Buch-Tipp
Thea Sternheim, "Tagebücher 1903-1971", Wallstein Verlag, April 2011
Thea Sternheims bislang kaum bekannte Tagebücher sind die facettenreichen Aufzeichnungen einer beeindruckenden Chronistin. Sie bieten ein Panorama des kulturellen wie politischen Lebens im Deutschland und Frankreich des 20. Jahrhunderts. Harro Zimmermann stellt die Tagebücher der Thea Sternheim vor.
Die beiden Herausgeber dieser großartigen Edition, Thomas Ehrsam und Regula Wyss, weisen in ihrem exzellenten Nachwort auf die so beeindruckende wie verwirrende Vita der Thea Sternheim hin. 1883 in Neuss als Thea Bauer geboren, wird sie in Mädchenpensionaten streng erzogen, verliebt sich früh, verlässt das Elternhaus, verzichtet zeitweise auf ihr Erbe und folgt ihrer Liebe und ihren intellektuellen und künstlerischen Neigungen.
Wie ein fluktuierendes seismographisches Medium verschlägt es diese selbstbewusste und liebessehnsüchtige Frau durch ganz Europa, zwischen England, Belgien, Holland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Deutschland, hin und her gerissen durch Liebes- und Eheverhältnisse, entnervt durch Familienstreit und Erbschaftsprobleme, verjagt durch nationalistische Schreihälse hüben wie drüben, exiliert und demoralisiert durch die Nazis und noch als alte Frau enttäuscht von Staat und Politik im Zeichen der jungen deutschen Demokratie.
Doch inmitten all der Fährnisse, Krisen und schmerzvollen Erlebnisse erhebt diese Diaristin immer wieder ihr Haupt und widersteht den Desastern der Zeit durch das akribische Aufschreiben dessen, was mit ihr und den Menschen um sie herum geschieht.
Buchinfo:
Thea Sternheim: Tagebücher 1903-1971. Bd. 1-5. Herausgegeben von Thomas Ehrsam und Regula Wyss. Wallstein Verlag 2011, 3.568 Seiten, 128 Euro
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