Netsurfer
Wer am 18. Mai Facebook-Aktien gekauft hat, der hat übers Wochenende richtig Geld verloren. Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, hat ein absolut filmreifes Wochenende hinter sich. Nicht nur, dass er am 19. Mai geheiratet hat – am 18. Mai gab das Soziale Netzwerk sein Börsendebüt. Die Aktien des Unternehmens werden nun öffentlich gehandelt. Es war der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens in diesem Jahr und etwas wirkte das Ganze wie eine Show zur Hochzeit des Internet-Börsenbooms 1999. Nun hat die Aktie erstmal rapide an Wert verloren. Funkhaus-Europa-Netsurfer Lars Reppesgaard verrät uns, was das für Facebook bedeutet.
Schon am 18. Mai zum Start der Aktie verlief der Börsengang ziemlich unrund. Es dauerte eine halbe Stunde, bis der erste Kurs draußen war. Das ist an der Börse, wo in Sekundenbruchteilen gezockt wird, eine Ewigkeit, was aber weniger an Facebook lag, als an der Technologiebörse Nasdaq in New York. Über ihre Systeme sollten die Aktien gehandelt werden. Aber da hat einiges geklemmt, weil so viele Leute Aktien kaufen wollten. Und viele wussten erst nach Stunden, ob sie überhaupt Aktien bekommen hatten. Für die Börsenprofis war das also ein Desaster. Und ein gutes Geschäft für Aktienspekulanten ist das Papier auch noch nicht. Wer hier schnell viel Geld machen wollte, ist auf die Nase gefallen.
Ein Desaster war es keinesfalls. Für Facebook war der Börsengang unterm Strich ein Erfolg. Das Unternehmen hat nun durch die Aktienverkäufe satte 16 Milliarden Dollar mehr in der Kasse, das kann man investieren, das kann dem Unternehmen technisch und aus Sicht des Marketings einen gewaltigen Schub geben, wenn man das Geld richtig ausgibt. Und für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg war der Börsengang sicher das beste Geschäft. Er gehört nun zu den reichsten Menschen auf der Welt. Und auch viele Facebook-Mitarbeiter sind nun durch ihre Aktien zu Millionären geworden.
Auf jeden Fall, die Aktien waren zwar sehr begehrt, aber doch auch sehr teuer, vor allem, wenn man Facebook mit anderen Unternehmen vergleicht, Autoherstellern zum Beispiel, die verdienen richtig Ged, man weiß, wie das Geschäft funktioniert. Facebook soll nun mehr Wert sein als BMW, Deutsche Bank und Adidas zusammen. Bei Facebook haben die Anleger also darauf gesetzt, dass der Verkauf von persönlich auf die Nutzer zugeschnittenen Anzeigen mit Hilfe der vielen persönlichen Daten die Facebook sammelt, irgendwann ein supergigantisches Riesengeschäft wird. Ob das so kommt, ist fraglich. Das Geschäft läuft, aber ob es irgendwann man soooo gut läuft, ist auch angesichts der knapp zwei Milliarden Dollar, die Facebook im Jahr für seine Computerinfrastruktur ausgeben muss, offen.
Erst einmal muss man Geld übrig haben, um einzusteigen. Bloß nicht auf Kredit spekulieren, das ist extrem gefährlich. Aktien sind grundsätzlich eher riskant als Anlage, das gilt erst recht für welche von Internetfirmen, da geht es besonders rapide auf und ab. Zwei, drei Monate sollte man abwarten. Dann bekommt man, wenn die Aktie durchstartet, vielleicht nicht den billigsten Deal, aber man weiß etwas sicherer, wo die Reise hingeht.
Auf den ersten Blick einmal ändert sich nichts. Facebook ist immer noch dabei, seine Bestimmungen zur Datenspeicherung zu überarbeiten, aber im Grund ist der Deal weiterhin klar: Der Dienst ist kostenlos, dafür beobachtet Facebook jeden Klick und wertet ihn aus, um Werbung zu schalten. Facebook wird nicht auf einmal zu einem ganz anderen Unternehmen. Allerdings kann es gut sein, dass der Kapitalmarkt irgendwann Druck aufbaut und sagt, hey, wir, die Eigentümer, die Aktionäre wollen jetzt aber mal richtig Geld sehen. Facebook wird also viel Initiativen starten, um aus der riesigen Nutzermasse in irgendeiner Form Geld zu machen. Viele Nutzer werden also in Zukunft noch mehr Experimente sehen, bei denen mit neuen, ungewöhnlichen Anzeigen gespielt wird um zu testen, ob das Geld bringt. Facebook hat fast 40 verschiedenen Formen von Anzeigen, nun wird getestet, welche am besten funktionieren.
Facebook nach dem Börsengang, [4:36]
Moderatorin Irina Schedrowa im Gespräch mit Lars Reppesgaard
21. Mai 2012
Info: Netsurfer
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