Buch-Tipp
Georg Büchners jüngster Biograph ist der Mainzer Germanist Hermann Kurzke, sein Buch "Georg Büchner. Geschichte eines Genies", das soeben bei C.H. Beck herausgekommen ist, stellt Harro Zimmermann vor.
Ein kurzes Leben
Geboren wurde er am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt, gestorben ist er am 19. Februar 1837 in Zürich, also vor demnächst 200 Jahren. Bei seinem Tod war Büchner vierundzwanzig Jahre alt. Er war Mediziner und Naturwissenschaftler, Dichter und Revolutionär, man hat im Hessischen steckbrieflich nach ihm gefahndet und ihn ins Exil getrieben, und er hat Texte von weltliterarischem Rang hinterlassen.
Er ist weltberühmt und doch kennt man nur Bruchteile seines geistigen Erbes, vielleicht ein Drittel davon, vermutet Hermann Kurzke. Georg Büchner war seinen Nachfahren und Herausgebern, seinen Zensoren und Interpreten, seinen Freunden wie seinen Feinden bis Anfang des 20. Jahrhunderts schutzlos preisgegeben. Wahrscheinlich hat seine Verlobte ein Großteil dieser Hinterlassenschaft vernichtet, aber auch die Familie Büchner war lange nicht daran interessiert, dass die Leute über den jungen Revoluzzer noch mehr Entlarvendes erfuhren, wohingegen der berühmte Bruder Ludwig später alles dafür tat, den Nimbus des Revolutionärs Georg Büchner in die Welt zu tragen.
Dieser Ruf hallte weithin und wurde in der 68er Germanistik der Bundesrepublik und in der DDR aufmerksam wahrgenommen. Damals unternahm man jeden nur denkbaren Versuch, aus Büchner einen lupenreinen Sozialrevolutionär und Frühkommunisten zu machen. Aber ist es wirklich das Politische, in dem man die Modernität dieses Dichterwissenschaftlers zu sehen hat? Hermann Kurzke vertritt dazu eine entschieden andere Position: "Dieser junge Mann hat in wenigen kurzen Sätzen Formulierungen, in denen die ganze Desillusionierung drin ist,…die Desillusionierung des Menschen als eines materiellen körperlichen Wesens, die Desillusionierung, dass er ein Tier ist, die ökonomische Desillusionierung, dass alles über das Geld läuft, und die Desillusionierung, dass alles über die Triebe läuft, dieses Leiden an der Moderne…, dieser Untergang der idealistischen Erwartung, man könne die Welt vom Kopf her verstehen und deuten".
Georg Büchner war alles andere als ein frühkommunistischer Visionär und Aufrührer. Und das, obwohl er tatsächlich jene geniale Revolutionsschrift, den ‚Hessischen Landboten’, verfasst hat. Aber wie schnell brachte er das alles hinter sich, und wie hat er gelitten unter diesem Schock der eigenen politischen Verstiegenheit. Seine Freunde wurden gejagt und inhaftiert, es gab Tote in der hessischen Oppositionsbewegung, man verfolgte und ächtete auch ihn, den Sohn einer wohlanständigen Arztfamilie. Von heute auf morgen ergab sich für Büchner, den Zürcher Exilanten, eine neue Weltlage. Alles tat er nun dafür, ein hochangesehener Arzt und Naturwissenschaftler zu werden wie sein strenger Vater, das Schreiben verlegte er in die Nebenstunden, als Künstler leistete er Abbitte für seine Schuld, reflektierte er seine politische Schwarmgeistereien, verwandelte er seine sexuellen und metaphysischen und religiösen Nöte in unnachahmliche Sprachfiguren.
Brillanter und feinnerviger ist über den romantischen Revolutionär Georg Büchner noch nirgendwo geschrieben worden. Und immer ist es die leib-seelisch so abgründige Person dieses jungen Mannes, die für sein einzigartiges Kunst-Werk, für seine geschichtliche Bedeutung einzustehen vermag. So darf Kurzke zu Recht hoffen, dass er die Verstehenswunder um Georg Büchner nicht verringert, sondern vermehrt hat. Ja, es trifft zu, dies ist eine hingebungsvolle Biographie, aber ihre subtile Verstehenssympathie erfüllt sich nicht nur an ihrem Erkenntnisobjekt, sie kommt auch ihrem heutigen Publikum sehr zugute:
Buchinfos:
Hermann Kurze: Georg Büchner. Geschichte eines Genies, C.H. Beck Verlag, 591 Seiten, 29,95 Euro
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