Buch-Tipp
Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen war kaum in Deutschland, da war es auch schon ein Thema: Emanzipation und Fußball. Es wanderte durch die Gazetten, landete an den Stammtischen und wurde zum Diskussionsstoff in Talkshows und Sportsendungen. Die beiden Journalisten Daniel Küchenmeister und Thomas Schneider greifen dieses Thema jetzt ebenfalls auf, wissenschaftlich und unterhaltsam zugleich.
Buchtipp: Fußball und Emanzipation , [3:21]
Hans-Heinrich Obuch über das Buch "Emanzipation und Fußball"
Das "Wunder von Bern" kennen wir alle: Dieses grandiose WM-Finale im Regen, das Deutschland vollkommen überraschend gegen Ungarn gewann und das durch den Kommentar der Reporter-Legende Herbert Zimmermann gewissermaßen seine eigene "Melodie" erhielt. Aber kennen Sie auch das "Wunder von Travemünde"? Ein historischer Moment, als 1970 am Ostseestrand der Bundestag des Deutschen Fußballverbandes seinen Widerstand gegen den Frauenfußball aufgab und verkündete:
"Der im Jahre 1955 gefasste Beschluss, Spiele von Frauenfußballmannschaften nicht zu gestatten, wird aufgehoben. B) Der DFB-Vorstand wird beauftragt, die erforderlichen Richtlinien zur Durchführung von Frauenfußballspielen aufzustellen und deren Annahme zu empfehlen.
Die Blockade gegen den Kick der Damen war offiziell beseitigt – ein erster Schritt. Die Vorurteile aber blieben. Fußball galt als Männersport, zudem als harter Männersport. Eigentlich hatten Frauen da nichts zu suchen. Fußball war unfeminin. Und Frauen, die unbedingt gegen das Leder treten wollten, disqualifizierten sich, verweigerten sich gewissermaßen der Frauenrolle, galten als unweiblich. So der Kommentar der Männer – damals. Und heute: "Das lange gepflegte Klischee der fußballtretenden "Suffragetten", "Mannweiber" oder "Kampflesben" scheint ausgedient zu haben – zugunsten eines neuen Klischees der emotionalen und schönen Frauen, die emotionalen und schönen Fußball spielen. Gleich geblieben ist die Folie, vor der die Zuschreibung erfolgt, die Folie der Männerperspektive auf Männerfußball.
Vielleicht verändert sich diese Perspektive während der Frauen-WM. Den Frauen aber zum Troste: Als sich der Fußball zwischen 1870 und 1890 zaghaft von der britischen Insel kommend auf den europäischen Kontinent wagte, da wurde er von der Männergesellschaft hier auch nicht Willkommen geheißen. Da war es auch für Männer unschicklich, Fußball zu spielen. Fußball wurde als: "Fußlümmelei. Stauchballspiel und englische Krankheit" diffamiert.
Kurz vor der Jahrhundertwende war also der Fußball eine verpönte Sportart. Die auf Drill und Disziplin getrimmten Turner sahen den Fußball als große Konkurrenz. Die Fußballer lieferten den Kontrast zum vermeintlich sauberen, ordentlichen Turnen. Fußball war unordentlicher, anarchischer, und die Aktiven der neuen Sportart entwickelten zunehmend eine lockere, auch leicht provozierende Körpersprache:
"Nicht zufällig tragen die jungen Pioniere des Fußballs auf frühen Fotographien unverhohlenen Stolz und demonstratives Selbstbewusstsein zur Schau, die sich mit zunehmender gesellschaftlicher Etablierung und wachsender individueller Anerkennung in eine gelassene, ja fast lässige Haltung verwandeln."
Dieses kleine Fußballgeschichtsbuch analysiert viele Aspekte der Emanzipation im Fußballsport: Die Autoren beschäftigen sich mit Fußballer-Karrieren in der Weimarer Republik, mit jüdischen Sportlern in Berlin, mit Fußballfans in der DDR. Mit Fußball für Menschen mit Behinderung und – Emanzipation hört nie auf – mit Lesben und Schwulen im Abseits, also mit der Homophobie im Fußballsport. Daniel Küchenmeister und Thomas Schneider haben ein Buch herausgeben, das die ganze Bandbreite der Emanzipation im Fußball aufzeigt – und dies informativ und kurzweilig. Geeignet für historisch interessierte Leser und für uns Fußballfans von nebenan.
Buchinfos:
Daniel Küchenmeister/Thomas Schneider: Emanzipation und Fußball. Panama Verlag 2011, 19,90 Euro
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Nordwestradio Journal
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12:08 Uhr, Nordwestradio:
Nordwestradio Journal
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Niederdeutsches Hörspiel
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20:05 Uhr, Nordwestradio:
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