Radio Bremen gratuliert
Seit 1986 zeichnet eine unabhängige Jury Monat für Monat ein herausragendes Kinder- oder Jugendbuch aus. Seit 25 Jahren gibt es die – damals einmalige – heute immer noch außergewöhnliche Zusammenarbeit von Radio Bremen und "Die Zeit". Immerhin sind damals erstmalig eine ARD-Anstalt und eine große Wochenzeitung eine Kooperation eingegangen. Und der Luchs ist heute so lebendig wie seinerzeit.
Eine der großen Pointen des Luchs war und ist, die Kinder- und Jugendliteratur für voll zu nehmen: Sie ist schlicht Literatur. Für den Luchs bedeutet das, Bücher für Junge genauso kritisch, ernsthaft und respektvoll zu betrachten, wie Bücher für Große. Geschichten für Kinder und Jugendliche sind eben keine Bindestrich-Literatur. Deshalb darf man getrost die Großen ins Spiel bringen: Joseph Conrad sagt, Literatur solle uns zum Sehen bringen. Gute Kinder- und Jugendbücher sind wie eine Brille mit magisch-verspiegelten Gläsern. Wir schauen durch sie hindurch in abgelegene Winkel, fremde Wirklichkeiten, verborgene Universen. Wir sehen die Welt mit neuen Augen und lernen im besten Sinne was dazu. Die Luchs-Bücher dieses Jahres reiten zum Beispiel auf einem Elefanten im argentinischen Zirkus, fliehen an der Hand der Mama vorm Krieg im Kaukasus, schlawinern mit einem Kleinstadtganoven im Wohnwagen durch die Weiten der USA.
Es ist also wichtig, nach guter neuer Kinder- und Jugendliteratur zu suchen und sie auszuzeichnen. Das macht es allerdings nicht unbedingt einfacher. Denn wie im Wust der Neuerscheinungen die Perlen finden? Die Gründerinnen des Luchs Marion Gerhardt (Radio Bremen) und Ute Blaich (Die Zeit) hatten da vor 25 Jahren eine klare Haltung: Luchswürdig sei "ein Buch, das aus dem Gros der Neuerscheinungen herausfällt. Geschrieben gegen schicke Trends, Booms, Klischees, gegen Bestsellerspekulation und die Konformität des nur unverbindlich netten. Keine Allzweckliteratur, kein Gefühlsschrott, keine bequeme Konsumiervorlage zum Weiterdösen." Damit lässt sich doch was anfangen! Nicht zum Weiterdösen, zum Weiterlesen will der Luchs anstiften. Obwohl die Trends heute wohl schneller aufeinander folgen als vor einem Vierteljahrhundert, obwohl die Booms höher ausschlagen – die Auswahlkriterien selbst wirken angenehm frisch. Ausschlusskriterien wie "keine Allzweckliteratur, kein Gefühlsschrott" stechen noch immer. Ein Zeichen, wie jung, aktuell und wichtig der Luchs über all die Jahre geblieben ist.
Zugegeben, wir sind uns in der Jury nicht immer einig, welches Buch wir prämieren sollen. Die Kriterien sind klar, aber beim Anlegen an die einzelnen Bücher verschwimmen sie dann doch. Die harten Debatten, die auch in der Jury-Korrespondenz vergangener Tage überliefert sind, sprechen aber dafür: Hier ging und geht es wirklich immer ums Buch und eben nicht ums Ausbaldowern irgendwelcher Bestsellerspekulationen. Und dann: Brauchen die Kinder und Jugendlichen wirklich Rat in Sachen Bücher, hören die zu? "Manche Kinder haben das Pech, Eltern zu haben", hat Wolf Wondratschek mal schön rebellisch geschrieben. Ja, ja, macht Euch nur lustig. Es ist natürlich old school, den jüngeren zu sagen, was sie zu lesen haben. Aber dadurch wird es ja nicht falsch.
Der Schweizer Kinderbuchautor Franz Hohler schreibt: "Kinder sind, wenn man sie erreicht, ein Traumpublikum." Was für ein klasse Satz. Er schreibt nicht Kinder sind ein Traumpublikum sondern macht den Einschub wenn man sie erreicht. Der Luchs hat seit 25 Jahren genau das zum Ziel. Wir wollen, dass gute Bücher die Kinder erreichen. Sicher, es gibt viele fantastische Kinder- und Jugendbücher die – expelliarmus – ihr Publikum auch so finden. Die verdienen keinen Luchs, weil sie ihn nicht brauchen. Es gibt aber genauso viel – und wahrscheinlich sogar noch mehr – hervorragende Bücher, die ohne Hilfe auf der Strecke bleiben würden. Und die Besten davon gehören dann beluchst. Bücher wie das mitreißende, aufwühlende "Ich mach dich tot" von E. Nikes, erschienen in einem Wiener Kleinstverlag, das ohne den Luchs wahrscheinlich mehr oder weniger unbemerkt geblieben wäre.
Das Medium Buch ist in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten immer mal wieder tot gesagt worden. Die schieren Fakten allerdings sprechen dagegen. Die Zahl der Neuerscheinungen steigt Jahr für Jahr. Was wir in diesem Meer des mehr brauchen, ist Orientierung. Die bietet der Luchs auf exemplarische Weise. Man kann ja seinen Lesestoff am Luchs ausrichten: Jeden Monat ein neues Buch, das muss doch zu schaffen sein.
Dass der Luchs bei Radio Bremen 25 Jahre überlebt hat, zeigt seine Stärke und Bedeutung. Und es ist das Ergebnis des nimmermüden Einsatzes von vielen. Der Luchs war bei seiner Erfindung 1986 zunächst Teil des Bremer Bildungsprogramms und ist nun seit zwölf Jahren fester Programmbestandteil von Funkhaus Europa. Funkhaus Europa ist das interkulturelle, urbane und vielsprachige Radio von WDR, Radio Bremen und dem RBB. Damit nicht genug: Der Luchs wird auch vom Nordwestradio, dem regionalen Info- und Kulturprogramm von Radio Bremen und dem NDR, journalistisch begleitet. Und auch Bremen Vier, die junge Welle von Radio Bremen, wird von nun an regelmäßig über den Luchs berichten.
Dann also, lieber Luchs: Herzlichen Glückwunsch zum 25. Geburtstag!
Kinder- und Jugendbuchpreis
Seit 1986 zeichnet eine unabhängige Jury Monat für Monat ein herausragendes Kinder- oder Jugendbuch aus. Seit 25 Jahren gibt es die – damals einmalige – heute immer noch außergewöhnliche Zusammenarbeit von Radio Bremen und Die Zeit. Immerhin sind damals erstmalig eine ARD-Anstalt und eine große Wochenzeitung eine Kooperation eingegangen. Und der Luchs ist heute so lebendig wie seinerzeit. Mehr...
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