Bremer Literaturpreis
Hans Joachim Schädlich bei der Preisverleihung in der oberen Rathaushalle
Der Schriftsteller Hans Joachim Schädlich hat den Bremer Literaturpreis 2008 erhalten. Der 72-Jährige bekam die Auszeichnung für seinen Erzählband "Vorbei", der 2007 im Rowohlt-Verlag erschienen ist. Schädlich beweist in dem Buch nach Angaben der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung "die analytische Kraft seiner Sprache". Die Literaturkritikerin Sybille Cramer lobte den Schriftsteller in ihrer Laudatio als "Meister in der Kunst des Nichtausgesprochenen". Bei der Verleihung im Rathaus dankte Schädlich für die große Ehre. Der Förderpreis ging an Thomas Melle für seinen Erzählband "Raumforderung". Der 1975 in Bonn geborene Schriftsteller lebt ebenfalls in Berlin.
Hans Joachim Schädlich wurde 1935 in Reichenbach im Vogtland geboren, war zunächst Sprachwissenschaftler an der Akademie der Künste in Ost-Berlin, begann Ende der sechziger Jahre zu schreiben, und verließ 1977 die DDR, nachdem er sich am Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns beteiligt hatte. Deutsche Geschichte nach 1945 – sei es die hinter sozialistischem Stacheldraht, sei es die des durchgedrehten westlichen Konsumismus – in Schädlichs Literatur wird sie zwischen Punkt und Komma präzise namhaft gemacht.
Porträt: Hans Joachim Schädlich, [3:39]
Hans Joachim Schädlich: Vorbei, Rowohlt-Verlag
Über die deutsche Zeitgeschichte weit hinaus reicht der preisgekrönte Band "Vorbei". Er beschäftigt sich in munterer Lakonik mit dem Leben und dem Tod dreier historischer Figuren aus dem 18. und 19. Jahrhundert: mit dem Schriftsteller Stevenson, dem Archäologen Winckelmann und dem Komponisten Rosetti. Wieder sind es erzählerische Reisen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, mit zurückhaltender Eleganz und fein getönt, teils ironisch, teils tragikomisch, enthüllen sich die Mirakel des Lebens in ihrer ganzen Gewöhnlichkeit.
Buchtipp: Hans Joachim Schädlich - "Vorbei", [3:22]
Beitrag vom 6. Februar 2008
Preisverleihung in der oberen Rathaushalle
Seit 1998 lebt Thomas Melle in Berlin. Bevor es ihn nach Berlin zog, studierte er in Austin, jener "liberalen Oase im konservativen Ranger-Texas", wie er sagt. Dort wurde die Grundlage für seine erste Buchpublikation gelegt. Mit der Übersetzung von "Whores for Gloria", einem Roman des hierzulande eher unbekannten und äußerst eigensinnigen Erzählers William T. Vollmann, schloss Melle sein Komparatistik-Studium ab. Als der Suhrkamp-Verlag nach längerer Zeit entschied, aus der Übersetzung ein Buch zu machen, wurde auch die Tür für Melles eigene Texte weiter aufgestoßen.
Der Bremer Literaturpreis
![Logo der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung [Quelle: Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung] Logo der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung [Quelle: Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung]](/kultur/rudolfalexanderschroederstiftung100_v-mediateaser.jpg)
Der Literaturpreis der Stadt Bremen wird seit 1954 jährlich verliehen und zählt zu den bedeutendsten Literaturauszeichnungen Deutschlands.
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