston reihenweise die Falschen verdächtigt wurden, zeigt meiner Ansicht nach eher etwas anderes – nämlich, dass sich Falschmeldungen inzwischen in fataler Weise ebenso blitzschnell verbreiten wie andere Nachrichten. Eben weil sie – oft auch in gut gemeinter Absicht – blind weitergeleitet, verlinkt, auf Facebook geliked oder getwittert werden.
Das ist schwierig. Dass sich Netzwerke ganz von selbst regulieren, das funktioniert nicht – das sehen wir ja gerade. Das fatale ist, dass Falschmeldungen in den Sozialen Netzwerken von Menschen kommen, denen wir vertrauen, unseren Freunden zum Beispiel. Wir sind nicht misstrauisch, wenn jemand, den wir kennen, etwas weiterleitet.
Nein, ich hoffe nicht. Mittel gegen die Wirkung von Falschmeldungen könnten etwa Reputationssysteme sein, wie sie von e-Bay und Amazon seit langem eingesetzt werden. Dort gilt: Wer seine Waren stets ordentlich liefert oder prompt zahlt, gilt mit der Zeit als verlässlicher Nutzer. So ähnlich funktioniert zum Beispiel schon die App Swift River. Damit kann man bereits jetzt Nachrichten aus sozialen Medien vorfiltern, indem man bestimmte Nutzer als unterschiedlich glaubwürdig einstuft. Von denen, die immer einen kühlen Kopf behalten und alles doppelt checken, lese ich alles. Bei meinen etwas voreiligen Freunden wird erst einmal gefiltert und erst wenn eine vertrauenswürdige Quelle einen Fakt bestätigt, kommt die Meldung zu mir durch.
Für Nachrichten-Profis gibt es sogar Plattformen wie Storyful, ein Dienst, der zum Beispiel bei Youtube-Videos prüft, ob Wetter, Sonnenstand oder im Bild befindliche Sehenswürdigkeiten auf der Aufnahme zusammenpassen. So kann man erkennen, ob ein Film das zeigt, was er zeigen soll, oder ob er manipuliert wurde.
Na klar, das verlangt keiner. Ein Dienst wie Storyful ist eher etwas für Profis, zum Beispiel für Journalisten, die sich allerdings auch mitunter blind auf das verlassen, was sie im Netz lesen. In einer professionellen Redaktion muss natürlich recherchiert werden, die Fakten, die man meldet, muss man gegen checken. Aber das passiert nicht immer. Eine Folge der Online-Fahndung nach den Boston-Attentätern war etwa, dass einige US-Zeitungen Fotos von Unschuldigen auf der Titelseite hatten, nur weil diese Bilder von irgendwem im Netz verbreitet wurden. Das geht natürlich gar nicht – aber es passiert, weil alle Sorge haben, dass sie eine heiße Nachricht nicht als Erste melden können. Blitzschnell, aber korrekt informieren – das ist die Herausforderung, vor der man im Netz steht. Deswegen denke ich, dass es einen ziemlichen Bedarf an Apps gibt, die Falschmeldungen im Netz automatisch bremsen können.
Das Audio:
Social Media und die Grenzen der Schwarmintelligenz , [3:27]
Severino Melchiorre im Gespräch mit Netsurfer Lars Repesgaard
Info: Netsurfer
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