CD-Tipp
Der Zufall führte Regie, als auf einem Münchner Flohmarkt ein Sammler ein altes Fotoalbum mit Bildern einer attraktiven Frau entdeckte. Die Frau war ihm völlig unbekannt. Er wurde neugierig, blätterte in dem Album und fand darin Autogrammkarten. Autogrammkarten einer Jazzsängerin. Die Bilder zeigten die 1999 verstorbene Deutsche Jazzsängerin Inge Brandenburg. Der Sammler wollte mehr über Inge Brandenburg erfahren. Er erwarb einen Teil ihres Nachlasses und gemeinsam mit dem Filmemacher Marl Boettcher tauchte er ein in ein Leben voller Entbehrungen, Sehnsüchte und Exzesse. Der Film ist fertig abgedreht mit einem Soundtrack, der mehr ist als das Dokument einer glücklosen Sängerin.
CD Tipp : Sing! Inge, sing!, [6:52]
Petra Schwertfechter über das Album von Inge Brandenburg
Inge Brandenburg ist eine deutsche Jazz-Sängerin, die in den 60er und 70er Jahren vom großen Publikum nicht wahrgenommen wurde. Aber ihre musikalischen Weggefährten erinnern sich bis heute an sie. Udo Jürgens sagt anerkennend: "Sie war das, was man eine kompromisslose Jazzsängerin nennt". Der Konzertveranstalter Fritz Rau gerät ins Schwärmen, wenn er sich an Inge Brandenburg erinnert: "Sie hat meine Seele berührt."
Man spürt – Inge Brandenburg lebt und fühlt die Songs
Inge Brandenburg, 1929 in Leipzig geboren, hat eine tragische Lebensgeschichte. Ihre Eltern wurden im Konzentrationslager umgebracht, weil sie Kommunisten waren. Die junge Inge schlug sich in den Wirren der Nachkriegszeit mit Gelegenheitsjobs durch, sang mit Tanzkapellen und in amerikanischen Soldatenclubs. Eine wunderbar intensive, emotionale Stimme, die in Facetten an Ella Fitzgerald erinnert und doch ganz eigen ist. Man spürt – Inge Brandenburg lebt und fühlt die Songs. Swing und Jazz hatten zwar bei den deutschen Plattenbossen keine Chance, aber das Album beweist, dass die amerikanische Musik von den Rundfunkanstalten gepflegt wurde. Die Aufnahmen stammen aus Funk-Archiven, aus Sendungen mit nostalgischen Titeln wie "Spaß mit Ernst" oder "Vorsicht! Bigband!" – Sendungen, in denen findige Musikredakteure den Jazz unterbrachten.
Begleitet wird Inge Brandenburg von den Jazzgrößen der damaligen Zeit. Den Brüdern Mangelsdorff, Kurt Edelhagen, Herb Geller oder Peter Herbolzheimer, der auch für sie komponierte. Inge Brandenburg war eine Ausnahmekünstlerin, die auch heute noch Staunen lässt. Sie hat sich – auch mit ihren selbstgeschriebenen Liedern – dem Massengeschmack der Nachkriegszeit verweigert. Aber sie hat auch selbst zu ihrem Ruf beigetragen. "Sie war eine schräge Person", sagt der Musiker Klaus Doldinger – "Nach bürgerlichen Maßstäben einfach nicht messbar." Und Fritz Rau ergänzt: "Sie war unberechenbar und schwierig."
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13:05 Uhr, Nordwestradio:
Musikzeit
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17:08 Uhr, Nordwestradio:
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