Buch-Tipp
Bekannt wurde die Schriftstellerin Sigrid Damm als Biografin der großen Figuren der klassischen Literatur. Das Leben von Goethe, Schiller und Christiane Vulpius schilderte sie spannend, mit Einfühlungsvermögen und Entdeckerglück. Über sich selbst hat Sigrid Damm bislang kaum geschrieben. Informationen über ihre Lebensansichten ließen sich eher indirekt aus ihren Texten schließen. Nun legt sie mit "Wohin mit mir?" ein sehr persönliches Buch vor. Im Kern berichtet sie darin von einem Studienaufenthalt in Rom kurz vor dem Jahrhundertwechsel. Und dennoch ist es ein aufschlussreiches autobiografisches Werk geworden.
Sigrid Damm: Wohin mit mir?; Insel Verlag; 268 Seiten; 22,95 €
In ihrem neuen Buch "Wohin mit mir" erinnert sich Sigrid Damm an eine inzwischen zehn Jahre zurückliegende Romreise. Das elegische, auch ratlose im Titel, erklärt die 71-Jährige, stehe vor allem für die Zerrissenheit, mit der ihre Romreise einst begonnen hat. Damals in Rom war die Stipendiatin gerade in ein ganz anderes Projekt vertieft. Einen Text-Bildband über Lappland. Sie hatte also den nördlichen Erzählstoff samt der Leere und Stille im Kopf und Rom in seiner quirligen Potenz vor Augen.
„Ich war in Rom ständig abwesend. Schreiben kann ja auch versäumtes Leben bedeuten. Ich kam nach Rom und war in der Casa di Goethe, in einem Museum zu Gast bei einem Toten, mit Alarmanlage, ich hab mich im lauten Rom nicht wohl gefühlt, ich war selber daran Schuld, weil ich immer in meinem Lappland war und die Stille gesucht habe.“
So erzählt ihr Rom-Tagebuch vom Suchen, Verfehlen und Finden des Glücks – und so vieles mehr. Einen so offenen Blick auf sich selbst, auf ihre Lebensansichten und Zweifel, hat man von der Autorin vorher nicht gelesen. Hier erleben wir Sigrid Damm buchstäblich neben einem Pappmaschee-Goethe auf dem Balkon der Casa di Goethe sitzen und über den Lärm Roms fluchen. Der „Lärmkäfig Rom“, wie sie schreibt, hat sie fast den Aufenthalt abbrechen lassen. Am glücklichsten war sie eigentlich nur, wenn sie mit einer Schüssel kaltem Wasser unterm Schreibtisch, darin die Füße getaucht, an ihrem Lappland-Buch schreiben konnte. Ohne die Ruhe in der Villa Borghese und ein paar kräftigen Regengüssen wäre für sie Rom ein glücksferner Ort geblieben.
Natürlich ist in Rom auch Goethe wieder ihr Begleiter, auf dessen Spuren Sigrid Damm schon mehrfach wandelte. Mit Goethe begleiten wir sie auf sämtlichen Piazzen und durch die Pallazzi Roms. Und natürlich verlässt sie auf der Hinfahrt die achtspurige Autobahn und wählt die alte Brennerstraße, weil das auch einst Goethes Route war.
"Das muss ich gestehen. .. Aber insgesamt habe ich mich in Rom von Goethe abgesetzt. Während für ihn Rom ein Sehnsuchtsort war, war es für mich ein leeres Blatt. Erzählen ist glaube ich immer Erinnern. Das ist ein Motiv, dass sich durch all meine Bücher zieht. Also Erinnern und Rückgewinnung der Individualität. Hier ist es eben die Erzählerin selbst. In anderen Büchern ist es Schiller, Goethe oder Christiane. Und eigentlich ist das durchgängig das Motiv meines Schreibens geblieben."
So erinnert sich Sigrid Damm zwölf Jahre später und erlebt ihre Reise im Nachhinein. Gern kokettiert sie hier mit Goethe, der sich sogar 30 Jahre Zeit ließ, bis er seine "Italienische Reise" aufschrieb. Das Schönste neben ihren Zwiegesprächen zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind ihre genauen und sensiblen Kunstbetrachtungen, ob über die gewaltige von Michelangelo geschaffene Kuppel von Sankt Peter oder ihre Begeisterung für die Symmetrie des Pantheons. Auch ihr Rom-Buch ist wieder so gründlich recherchiert, dass man es gern als Lektüre für Italienreisende empfehlen möchte.
Am Ende spricht Sigrid Damm doch vom "Geschenk Rom". Sie hat das Gefühl, an den Schnüren der Geschenkverpackung zu ziehen und sie langsam zu lösen. Ein heißes Glücksgefühl überströmt sie: "Der Süden ist in mir", heißt es hier, "ich kann ihn nach Norden mitnehmen."
Buchinfos:
Sigrid Damm: "Wohin mit mir", Insel, Suhrkamp Verlag, 288 Seiten, 22,95 Euro
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