Buch-Tipp
Sie ist Tochter einer Estin und eines Finnen. Ihr letztes Buch "Fegefeuer" war in Finnland monatelang Nummer 1 auf der Bestsellerliste. Es wurde vielfach ausgezeichnet und in 32 Sprachen übersetzt. Nun ist Sofi Oksanens Debütroman "Stalins Kühe" in deutscher Übersetzung erschienen. Mirjam Steger hat das Buch gelesen:
Wie schon in dem Roman "Fegefeuer", schreibt Sofi Oksanen absolut brilliant. Sie verwebt gekonnt verschiedene Geschichten und auch verschiedene geschichtliche Epochen.
Die Geschichte
"Stalins Kühe" erzählt die Geschichte einer jungen Frau namens Anna. Sie ist – wie die Autorin auch – Tochter einer Estin und eines Finnen. Anna leidet unter Ess-Störungen, sie hat Bulimie, also Ess-Brech-Sucht. Was das heißt, wird in dem Roman sehr bildhaft beschrieben. Die Fressorgien, die sie veranstaltet, wenn sie sich in ihrer Wohnung einschließt und lauter "verbotene" Lebensmittel in sich hinein stopft, um sie möglichst bald wieder auszukotzen. Eiscreme zuerst, denn dann rutscht alles besser.
Gleichzeitig erzählt der Roman die Geschichte von Annas Mutter, Katarina, einer Ingenieurin aus Estland noch zu Sowjetzeiten, die sich in einen Finnen verliebt, ihn heiratet und mit ihm in den Westen geht. Katariina verleugnet in Finnland ihre estnische Herkunft, denn sie hat Angst, als russische Hure angesehen zu werden. Sie verbietet Anna sogar, estnisch zu sprechen, spricht es selbst auch nicht mit ihr, obwohl sie regelmäßig die Großmutter in Estland besuchen.
Keine leichte Kost
Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die Geschichte Estlands im zweiten Weltkrieg und danach, oder aber auch, aktueller, das Verhältnis zwischen finnischen Männern und russischen Frauen, geprägt von Macht und Käuflichkeit, all das ist nicht gerade leichte Kost. Aber die Geschichte hat eben Tiefgang. Sie macht deutlich, dass sich niemand seiner Familiengeschichte entziehen kann. Dass Konflikte von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Annas Ess-Störung, mit der sie im Grunde versucht, sich und ihren Körper völlig zu kontrollieren, wird verständlich, wenn man sieht, mit wie viel Misstrauen sie aufwächst. Misstrauen, das von der politischen Geschichte und auch von der Familiengeschichte herrührt. An Anna geht zudem die Verleugnung der eigenen Identität als Estin nicht spurlos vorbei. Es fällt ihr schwer, eine positive Identität als Frau zu entwickeln. In all diesen Widersprüchen, in diesem Prozess des Suchens liegt die Stärke dieses Buches. Es trägt übrigens auch autobiografische Züge. Es war die Dozentin in einem Dramaturgiekurs, die die Autorin dazu ermutigt hat, ihr eigenes Thema zu ergründen anstatt es weg zu schieben.
Mirjam Steger hat "Stalins Kühe" gelesen:
Sofi Oksanen: Stalins Kühe, [3:32]
Lucia Hodinka im Gespräch mit Mirjam Steger
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