CD-Tipp
Pat Metheny: What's It All About, Nonesuch Records 2011
"Back to the roots" – heißt es bei Pat Metheny. Das Motto ist nicht neu. Das haben schon viele andere Musiker vor ihm gemacht. Meistens dann, wenn die zurückgelegte Lebensstrecke bereits länger ist, als das, was noch vor einem liegt. Und dass Pat Metheny dabei am liebsten zur akustischen Gitarre greift, bekommt dann auch einen Sinn. Irritieren und verwundern dürfte allerdings, dass auf "What's it all about" keine einzige Eigenkomposition zu hören ist. Stattdessen spielt er nur Songs, die ihm seit Kindheits- und Jugendtagen vertraut sind.
Pat Metheny produziert eine reiche Palette an Klangfarben. Mal lyrisch und intim dahingetupft, mal fragmentarisch angerissen, mal laut und schräg und immer wieder auf der Suche nach einer tiefgründigen Doppeldeutigkeit seiner Gitarrenklänge. Klänge, die er nachts in seiner New Yorker Wohnung aufgenommen hat. Ort und Zeit mögen dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Denn auf "What's it all about" geht es vor allem um stimmungsvolle Sounds und Bilder. Und bei dieser Lautmalerei greift Pat Metheny am liebsten zu seiner Bariton-Gitarre.
Pat Metheny ist seit über drei Jahrzehnten und mit über 40 Alben einer der erfolgreichsten Jazz-Musiker unserer Zeit.
Neu interpretiert werden zehn Highlights der Pop-Kultur. Inzwischen Klassiker des Pop, wie etwa "Alfie", "The Sound of Silence", "Rainy Days and Mondays" oder auch der Lennon-McCartney-Song "And I love her". Wer aber glaubt, diese Songs bestens zu kennen, der wird bei Pat Metheny oft zweimal hinhören müssen. Denn der Wiedererkennungswert ist stellenweise minimal. Beispielsweise, wenn er den Welthit "The Sound of Silence" auf einer 42-saitigen Gitarre filigran auseinandernimmt und wieder neu zusammensetzt.
Wie ein Archäologe legt Pat Metheny Schicht für Schicht dieser Pop-Songs frei. Aus einem Ornament der Masse werden sie bei ihm zu einem ganz persönlichen Kleinod der musikalischen Erinnerung. Eine Erinnerung, die er dennoch mit vielen zu teilen vermag. Vor allem dann, wenn er nostalgisch wird. Und uns seine Gefühle durch den warmen Gitarrenklang gezupfter Nylonsaiten mitzuteilen versucht. Leider nur in einem einzigen Song, obwohl man gerade von solchen Sachen gerne mehr gehört hätte.
Das Beste hat er sich bis zum Schluss aufbewahrt. Ein Evergreen der Beatles. Eine stimmungsvolle Liebeserklärung an eine Jugendliebe. Dass "And I Love her" von Lennon-McCartney am Ende des Albums zu hören ist, mag ganz persönliche Gründe haben und vielleicht zufällig sein. Kein Zufall ist es allerdings, dass Karrieren von Musikern oft genug unter dem Einfluß der Beatles begonnen haben. Und das wird beim Jazz-Gitarristen Pat Metheny wohl auch nicht anders gewesen sein.
CD-Tipp: What's It All About, [5:00]
Jörg Senkpeil über das neue Album von Pat Metheny
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