Loriot-Porträt
Möpse waren seine Lieblingstiere, Knollennasen machten ihn berühmt, und für Wörter wie "Auslegeware" oder "Sitzgruppe" konnte er sich begeistern: Loriot alias Vicco von Bülow. Für Radio Bremen produzierte er Sketche, die ihn und seine Kollegin Evelyn Hamann einem großen Publikum bekannt machten.
"Komik entsteht immer, wenn Ordnung gebrochen wird. Wenn die bekannten Dinge ins Unrichtige oder ins Negative umkippen. Man braucht also die Ordnung, um sie zerstören zu können." So lautete Loriots Definition von Komik, die er perfekt beherrschte.
Bernhard Victor von Bülow, besser bekannt als Loriot, der adlige Spross einer preußischen Offiziersfamilie, der deutsche Vorzeigekomiker – ein Anarchist? In gewisser Weise ja. Denn der höfliche, zurückhaltende und immer korrekt gekleidete Künstler verbarg hinter der vornehmen Fassade eine scharfe Zunge, eine respektlose Lebenseinstellung und durchaus eine Neigung zum Zotenhaften.
Video: Nachruf auf Vicco von Bülow
Einstellungen, Infos und Kommentare
Im Lauf seines künstlerischen Lebens hatte sich Loriot immer wieder neue Herausforderungen gesucht. Die Angst vor dem Scheitern konnte er dabei nie ganz ablegen. Vom Zeichnen über das Schauspielern bis hin zur Opernregie – seine scheinbar mühelosen Possen basierten auf einem Höchstmaß an Vorbereitung und, ja, pedantischer Genauigkeit. Die Schauspielerin Marianne Koch hatte mit ihm gearbeitet: "Ich war wirklich überrascht, und ich bewundere ihn heute noch dafür, mit welcher Akribie, mit welcher Intensität er an den kleinsten Nuancen dieser Sketche feilte, auch mit uns, die wir da mitspielten, und dass er da eigentlich auch ein Anderer wurde. Da war diese Verbindlichkeit, dieser Charme, diese graziöse Art mit Menschen umzugehen völlig vorbei. Da war er nur noch der Diktator, der genau wusste, was er wollte."
Video: Loriot: Die Nudel
Einstellungen, Infos und Kommentare
Vicco von Bülow wäre nie der Loriot geworden, den die Deutschen kennen und lieben, hätte er nicht den Sprung ins Fernsehen gewagt. In den 70er Jahren begann Loriots Zusammenarbeit mit dem Regisseur Dieter Ertl. Ab 1976 produzierte Loriot seine Sketche als Abendsendungen für Radio Bremen – Erwin Lindemann, Familie Hoppenstedt und Herr Müller-Lüdenscheid flimmerten in unzähligen deutschen Wohnzimmern über die Bildschirme und machten Loriot zur Kultfigur. Der Germanist Peter Wapnewski: "Und da hab ich ihn gefragt: Vicco, wie ist das eigentlich gekommen, dass du der geworden bist, der du bist. Und da hat er das dann eben so gesagt, dass Ertl den Verdienst hat, ihn transformiert zu haben, vom zeichnenden Künstler, kreativen Künstler zum darstellenden Künstler, der ja eben auch ein kreativer Künstler ist, weil er sich selber darstellt. "
Mit seiner genauen Beobachtungsgabe sezierte Loriot die ganz normalen Tragödien des Alltags. "Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen" lautete eines seiner Credos.
Vicco von Bülow hatte das Älterwerden immer als eine Zumutung betrachtet. Von Bülow und sein Freund, der Karikaturist und Autor Peter Neugebauer erinnert sich an Loriots Worte: "Das was ich merke, und zwar, was mir unangenehm auffällt, dass der Körper nicht mehr so funktioniert wie früher. Das heißt, wenn ich aufstehe, tut mir das Kreuz weh, … ich erkälte mich leichter, neige zu Bronchitis oder ähnlichen Sachen, und das stört mich ungemein." Das war für die beiden immer ein Running Gag. Gerne habe Loriot als junger Mensch alte Männer nachgemacht. "Ja, und dann hat er sich tot gelacht, und ich hab mich tot gelacht. 'Jetzt lachen wir noch,' sagte er immer. Das war seine ständige Rede," sagt Neugebauer. "Wenn ich ihn jetzt sehen würde, würde er wahrscheinlich sagen: 'Ja, siehste?'"
Dossier: Loriot
Der große deutsche Humorist, Autor, Parodist und Schauspieler Viktor von Bülow – genannt Loriot – starb am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren an Altersschwäche. Bei Radio Bremen produzierte Loriot seine legendären Sketche-Sendungen. In unserem Dossier erinnern wir an ihn mit Bildergalerien, Interviews und Berichten. Mehr...
Das Netz trauert um Loriot
Nach dem Tode des großen Unterhalters Loriot trauerten die Fans auch im Web. Die Nachricht erreichte die sozialen Netzwerke schnell und verbreitete sich blitzschnell weiter – ein Zeichen dafür, wie beliebt Loriot in allen Generationen war. Radio Bremen Online fasste damals die Kommentare aus dem WWW zusammen. Mehr...
Mehr im WWW
Jetzt läuft
Der kreuzfidele Pessimystiker
Ein Porträt des Schriftstellers Günter Kunert, der mit virtuosem Eigensinn in der Kulturszene beider deutscher Staaten für Furore gesorgt hat. Michael Augustin und Walter Weberzeichnen seine Lebensstationen als Grenzgänger zwischen Ost und West nach. Mehr...
2. Juni, 9:05 Uhr | Nordwestradio
Musikladen
Radio Bremen bringt den Musikladen zum 40. Jubiläum der Sendung in diesem Jahr wieder auf den Schirm. Seit September 2012, wiederholt Radio Bremen TV wöchentlich die Folgen der legendären Sendung mit den Moderatoren Uschi Nerke und Manfred Sexauer. Mehr...
2. Juni, 18:45 Uhr | RB TV
radiobremen.de nun auch mobil
Seit dem 25. Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Mehr...
Der neue Rundfunkbeitrag
Der neue Rundfunkbeitrag löst die Rundfunkgebühr ab. Informationen zum Start 2013 hier. Mehr...
Kultur-Sendungen heute:
22:05 Uhr, Nordwestradio:
Globale Dorfmusik live
23:05 Uhr, Nordwestradio:
Nordwestradio Lounge
Kultur-Podcasts
Kultur-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen: Hier werden Ihnen jeweils die neuesten Podcast-Dateien zum direkten Download angeboten. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Krise der Gesundheit Nord: SPD fordert Finanzkonzept für städtische Kliniken
Werder Bremen: Sportdirektor plant mit Arnautovic und Elia
Tote Frau im Pflegeheim: Sozialsenatorin fordert mehr Aufmerksamkeit
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"