Kunsthalle Wilhelmshaven
Was haben Rotterdam und Wilhelmshaven gemeinsam? Beide sind Hafenstädte, beide liegen an der Peripherie Europas, beide waren im Zweiten Weltkrieg stark zerbombt. Als eine Art "Wahlverwandschaft" sieht die Kunsthalle Wilhelmshaven die beiden Städte, und hat vier Fotokünstler, zwei aus Deutschland, zwei aus den Niederlanden, beauftragt, diese Wahlverwandschaft zu erkunden. Das Ergebnis ist jetzt in der Kunsthalle zu sehen, unter dem Titel: "Learning from... Rotterdam".
Baustelle Jade Weser Port
Foto-Ausstellung in Wilhelmshaven, [3:42]
Beitrag von Kristin Hunfeld
Ein schmuckloser Bau aus rotem Backstein, über den großen Schaufenstern in altmodisch geschwungener Schrift das Wort "Stöver". Daneben eine Baulücke, dann der "Momo-Grill" und der "Fun-Car-Verleih". Kim Bouvy hat nicht die schönen Seiten Wilhelmshavens gesucht, überhaupt geht es ihr nicht um Schönheit.
Kim Bouvy: "Ich höre oft, meine Fotos seien hässlich, oder sie zeigen Hässliches. Wenn man aber die Dinge nach schön oder hässlich einteilt, neigt man dazu, das Hässliche zu ignorieren. Es gehört aber auch zu einer Stadt. Mich interessiert wie eine Stadtlandschaft auch durch die Schilder bestimmt wird, durch Buchstaben und Wörter, die Zwischenräume, die Nichtorte".
Die hat sie auch in Rotterdam fotografiert. Düstere Straßenschluchten, die Rückseiten anonymer Betonbauten, menschenleere und menschenfeindlich wirkende Plätze in der nach der Zerstörung wieder aufgebauten Innenstadt. Die Frage, was Wilhelmshaven von Rotterdam lernen kann, findet sie schwierig zu beantworten.
Überhaupt, findet Kim Bouvy, kann man die Städte nicht wirklich vergleichen, nicht nur wegen ihrer unterschiedlichen Größe. Rotterdam sei eine junge Stadt, mit einer ganz eigenen Energie. Die hat auch Oliver Godow gespürt, auf seinen Erkundungen per Fahrrad. Oliver Godow: "Es ist eine Stadt die sich ständig neu erfindet. Man kann die einzelnen Kapitel der Geschichte seit dem Wiederaufbau spürbar nachempfinden."
Die Energie der Stadt drückt sich für Godow auch in ihren Farben aus. Und die hat er in seinen fragmentarischen Fotos ganz bewusst inszeniert. Den orange-lackierten Schiffskran im Museumshafen, den blauen Himmel der sich in der Hochglanzfassade des Shell-Hochhauses spiegelt, oder das himbeerrote Tuch über dem Betonträger auf der Dauerbaustelle des neuen Hauptbahnhofs, provisorische Abdeckung des noch nicht fertig gestellten Dachs.
Eine Vision sieht er auch in Wilhelmshaven, eine große sogar, den Jade Weser Port. Nur sei die vielleicht an der Lebensrealität der Stadt vorbeigeplant sagt der Künstler, dem löcherige Straßen und viele leerstehende Häuser aufgefallen sind. "Aus der ganzen Bausubstanz aus Kaisers Zeiten, die sehr schön ist, aber es hat eine Tendenz dass es verkommt. Währenddessen mal eben 50 Millionen lockergemacht werden für eine Reparatur eines Gedankenkonstrukts... die Spundwände.
Details dieser Spundwände hat Jost Wischnewski mit der Kamera festgehalten, die Schattierungen von rostbraun, grün und grau, Spundwände die auf dem weißen Sand des mittlerweile längst betonierten Strands auf ihre Verarbeitung warten, oder die, mit Markierungen und Zahlen versehen, in den Meeresgrund gerammt sind. Vier Jahre lang hat Wieschnewski die Verwandlung von Landschaft in ein Industrieareal begleitet. Auch bei der Anlieferung der Containerbrücken war er dabei. "Da kam das erste Mal eine Farbe und Frische an diesen Standort. Also gelb, grün, rot…"
Was nun Wilhelmshaven von Rotterdam lernen kann, wird in dieser Ausstellung nicht beantwortet, aber sie gibt interessante und sehenswerte Einblicke in das Alltagsleben und die Entwicklung beider Städte. Und in schon sehr frühe Wilhelmshavener Visionen. Elian Somers hat für ihre Installation in alten Zeitungen recherchiert. "1965 stand in der Wilhelmshavener Zeitung dass der Hafen von Rotterdam nicht mehr expandieren kann, und dass Wilhelmshaven zum neuen Nordseehafen werden soll."
Kunsthalle Wilhelmshaven: Learning from … Rotterdam:
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