Bremer Literaturpreis
Jedes Jahr am 26. Januar wird in der oberen Rathaushalle der Bremer Literaturpreis verliehen. Am Mittwoch, dem 26. Januar 2011, wird der österreichischen Schriftstellerin Friederike Mayröcker der Bremer Literaturpreis 2011 verliehen. Die Autorin wird geehrt für ihr jüngstes Buch "Ich bin in der Anstalt. Fußnoten zu einem nichtgeschriebenen Werk". Aus gesundheitlichen Gründen kann die Autorin ihren Preis nicht persönlich entgegennehmen und auch nicht an der geplanten Preisträger-Lesung teilnehmen.
Mayröcker wurde 1924 in Wien geboren. Sie arbeitet als freie Autorin und schreibt Gedichte, Prosa, dramatische Texte für Bühne und Hörfunk sowie Kinderbücher und wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet.
Angefangen hatte die heute 85-jährige Autorin unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit experimentellen Texten, mit Erzählungen, Hörspielen und Gedichten, die vertraut Sprachliches und Autobiographisches kühn und verspielt mit Märchenmotiven verknüpften. Darauf folgten später Texturen, die sich der Sprachalchimie Wiener Provenienz näherten – mit Eugen Gomringer, Ernst Jandl, H.C. Artmann und Gerhard Rühm wurde die Mayröcker denn auch schon früh bekannt.
Doch es blieb nicht bei dieser eher manieristischen Schaffensphase. Friederike Mayröcker gelangte mehr und mehr, seit den siebziger Jahren erkennbar, zu einer Beruhigung ihrer Formensprache, ihr mittlerweile unübersehbares Prosa- und vor allem ihr Lyrikwerk versenkte sich zunehmend in innere Wirklichkeiten, nahm den Diskurs mit den Tiefenschichten des eigenen Ichs auf. Ein dunkler Grundton, Anwandlungen von kosmischer Trauer durchzogen ihre Gedichte, Melancholie erprobte sich als Erkenntniszustand. So nahm die Mayröckersche Poesie die Realität in ihren tiefen Schattenwürfen in sich auf – die schmerzhafte Erfahrung des Zeitvergehens und des Alterns, des Liebesverlustes, der verlorenen Kindheit, des Schreibwahns und des Sprachschwundes.
Am Ende bleibt nicht viel, wessen der Mensch bedarf: "Was brauchst Du? Einen Baum, ein Haus, zu ermessen, wie groß wie klein das Leben als Mensch ist… Du brauchst einen Baum, ein Haus, keines für Dich allein, nur einen Winkel, Ein Dach, zu sitzen, zu denken, zu sitzen, zu träumen zu schweigen, zu sehen den Freund, die Gestirne, das Gras, die Blume, den Himmel".
Das nun prämierte Buch der Friederike Mayröcker "Ich bin in der Anstalt – Fußnoten zu einem nichtgeschriebenen Werk" ist gewiss auch eines der Tatsachentrauer und der ganz persönlichen Kümmernisse, aber es ist auch so unerbittlich wie hauchzart, und es ist durchzogen von feiner Ironie. Sprachlust, die am Leben hängt und nur allzu gern den Tod überlisten würde.
Andrea Grill: Das Schöne uns das Notwendige, Otto Müller Verlag
Den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2011 hat die Jury Andrea Grill für ihren Roman "Das Schöne und das Notwendige" zugesprochen. Dazu die Jury: "Mit großer Fabulierlust, koboldhaftem Witz und lexikalisch inspirierter Phantasie erzählt sie, haarscharf neben der Wirklichkeit, von dem, was man in Krisenzeiten am dringendsten braucht: eine tragende Geschäftsidee. Ein Schelmenroman über die Kunst, aus Dreck Gold zu machen."
Andrea Grill wurde 1975 in Bad Ischl geboren, studierte Biologie und Sprachen in Salzburg, Thessaloniki und Tirana und lebte mehrere Jahre auf Sardinien. Sie promovierte über die Evolution der Schmetterlinge Sardiniens und veröffentlichte anschließend in diversen Zeitungen und Zeitschriften. Sie arbeitet als Übersetzerin aus dem Albanischen und war Stipendiatin am Literarischen Colloquium Berlin und auf Schloss Wiepersdorf. Andrea Grill lebt in Salzburg, Amsterdam und Neuchatel.
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Rudolf-Alexander-Schöder-Stiftung
Der Bremer Literaturpreis
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Der Literaturpreis der Stadt Bremen wird seit 1954 jährlich verliehen und zählt zu den bedeutendsten Literaturauszeichnungen Deutschlands.
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