Universitätsbibliothek Oldenburg
Reiche Länder kaufen in Afrika den Kleinbauern das Land weg. Die Ausstellung "Landraub! Profit. Macht. Hunger" zeigt die Ursachen und Zusammenhänge und fragt: Was haben wir mit diesen Landkäufen zu tun?
Begehrtes Land - ein frisch gepflügter Acker
Ausstellung: "Landraub" in der Unibibliothek Oldenburg , [3:29]
Beitrag von Gerhard Snitjer
Die Ausstellung besteht aus einigen Stellwänden mit Texten und Bildern, und einem Bildschirm, auf dem drei kurze Dokumentationsfilme gezeigt werden. Aber das Thema ist groß - fast so groß wie Afrika.
Ro Alognon, Soziologe und Politologe aus Togo, hat in den vergangenen Jahren beunruhigende Entwicklungen in den ärmsten Gegenden Afrikas beobachtet: Reiche Länder kaufen dort den Kleinbauern das Land weg. Allein in den vergangenen drei Jahren rund 50 Millionen Hektar.
Ro Alognon lebt seit acht Jahren in Deutschland und ist Bildungsreferent des Oldenburger Vereins "Ökumenisches Zentrum". Er hat die Ausstellung nach Oldenburg geholt. Die Landwirtschaft ist für Afrikaner so wichtig wie die Industrie für Mitteleuropa, sagt er. Die Industrien der westlichen Welt und neuerdings auch in Fernost haben einen gewaltigen Flächenbedarf, sagt Alognon. Sie brauchen zur Zeit vor allem Flächen für den Anbau von Tierfutter und von Energiepflanzen für so genannten Bio-Treibstoff. Diese Flächen verschaffen sie sich nicht im engen, teuren Europa, sondern im weiten, billigen Afrika. Damit in reichen Ländern E-10-Benzin und tägliche Fleischportionen zur Verfügung stehen, vertreibe man afrikanische Kleinbauern von ihrem Land, sagt der Afrikaner. Widerspruch, zum Beispiel von Parlamenten in afrikanischen Staaten, finde kaum statt.
Jeder Dorfälteste weiß genau, wem welches Land gehört. Allerdings ist dies nirgends schriftlich festgehalten. Protest gegen die Landnahme ist deshalb praktisch unmöglich.
Die Kleinbauern verlieren ihr Land, werden bei Protest niedergeknüppelt, versinken in der Armut oder versuchen auf illegalen Wegen ihr Land oder sogar ihren Kontinent zu verlassen. An anderen Stellen flammen ethnische Konflikte auf, weil Nomaden kein Weideland mehr finden und ihre Tiere in die Äcker der sesshaften Bauern treiben. Fast alle afrikanischen Staaten haben mittlerweile ein Nahrungsmitteldefizit und sind auf teure Importe angewiesen. Was ihnen von reichen Ländern und Konzernen als Investition in Infrastruktur und Arbeitsplätze verkauft wird, bezeichnet Alognon als Augenwischerei. Die Infrastruktur erschöpfe sich im Bau von Transportwegen für die Ware, vom Feld zum Hafen – und die Arbeitsplätze:
Für die Lösung des Problems sei ein völliges Umdenken nötig, das ist das Fazit der Ausstellung, die vom Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen zusammengestellt wurde. Die Schritte heißen demnach: Kraftstoff-Verbrauch einschränken, auch den von Bio-Kraftstoff. Weniger Fleischkonsum. Regionale Produkte kaufen. Banken sollen die Einhaltung von Menschenrechten zum Kriterium für Investitionen machen. Und Investitionen in Entwicklungsländern sollten immer die Ernährungssouveränität der Bewohner fördern, anstatt ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen.
Die Ausstellung „Landraub! Profit - Macht - Hunger“ ist noch bis zum 12. Februar in Oldenburg zu sehen: Im Foyer der Universitätsbibliothek am Uhlhornsweg.
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