Buch-Tipp
Am 24. Januar 2012 hat sich zum 300. Mal der Geburtstag Friedrichs des Zweiten, des Großen, des Königs von Preußen gejährt. Und es gibt wohl keinen politischen Potentaten der vergangenen Jahrhunderte, der so viel öffentliche Anteilnahme, so viel Interesse und Publicity auf sich gezogen hätte wie er. Drei Dutzend neue Bücher über Friedrich II., Anthologien seiner Schriften und Dichtungen, Biographien, CDs mit Einspielungen seiner Musik, Zeitungsdossiers, Ausstellungen und Würdigungen aller Art.
Friedrich der Große , [3:27]
Harro Zimmermann stellt vier Bücher über den Preußenkönig vor
Es ist noch nicht lange her, da hatte alles "Preußische" etwas Vorgestriges, schlecht Autoritäres oder sonderbar Deutsches – das scheint heute nicht mehr der Fall zu sein. Haben wir es also mit einer Art Festival des Gedenkens an den alten Preußenkönig zu tun? Gewiss ist viel verkappte Heimatsuche und manches Geschichtswohlfühl-Interesse im Spiel, aber es gibt durchaus eine Reihe lohnenswerter Bücher inmitten dieser Öffentlichkeitsflut. Ihnen allen dürfte gemeinsam sein, dass jede ideologische Ambition positiver oder negativer Art gegenüber dem Preußenkönig keine Rolle mehr spielt.
Wer gründlich informiert sein möchte über die Zeitverhältnisse und über die Militär- und Staatengeschichte des 18. Jahrhunderts, in denen Friedrich II. wirkte, der greife zu Johannes Kunischs bewährter Darstellung. Der Klassiker der Friedrichforschung ist in einer Kurzfassung jetzt noch einmal in der C.H. Beck-Reihe ‚Wissen’ herausgekommen. Auf knappstem Raum erfährt man alles, was den Philosophen, Künstler und Staatsdenker auf dem Thron der Preußen ausmachte, diesen Machtmenschen und Intellektuellen, der sein Königreich an den Rand der Moderne geführt hat.
Recht gut lesbar ist auch die Biographie Friedrichs II. von Ewald Frie bei Rowohlt, wobei der Autor allerdings versucht, neben den Zeitverhältnissen und ihren politischen und militärischen Verwicklungen insbesondere die Persönlichkeit, ja die ambivalente Geniegestalt des Monarchen herauszuarbeiten. Der Leser wird kenntnisreich und zuverlässig durch dieses ‚Königtum der Widersprüche’ hindurchgeführt.
Jens Bisky, Unser König - Friedrich der Große und seine Zeit, Rowohlt, 2011
Das gilt auch für Jens Biskys Lesebuch mit dem Titel ‚Unser König’, das bei Rowohlt Berlin herausgekommen ist. Sehr prägnant geschrieben, reichhaltig und sorgsam mit zeitgenössischen Texten ausgestattet, stellt Bisky eine ganze politische und kulturelle Ära vor Augen. Der Leser kann sich, wenn er will, in die verschiedensten Verästelungen der Zeit und des Zeitgeistes versenken. Friedrich wird vielfältig als ein moderner Herrscher porträtiert, der Autor, Urheber und Souverän seines eigenen politischen Schaffens sein wollte. Und der bis heute eine höchst ambivalente Wirkung auf die Selbstverständigungsnöte der Deutschen ausübt, freilich ohne dass irgend eine bestimmte Fraktion sich seiner bruchlos bemächtigen könnte.
Diesen großen Faden der Interpretation des Preußentums im Konzert der deutschen Haupt- und Staatsaktionen nimmt auch Eberhard Straub auf in seiner kleinen, aber feinen Geschichte Preußens, die in zweiter Auflage bei Klett-Cotta erschienen ist. Straub kann zeigen, dass die vielfachen Inanspruchnahmen eines ominösen Preußentums, aber auch die Aversionen dagegen nie der historischen Wahrheit entsprochen haben. Preußen ließ und lässt sich nicht gleichsetzen mit aggressiver Macht- und Militärstaatlichkeit oder mit herrschaftlichem Größenwahn. Das mag für die Zeit nach der Reichsgründung von 1870/71 zutreffen, für den brüllenden Patriotismus der Wilhelminischen Ära, aber Preußen war auch das Land einer subtilen Kultur und Intellektualität, das Land umfassender moderner Sozial- und Politikreformen, mithin eine Art Vorreiter der gesamtdeutschen Modernisierung.
Im Namen Friedrichs des Großen, des "alten Fritz", wie man ihn schon vor gut zweihundert Jahren nannte, kann heute - was lange Zeit nicht möglich war - eine von jeder Borniertheit befreite historische Selbstverständigung der Deutschen stattfinden.
Jens Bisky: Unser König. Friedrich der Große und seine Zeit – ein Lesebuch. Rowohlt Berlin 2011
Eberhard Straub: Eine kleine Geschichte Preußens. Klett-Cotta 2011
Ewald Frie: Friedrich II. Rowohlts Monographien. Reinbek bei Hamburg 2012
Johannes Kunisch: Friedrich der Große. C.H. Beck Verlag 2011
Friedrich der Große und der Preußenmythos , [4:51]
Essay von Harro Zimmermann
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Nordwestradio Journal
7:08 Uhr, Nordwestradio:
Nordwestradio Journal
8:08 Uhr, Nordwestradio:
Nordwestradio Journal
10:05 Uhr, Nordwestradio:
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12:00 Uhr, Bremen Vier:
Bremen Vier Mittendrin
12:08 Uhr, Nordwestradio:
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Lesebuch
19:05 Uhr, Nordwestradio:
Niederdeutsches Hörspiel
20:00 Uhr, Bremen Vier:
Remmidemmi
20:05 Uhr, Nordwestradio:
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