CD-Tipp
Anfang des Jahres wurde der Sänger, Songwriter, Performer und Schauspieler Tom Waits in die "Rock and Roll Hall Of Fame" aufgenommen – die amerikanische "Ruhmeshalle der Rockmusik". Sein Werk habe eine große Bedeutung für die Musik, so die Jury, so wie das Werk von Charles Bukowski für die Poesie, das von Jack Kerouac für die Literatur, und das von Edward Hopper für die Malerei. Nach sieben Jahren Pause ist jetzt ein neues Studio-Album mit neuen Songs von Tom Waits erschienen.
Audio: CD-Tipp:Bad As Me
Einstellungen, Infos und Kommentare
Tom Waits ist wieder da – und das musikalisch in mehrfacher Ausführung. Man kennt aus der Vergangenheit den alkoholisierten Late-Night-Troubadour am Piano, den experimentellen Song-Erneuerer und auch den furchtlosen Sound-Avantgardisten – alle Inkarnationen von Tom Waits finden jetzt zusammen auf "Bad As Me", seinem siebzehnten Studioalbum in vierzig Karrierejahren. "Chicago" – ein Mann unterwegs in eine Stadt, um ein neues Leben zu beginnen. Gleich im ersten Song dieses fulminanten neuen Albums greift Tom Waits ein ur-amerikanisches Thema auf. Und es rockt: Holprig, rau und intensiv. Legendäre Fachkräfte stehen dem Magier - neben bewährten Mitstreitern - zur Seite: Keith Richards, David Hidalgo von Los Lobos, und auch Bassist Flea von den Red Hot Chili Peppers.
Er sei ein "Forschungsreisender der Gehörgänge" sagt Waits in einem aktuellen Interview. Und der Hörer begleitet die Expedition mit Vergnügen. Tom Waits ist mittlerweile über sechzig, so alt wie er schon immer klingen wollte. Auf "Bad As Me" musizieren er und seine Kollegen mit solch ansteckender Freude, dass sich Jüngere daran ein Beispiel nehmen können und wohl auch werden. Egal welchen Alters, die Kunst von Waits ist eine Inspiration für alle Non-Korformisten. Es ist Musik für alle, die einen analogen menschlichen Fehler dem digital perfektionierten Sounddesign der Popwelt vorziehen. Und im Kern des musikalischen Geschehens schlägt bei Waits ein großes Herz. Auch für den traumatisierten Soldaten, der nach Hause kommt, mit der Hölle im Kopf.
Noch immer assoziiert man die Hinterhof-Atmosphäre alter Flüsterkneipen und die rostige Aura arglos weggeworfener Dinge, wenn man Waits hört. Er ist der Mann beim Trödler, er findet und spürt auf, er bastelt und kreiert mit unverbrauchter Leidenschaft, er flüstert und er brüllt. Tom Waits gelingt dabei auf "Bad As Me" das Kunststück, seine verschiedenen musikalischen Identitäten der Vergangenheit miteinander zu versöhnen. Waits steht für das Alte und Wahre, das zeitlos Gute. Und er singt so gegen den Verlust der kollektiven Erinnerung in Amerika.
Am Ende der musikalischen Achterbahnfahrt dieses Albums schließlich ist Silvester. Beim Song "New Year’s Eve" erinnert der Protagonist sich an einen Jahresausklang mit Hindernissen und er tut es im Waits’schen Balladen-Stil der 70ger Jahre. Tom Waits ist wieder da - mit tollen neuen Songs. Er gibt ihnen alles, was sie brauchen und seinem Publikum damit viel Grund zur Freude. Songwriting, das sei für ihn wie Nudeln auf Pappe zu kleben und sie dann mit goldener Farbe zu bemalen, sagte Waits einmal. Die gewöhnlichen Dinge des Lebens, aufpoliert zu etwas eigentümlich Schönem.
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