Bremer Literaturpreis
Ausgerechnet ihrem Wirtschaftsressort hat die Stadt Bremen ihren Literaturpreis zu verdanken. Senator Gustav Harmssen will Anfang der Fünfzigerjahre den Beweis gegen die Legende antreten, dass Bremen eine "amusische Stadt der Pfeffersäcke" sei und der Bremer Senat nimmt seine Idee freundlich auf.
Im Dezember 1952 beschließt die Deputation für Kunst und Wissenschaft beim Bremer Senat die Stiftung eines Kultur- und Literaturpreises zu beantragen.
Am 26. Januar 1953, zu Ehren des 75. Geburtstages von Rudolf Alexander Schröder (1878 - 1962) veröffentlicht der Senat die Stiftungsurkunde für den Literaturpreis der freien Hansestadt Bremen. Damals heißt er noch "Rudolf-Alexander-Schröder-Preis". Prämiert werden sollten deutschsprachige Werke, die bereits im Druck erschienen waren. Der Fokus sollte auf ein einzelnes Werk eines Autors gerichtet werden.
Mehr über Rudolf Alexander Schröder
In kürzester Zeit avanciert der Preis zu einem der angesehensten Literaturpreise der Republik. Die Liste seiner Träger reflektiert die Bandbreite deutschsprachiger Nachkriegsliteratur von Heinrich Schmidt-Barrien bis Thomas Bernhard, von Paul Celan bis Ernst Jünger, von Ingeborg Bachmann bis Christa Wolf. Seit seinem Bestehen hat es in der Geschichte des Bremer Literaturpreises Glanzstücke und Tiefpunkte gegeben.
1960 kommt es zu einen Eklat: den Bremer Literaturpreisskandal von 1960. Monatelang streiten Kulturjournalisten, Politiker, Buchhändler und Verleger über den Fall "Blechtrommel". Nach Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann und Paul Celan wollte die Jury des Bremer Preisgerichts 1960 Günter Grass auszeichnen. Sie wollte ihn auszeichnen, aber sie kommt nicht dazu. Eine Bremer Provinzposse um die "Blechtrommel".
Der Fall "Blechtrommel", [3:08]
Beitrag zum 50. Geburtstag des Bremer Literaturpreises in 2004.
In den Sechzigerjahren legt der Bremer Senat die Verleihung des Literaturpreises in die Hände der neu gegründeten Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung. Eine unabhängige Jury wird eingesetzt, die im Gegensatz zur vorherigen allein verantwortlich entscheiden kann.
In den Siebziger- und Achtzigerjahren wird der Preis zum Politikum. Denn die preisgekrönten Texte und auch die Dankesreden befassen sich häufig ausdrücklich mit politischen Themen und Problemen. Es geht um Wirtschaftsmacht und Umweltprobleme, um Sozialismus und die Aufarbeitung des Faschismus. Nicolas Born sagt 1977 in seiner Dankesrede im Bremer Rathaus:
"Die Menschheitsgeschichte ist wie der in ihr wirkende Wahnsinn, wie die in ihr wirkende Vernunft in ein unwiderrufliches Stadium getreten..."
Die Preisverleihung wird zu einem politischen Diskussionsforum. Christa Wolf bekommt den Bremer Literaturpreis für "Kindheitsmuster". Der Exilautor und gebürtige Bremer Peter Weiss für "Ästhetik des Widerstands".
Bremer Literaturpreis 1977 an Nicolas Born, [1:45]
Beitrag vom 26. Januar 1977
Bei Peter-Paul Zahl entsteht schon im Vorfeld der Verleihung eine große Diskussion. Viele wollen nicht, dass er, der zu jener Zeit als Staatsfeind im Gefängnis sitzt, ausgezeichnet wird. Zahl hatte zwei Polizisten angeschossen. 1980 bekommt Zahl trotz der Proteste den Förderpreis. Um zur Preisverleihung anreisen zu können, bekommt er Hafturlaub.
1980 erhält der Schriftsteller Peter-Paul Zahl (links) den Förderpreis für Literatur ( "Die Glücklichen. Schelmenroman"). Rechts der Schriftsteller und Lyriker Peter Rühmkorf ("Kunststücke") anlässlich der Verleihung des Literaturpreises am 26. Januar 1980 in Bremen.
Neben dem eigentlichen Bremer Literaturpreis gibt es seit 1977 einen Förderpreis für den literarischen Nachwuchs. Dieser ist zunächst mit 5.000 DM dotiert. Seit 2005 ist er 6.000 Euro wert und wird von der ÖVB (Öffentliche Versicherung Bremen) finanziert.
Die Einführung des Förderpreises befreit die Jury aus einem Dilemma. Bis dahin mussten die Juroren ein Kriterium beachten, das die Förderung von Autoren vorschrieb, die gerade erst an der Schwelle zu weithin anerkanntem literarischen Ruhm standen. Jetzt können sie den Hauptpreis an bereits bekannte große Autoren vergeben.
1983 bekommt Erich Fried für seinen Gedichtband "Das Nahe suchen" den Literaturpreis. Er ist literarisch ebenso eigenwillig wie es die Verstörerin Elfriede Jelinek und der Wortessentialist Peter Handke auf ihre Weise sind. Jelinek bekommt den Hauptpreis für "Die Kinder der Toten" und Handke für seine Bücher "Nachmittag eines Schriftstellers" und "Die Abwesenheit". Der Bremer Literaturpreis wird als zweitwichtigster deutscher Literaturpreis gehandelt.
Mit der Auswahl eines Förderpreisträgers hat sich die Jury zum Ziel gesetzt, alljährlich eine noch nicht anerkannte literarische Begabung zu finden. Ob die Juroren hierbei den richtigen Riecher haben, ist immer wieder spannend. Viele Geehrte sind exzellente Beobachter, stellen Zeitdiagnosen und entwerfen Psychogramme einer Gesellschaft, deren Menschen cool sind und zugleich verletzlich. Einer von ihnen ist der Lyriker und spätere Büchner-Preis-Träger Durs Grünbein. Er wollte "mit kühlem Kopf durch Bildwelten" streifen, so Durs Grünbein bei der Preisverleihung 1992. Die Protagonisten in Judith Hermanns Erzählband "Sommerhaus, später", für den sie 1999 den Bremer Förderpreis bekommt, sind Großstadtsammler, die durch Berlin streifen auf der Suche nach Liebe und nach einem Sinn. Literaturkritiker lobten "Sommerhaus, später" in höchsten Tönen, und vor allem junge Leser liebten die kurzen Geschichten.
Seit 1976 organisiert die Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung auch die "Literarische Woche Bremen" und kümmert sich um deren Finanzierung. Die "Literarische Woche" findet immer im zeitlichen Rahmen der Preisverleihung statt. In Lesungen, Gesprächen und einer Ausstellung soll sie auch vor Ort in Bremen das Interesse an Literatur wecken und der Bevölkerung den literarischen Schaffensprozess nahe bringen.
Weitere Infos: Homepage der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung
Der Bremer Literaturpreis
![Logo der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung [Quelle: Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung] Logo der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung [Quelle: Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung]](/kultur/rudolfalexanderschroederstiftung100_v-mediateaser.jpg)
Der Literaturpreis der Stadt Bremen wird seit 1954 jährlich verliehen und zählt zu den bedeutendsten Literaturauszeichnungen Deutschlands.
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