Buch-Tipp
Thomas von Aquin (Demidoff-Altar, Carlo Crivelli)
Sein Lebenswerk gehört seit Jahrhunderten zur Weltphilosophie. Jetzt erschien im traditionsreichen Hamburger Felix Meiner Verlag passend zur Weihnachtszeit die neue Übersetzung eines Traktats von Thomas von Aquin: "Über das Glück". Jürgen Werth stellt das Buch vor.
Alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher, so sang einst der unglückliche Bertolt Brecht, der lange davon träumte, eine Oper über den Glücksgott zu schreiben. Diesem Glücksgott traut man unweigerlich zu, in einem Glaspalast zu leben. Denn kaum etwas anderes ist ja so zerbrechlich wie Glück und Glas. Es gibt "Glücksritter" und "Glückspillen". Zum Personal gehören das "Glücksschwein" und die "Glücksfee". Und jetzt ist ein Text erschienen, der den Leser glücklich macht.
Ein Bild zeigt uns den Verfasser mit erhobenem Zeigefinger und einem Buch. Es könnte sich um die Bibel handeln. Oder um Thomas von Aquins Hauptwerk: "Summe der Theologie". Und wer sich für das Glück interessiert, ist hier an der richtigen Adresse, enn Bestandteil des Werks ist ein Traktat über das Glück. Aber können wir heute von einem Mann angeregt werden, der vor 750 Jahren gelehrt hat? Und ob. In der neuen Übersetzung von Johannes Brachtendorf wirken die Texte frisch wie am ersten Tag.
Ob denn der Mensch, wenn er etwas tut, ein Ziel vor Augen hat, fragt Thomas.
"...der Mensch tut vieles ohne Überlegung, ...etwa wenn jemand den Fuß oder die Hand bewegt, während er an anderes denkt, oder sich den Bart reibt. Also tut der Mensch nicht alles wegen eines Zieles."
Thomas unterscheidet zwischen Glauben und Wissen. Er trennt Theologie und Philosophie. Das ist das Neue, für das Thomas steht. So kommt auch ein "moderner" Blick ins Spiel, den wir in einem theologischen Grundlagenwerk nicht erwartet haben. Mit Beispielen aus dem Alltag. Und aus dem eigenen Nähkästchen. Die Schönheit der lateinisch-deutschenTexte kommt auch da zum Vorschein, wo aus den Zeilen eine gewisse Schlitzohrigkeit herauszuhören ist. Etwa wenn wir lesen:
"Die Definition des Glücks, die manche aufgestellt haben: "Glücklich ist, wer alles hat, was er will", oder, "dem alles gelingt, was er will", ist auf eine Art verstanden gut und ausreichend, auf andere Art betrachtet aber unvollkommen."
Dieser philosophische Theologe macht keinen großen Bogen um den menschlichen Körper. Auch das Körperliche kann zum Glück beitragen - aber auch zum Unglück. Thomas von Aquin benutzt keine Messlatte, die am Übermenschen geformt ist. Hier spricht kein blutleerer Dogmatiker. Sein Credo lautet nicht "Entweder - oder", sondern "Sowohl als auch". Ein Kirchenlehrer, der Ambivalenzen und Doppeldeutigkeiten anerkennt. Warum er das tut? Vermutlich weil er sie im eigenen Leben erfahren hat. Wie sein Gewährsmann Augustinus, den er oft zitiert. Manche Sätze klingen als wären sie von heute. Sie könnten durchgehen als Werbung für Facebook:
"...Ruhm besteht darin, dass das Gute eines Menschen zur Kenntnis vieler gebracht wird. Also ist für das Glück die Gemeinschaft von Freunden erforderlich."
Aber jene beliebte Formel für den faulen Kompromiss suchen wir bei Thomas von Aquin vergeblich, den Glücksbegriff der "Fledermaus" nämlich, mit dem man auch Reklame für die Kunst der Verdrängung machen kann: "Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist."
Buchinfos:
Thomas von Aquin: "Über das Glück", herausgegeben von Johannes Brachtendorf, Felix Meiner Verlag, Hamburg, 274 Seiten, 48 Euro
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