Buch-Tipp
Helmut Pfotenhauer, Jean Paul - Das Leben als Schreiben, Hanser Verlag, 2013
Inzwischen ist Jean Paul für viele literarisch Interessierte längst zu einer glanzvollen Erscheinung des 18. Jahrhunderts geworden, zwischen Aufklärung, Klassik und Romantik. Helmut Pfotenhauer, der Präsident der Jean-Paul-Gesellschaft und Herausgeber der Historisch-Kritischen Werkausgabe Jean Pauls, hat im Hanser Verlag eine neue Biographie des großen Schriftstellers vorgelegt.
Jean Paul - Das Leben als Schreiben, [4:09]
Buch-Tipp von Harro Zimmermann
Dieser Johann Paul Friedrich Richter hatte sich mehrfach in verschnörkelten Briefen an Goethe gewandt, aber nie eine Antwort erhalten. Der junge Autor mochte marginal erscheinen, aber er gab einem Rätsel auf, seit 1792 nannte er sich Jean Paul. Schon der allgemeine Ruf dieses Menschen sprach Bände. In seinen Büchern tobte sich das "Tolle" neben dem "Wahren" aus, das Alltägliche neben dem Unerhörten, Kosmisches vermengte sich mit dem Allzugewöhnlichen und umgekehrt.
Weimar blieb in der Biographie des Jean Paul eine Episode, Leipzig und Berlin spielten noch eine Rolle für den von der Leser-Weiblichkeit vergötterten Starautor, aber dieses gewaltige Wortexperimentalwerk sollte im Oberfränkischen beginnen und dort auch enden. Pfotenhauer hält sich an die Formulierung Jean Pauls, sein reales Ich sei bei weitem nicht so bedeutsam wie dasjenige, was es literarisch zu Papier habe. Wir haben es hier in der Tat mit einer erschriebenen Vita zu tun. Wie bei keinem anderen Autor deutscher Zunge haben die Schriften Jean Pauls einander atemlos abgelöst, ineinander gegriffen und sich überlagert, sind sie ergänzt und weiterentwickelt, relativiert und korrigiert, auf grenzenlose Unvollendbarkeit hin entworfen worden. Das Schreiben war sein eigentliches Leben.
Als Leser war Jean Paul ein "Bücher-Vampyr", als Autor ein Wortfresser, ein Textsammler und -ausbeuter, ein Collageur und Experimentator, der überhaupt nur im Universum der "Letternkultur" zu atmen vermochte. Grundgelehrt und hellhörig durchmisst Pfotenhauer die Geschichte dieser Autor-Werk-Geschichte, die im Kleinen, Unscheinbaren und Idyllischen beginnt, sich zur literarischen "Essigfabrik" der frühen Satiren auswächst, um sich mit dem 'Hesperus' allmählich in die figurenreiche Romanhumoreske hinein auszuweiten.
Aus dem Glauben erwachsene Gespensterfurcht und Geisterscheu sind es zunächst, die Jean Pauls Schreiben in Atem halten, mit Beginn der 1780er Jahre treten dann philosophische und literarische, aber auch psychologische und anthropologische Bedrängnisse an deren Stelle. Der Dichter gelangt immer tiefer in die Welten des figürlich Erzählbaren, in die Nähe des Hoffens und Bangens von Menschen. Kann man sich noch einmal mit Leibniz auf die spirituelle Einheit des Universums zurückziehen? Oder zwingen moderne Anthropologie, Psychologie und Erkenntnistheorie nicht längst zu riskanten Denkoperationen im Bereich des "Unbewussten, dieses wahren inneren Afrika"? Wo Seinsgewissheiten nicht mehr zu haben sind, muss man sich das kosmisch Beunruhigende als poetische Ausdrucksform zueigen machen. Für diesen prekären Dienst an der Schönheit des Daseins hat Jean Paul sein Leben aufgezehrt.
Buchinfos:
Helmut Pfotenhauer: Jean Paul. Das Leben als Schreiben. Biographie. Carl Hanser Verlag 2013, 508 Seiten, 27,90 Euro
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