CD-Tipp
Nicht zuletzt haben die Gipsy Kings seit Jahrzehnten dafür gesorgt, dass diverse Spielarten der Flamenco-Gitarre weltweit an Popularität gewannen. Dazu gehört auch, dass immer mehr junge Musiker neue Wege gingen, bei denen sie klassischen Flamenco mit zeitgenössischen Sounds kombinierten. Einer dieser Musiker ist Carlos Piñana. Ganz behutsam setzt er moderne Klänge ein: hier ein bisschen lateinamerikanische Rhythmik, da ein E-Bass, dort ein wenig Jazz-Stilistik. Dabei beherrscht er durchaus die Traditionen, schließlich ist der heute 45-jährige Carlos Spross einer alteingesessenen Flamenco-Dynastie.
Schon der Großvater Antonio war ein berühmter Flamenco-Sänger, der Vater ein nicht minder bekannter Gitarrist: Flamenco-spezifische Liedformen oder Anschlagstechniken sind Carlos quasi in die Wiege gelegt worden. Außerdem besuchte er schon als Junge das Konservatorium in seiner Heimatstadt Cartagena, also: die klassische Gitarristen-Schule mit Fußbänkchen sowie Etüden. Und das klingt dann doch anders als bei den Gipsy Kings. Seit Mitte der 90er Jahre heimste Carlos Piñana dann einen Flamenco-Preis nach dem anderen ein und startete eine beachtliche Solo-Karriere. Mittlerweile ist er ein weltweit beschäftigter Gast- und Studiomusiker, leitet zur Zeit ein internationales Flamenco-Festival, einen Wettbewerb in Murcia und hat am dortigen Konservatorium auch den Lehrstuhl für Flamenco-Gitarre inne. Und wenn mal jemand singen soll, ist da ja noch sein Bruder Curro.
Alle Songs auf dem Album "Manos libres" – zu deutsch "freie Hände" – stammen von Carlos Piñana. Wie frei sich die Hände bisweilen bewegen, vermitteln auch die Arrangements und die Virtuosität so mancher Gastmusiker, mit denen inspirierende Querverbindungen zum Orient oder zum Jazz geschaffen werden. Neben mitreißenden Rumbas und schwungvollen, rhythmisch akzentuierten Buleriás gibt es auch immer wieder ruhige, meditativ-versunkene Stücke. Gerade in der klassischen Schlichtheit beim Gitarrensolo entfaltet sich die ganze Eleganz Piñanas: Flamenco als Kunst.
CD-Tipp: Manos libres, [4:07]
Andreas Kisters über das Album von Carlos Piñana
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