Fachmessse und Festival
Arne Schumacher ist der Jazz-Experte bei Radio Bremen. Er hat die Jazzahead von Anfang an mit begleitet und weiß genau, welche Bedeutung sie für Bremen an und welche Entwicklung sie in den Jahren gemacht hat. Tom Grote hat ihn in's Nordwestradio-Studio eingeladen, und ihm ein paar Einschätzungen entlockt.
Jazz-Experte Arne Schuhmacher: "Bremen hat sich mit der Jazzahead überregional einen Namen gemacht."
Tom Grote: Lohnt sich die Jazzahead?
Arne Schumacher: Sicherlich auf jeden Fall. Über Zahlen wissen wir nichts Genaues, das ist ganz klar. Aber die Messe hat so sehr expandiert in den letzten Jahren, dass man davon ausgehen kann, dass es gut ausschaut. Damit wird sicherlich niemand reich werden, aber es ist ein enormer Gewinn auch über die ökonomische Seite hinaus. Was sich rund um die Messe hier in und um Bremen tut, das ist enorm und ich glaube, die hat sich so gut etabliert, dass es einfach nicht mehr ohne geht.
Tom Grote: Kann man denn sagen, wie wichtig die Messe für Bremen mittlerweile geworden ist?
Arne Schumacher: Kann man vielleicht auf Grund persönlicher Erfahrungen machen. Ich werde mittlerweile, wo immer ich unterwegs bin, immer wieder angesprochen von Leuten, die sagen: "Ach, wir seh'n uns in Bremen bei der Jazzahead. Oder ja demnächst wieder in Bremen oder wie sieht's jetzt aus bei der Jazzahead nächstes Jahr." Man wird überall angesprochen. Natürlich ist das zunächst mal eine Sache, die sich in Musikkreisen abspielt, aber ich glaube, das wirkt darüber hinaus. Bremen hat sich da auch überregional einen Namen gemacht. Und insofern glaube ich, die Jazzahead ist eine gute Marke für Bremen geworden und sorgt dafür, dass Bremen auch auf jeder Ebene davon profitiert.
Tom Grote: Reich wird keiner, haben Sie gesagt, aber die schreiben schon schwarze Zahlen oder?
Arne Schumacher: Ja, das ist schwer zu sagen. Also, ich hoffe es und ich kann's mir nach diesen Jahren auch vorstellen. Es ist immer eine Gratwanderung, zumal dieses Expandieren zunächst mal nach mehr klingt. Aber das bedeutet natürlich auch, dass die Kosten weiter steigen und es bedeutet auch, dass die Ansprüche steigen. Jahr für Jahr muss die Jazzahead Neues bieten. Muss zusehen, dass die Strukturen funktionieren und das zu wuppen, ich glaube, das ist eine große Herausforderung.
Tom Grote: Um noch mal eine Schublade aufzumachen: Ist die Jazzahead nicht eine Fachmesse, ein Festival oder doch eher beides?
Arne Schumacher: Eigentlich beides. Aber das ist der komplizierte Spagat, den die Jazzahead seit Jahren versucht. Es ist zunächst mal eine Fachmesse. So ist das Ganze gestartet mit dem Anspruch natürlich, das Publikum reinzuziehen. Aber das eine geht nicht ohne das andere. Man muss Öffentlichkeit haben dabei. Und deswegen gibt es immer wieder neue Ideen, wie man das Publikum interessieren kann. Das ist nicht ganz einfach. Wenn man tagsüber durch das Congresszentrum geht, dann stellt man leicht fest, dass dort überwiegend Fachpublikum unterwegs ist. Die Öffentlichkeit, die geht dann eher zu den Konzerten, wobei einige ja auch schon tagsüber nachmittags zu erleben sind.
Tom Grote: Dann gucken wir doch mal auf die Konzerte. Partnerland in diesem Jahr ist Israel. Jazz aus Israel klingt erst mal weit hergeholt.
Arne Schumacher: Definitiv. Aber es hat sich mittlerweile interessanterweise über den Umweg New York eine ganz wunderbare Szene etabliert, denn viele israelische Musiker sind zur Weiterbildung nach New York gegangen. Haben sich dort etabliert und von New York aus haben sie in die Welt hinausgestrahlt. Avishai Cohen, der in der Glocke das große Galakonzert geben wird, ist ein gutes Beispiel. Der ist Mitte der 90er Jahre nach New York gegangen. Ist dort in die Band von Chick Corea eingestiegen und ist dann kometenhaft aufgestiegen. Und es gibt mehr und mehr Künstler, israelische Musiker, die diesen Weg suchen und die dann wieder, wenn sie zurückkehren nach Israel, Vorbild und teilweise auch Lehrer für nachwachsende Generationen sind.
Tom Grote: Dürfte ein hoher Standard da sein oder?
Arne Schumacher: Absolut. Deswegen, glaube ich, kann man auch neugierig sein auf die Bands, die sich speziell aus Israel hier vorstellen werden.
Tom Grote: Was sind denn so die Highlights in diesem Jahr?
Arne Schumacher: Ganz schwer zu sagen. Wer nach großen Namen sucht, der wird möglicherweise enttäuscht sein. Aber das ist nicht das Konzept der Jazzahead. Gerade das Unbekannte ist eigentlich das, worum es hier geht. Und da muss man sich einfach drauf einlassen. Das kann man aber deswegen guten Gewissens empfehlen, weil es hier diverse Jurys gibt, die für die Qualität, für den Qualitätsstandard der Angebote sorgen. Und insofern sind die Bands, die hier auftreten, in der Regel spannend, interessant, ein Füllhorn verschiedener Stile. Darauf sollte man sich einfach einlassen.
Tom Grote: Und wie werden Nordwestradio und Radio Bremen präsent sein?
Arne Schumacher: Wir schneiden fast das ganze Festival mit. Und senden auch selbstverständlich. Wir haben die Globale Dorfmusik live am Sonntagabend. Da werden Mitschnitte laufen. Avishai Cohen wird im Juni auf Sendung sein. Also da sind wir ja am Ball. Wir sind mit eigenen Sendungen natürlich parat. Das heißt: am Freitagabend ab 20 Uhr hier, am Samstagabend von 21 bis 24 Uhr, dann in die Nacht hinein, zusammen mit den Kollegen vom WDR. Also viel, viel Jazzahead hier bei uns im Programm.
Jazzahead beginnt in Bremen , [4:07]
Tom Grote im Gespräch Arne Schumacher.
Sendungen:
Jazzahead! 2013
Konzertmitschnitte von 2012 und 2013
Live von der Jazzahead 2013
Jazzahead
![Jazzahead! 2013 [Quelle: Messe Bremen/WFB] Jazzahead! 2013 [Quelle: Messe Bremen/WFB]](/kultur/jazzahead144_v-mediateaser.jpg)
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