Freimarkt
Bremen lebt seine Traditionen: Ob bei der Eiswette oder beim Schaffermahl – jedes Jahr feiern die Hanseaten ihre Geschichte. Untrennbar damit verbunden ist auch der Freimarkt. 1035 gab es ihn zum ersten Mal, seit langem ist er fester Bestandteil des Bremer Veranstaltungskalenders.
Menschen auf dem Freimarkt 1934
Die Wurzeln des ältesten deutschen Volksfestes reichen bis ins Mittelalter zurück: Genau am 16. Oktober des Jahres 1035 verlieh Kaiser Konrad II dem bremischen Erzbischof Bezelin die "Jahrmarkt-Gerechtigkeit". Damit durfte die Stadt zweimal jährlich Markt abhalten: Ohne jede Beschränkung konnten die Kramer und Wandersleute nun ihre Waren verkaufen. An diese neu gewonnene Unabhängigkeit erinnert noch heute der Name "Freimarkt".
Von jedem Kaiser ist in der Folge das Jahrmarktsprivileg regelmäßig erneuert worden. Franz II. war der letzte, der 1793 den Bremer Kaufleuten diese Erlaubnis erteilte. Danach entschieden die Hanseaten selbst, ob und wann sie feiern wollten.
Der Termin richtet sich dabei immer noch nach dem ersten Geburtstag des Freimarkts. Erst 1959 beschloss die bremische Bürgerschaft, die Eröffnung immer an einem Sonnabend zu begehen. Auf Ersuchen der Marktbezieher wurde die Dauer außerdem ausgeweitet, so dass der Jahrmarkt nun drei Wochenenden umfasst.
Das gewohnte Bild aus Buden, Zelten und Fahrgeschäften ist jedoch eine relativ junge Erscheinung: Fast 800 Jahre lang war der Freimarkt ein reiner Warenmarkt. Bis dahin bestand er ausschließlich aus Gauklern und Händlern, die ihre Waren feilboten.
Erst 1809 erschien der erste Schausteller mit einem Karussell, das von Hand angetrieben wurde. Später wurden Pferde und Dampf als Antrieb genutzt, bevor elektrischer Strom zum Einsatz kam.
Das Publikum staunte über die hölzernen Pferde, Bänke, Wagen und Stangen der Karussells und nahm die Neuerung begeistert auf. So wandelte sich der Freimarkt schnell zu einem ausgesprochenen Vergnügungsrummel.
Im Jahr 1890 gastierte beispielsweise Buffalo Bill mit seiner Wild-West Show während einer Deutschland-Tournee auch auf dem Freimarkt. Dort sorgten die Vorführungen mit hunderten Cowboys, Indianern, Pferden und Büffeln für ein großes Spektakel.
Schnell nahm das Markttreiben einen solchen Umfang an, dass Schausteller oft keinen Platz mehr fanden. Vor allem nachdem ab Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Eisenbahnstrecken eröffnet wurden und den Transport erleichterten, verzeichneten die Bremer einen großen Aufschwung auf ihrem Markt.
Besonders bei der Jugend war der Rummel beliebt, denn während der gesamten Freimarktszeit fiel der Nachmittagsunterricht in allen Schulen komplett aus. Dieser Brauch wurde zwar 1875 abgeschafft, aber lange blieb es in Bremen wenigstens noch bei der Übereinkunft, während des Jahrmarkts keine Hausarbeiten aufzugeben.
Damals zogen die Schüler für ihren Freimarktsbummel übrigens noch zur Liebfrauenkirche. Erst später wurde der Vergnügungsbereich zum Marktplatz hin erweitert. Auf der Bürgerweide gastieren die Schausteller erst seit 1934, nachdem der Freimarkt im ersten Weltkrieg in die Neustadt ausgelagert worden war.
Bremer Freimarkt 1970
Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, wurde das Volksfest nur noch einmal zugelassen – als Budenstadt auf dem Domshof. Erst nach dem Krieg luden die Marktbezieher wieder zum "friedensmäßigen" Freimarkt ein. Auch wenn vieles noch provisorisch war, feierten die Bremer mit einer Ausgelassenheit, die die Schrecken der vergangenen Jahre vergessen lassen sollte.
Mittlerweile zählt der Freimarkt zu den beliebtesten und modernsten Volksfesten in Deutschland. Über vier Millionen Besucher zählt die Stadt jedes Jahr. Die Schausteller bieten ein Jahrmarktsvergnügen der Superlative: Die neuesten Überschlagkarussells versprechen Nervenkitzel pur, und immer aufregendere Attraktionen begeistern die Menschen auf ihrem Freimarktsbummel.
Doch auch mit dem Freimarkt bleiben die Bremer ihren Traditionen treu: Wer wissen will, wie alles am Anfang war, kann auf dem Mittelaltermarkt neben dem Rathaus noch heute erleben, wie die Bremer vor 966 Jahren ihre Marktgerechtigkeit zum ersten Mal feierten.
Freimarkt in Bremen
Geschichte eines Jahrmarkts.
Fritz Peters. Bremen 1962 u. Neuaufl. 1985
950 Jahre Bremer Freimarkt
herausgegeben vom Senator für Bildung, Wissenschaft und Kunst.
Bremen 1985
Schausteller auf dem Bremer Freimarkt, [7:33]
Beitrag für das Nordschau-Magazin, 1970
Das ist der Bremer Freimarkt von 1946, [10:05]
Radio-Bremen-Reporter berichten
Schausteller-Familie Vespermann: Marktbezieher seit 1919, [9:37]
Ein Interview mit Frau Vespermann von 1959.
Ischa Freimaak!
Vom 19. Oktober bis zum 4. November 2012 ist wieder Freimarkt auf der Bremer Bürgerweide. Radio Bremen ist dabei, schaut was es Neues gibt und berichtet darüber. Mehr...
Bilder vom Freimarkts-Umzug
![Rosa Drache [Quelle: Radio Bremen] Rosa Drache [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/dossiers/freimarkt/grafenthaler102_v-mediateaser.jpg)
Die Gewinner-Wagen und -Fußgruppen
Freimarktsumzug 2012
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