Buch-Tipp
In Charlotte Roches neuem Roman "Schoßgebete" geht es um eine traumatisierte Frau Anfang dreißig, die ihre Geschwister bei einem Unfall verloren hat. Wie bereits in "Feuchtgebiete" garniert Charlotte Roche ihren Text mit detaillierten Sexszenen. Kann sie ihren Erfolg wiederholen?
Charlotte Roche: Schoßgebete, Piper 2011
Charlotte Roche: Schoßgebete , [3:14]
Buch-Tipp von Heide Soltau
2008 war für den deutschen Literaturbetrieb das Jahr der Körperflüssigkeiten. Mit ihrem Erstling "Feuchtgebiete" eroberte die ehemalige Viva-Moderatorin Charlotte Roche die Bestsellerlisten im Sturm. Die Geschichte der jungen Helen Memel, die mit Hämorrhoiden im Krankenhaus liegt und über allerlei abseitige Sexualpraktiken sinniert, ging insgesamt mehr als 1,3 Millionen Mal über die Ladentheken.
Nun legt Charlotte Roche ihren zweiten Roman vor. In "Schoßgebete" geht es um Elizabeth Kiehl, eine moderne Frau Anfang dreißig, die mit allen zeitgenössischen Statussymbolen ausgestattet ist: Eine Patchwork-Familie, eine eigene Psychotherapeutin und ein erfülltes, unkonventionelles Sexleben.
Dabei knüpft das Buch inhaltlich wie stilistisch an Charlotte Roches Überraschungserfolg an. Wieder bietet die Autorin detaillierte Beschreibungen der verschiedensten Sexualpraktiken in einer einfachen und verträglichen Sprache. Neu hinzugekommen sind die Traumata der Hauptfigur: Die freizügige und betont feministische Lebensweise ihrer Mutter hat Elizabeth zu einer Art zwanghaft perfekten Überfrau und -Mutter gemacht. Außerdem hat sie ihre drei Brüder am Tag vor ihrer geplanten Hochzeit bei einem schrecklichen Auto-Unfall verloren. Damit verarbeitet Charlotte Roche ihre persönliche Katastrophe, denn genau das ist der Autorin wirklich passiert. Und so breitet Charlotte Roche in dem Roman ungefiltert ihre eigene Geschichte vor ihrem Publikum aus.
Natürlich ist dieser Zweitling das literarische Großereignis des Sommers. Das gesamte deutsche Feuilleton wartet gespannt ab, ob die Roche ihren sensationellen Erfolg wiederholen kann. Der Piper-Verlag scheint fest davon auszugehen: "Schoßgebete" geht mit einer Erstauflage von einer halben Millionen Exemplare an den Start. Das ist die höchste Erstauflage in der Geschichte der Bundesrepublik.
Die deutschen Kulturredaktionen hingegen sehen das nicht so eindeutig, von der Lobpreisung bis hin zum Verriss ist alles vertreten: Die FAZ spricht von großer Literatur mit einer klugen Dramaturgie, die Süddeutsche erklärt die "Schoßgebete" für trivial und unerheblich. Die ersten Leser-Rezensionen bei Amazon fallen ebenfalls eher negativ aus…
Buchinfos:
Charlotte Roche: Schoßgebete, Piper Verlag 2011, 288 Seiten, 12,99 Euro
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