Luchs 294
Das Morgenmiauen der Fettkontrolle. Der tägliche Zickzack-Weg zum Bus mit seinem besten Freund Gigs. Die schlechte Laune Frankies großer Schwester Gordana. Der Klassenlehrer Mr. A und dessen liebste Waffe: das Wörterbuch. Die Klangwand-Abende von Onkel George und dem älteren Bruder Louie. Die ausgelassenen Besuche der Tanten. Der Küchenduft bei der Heimkehr. Und die absolut zuverlässigen Antworten von Frankies Mutter – immer abends um zehn. Alles wie gewohnt, alles bekannt, alles da. Doch dieses Jahr ist alles anders.
Eine bittersüße Familiengeschichte über Angst und Mut und darüber, was das Leben ausmacht.
Dienstag, der 14. Februar, fing für Frankie Parsons schlecht an. Es war keine Milch für sein Müsli da. Und kein Katzenfutter für die Fettkontrolle, die deshalb unterm Tisch anklagend miaute, während Frankie seinen Toast aß. Die Zeitung war noch nicht gekommen, also konnte Frankie keine Überschrift und keinen Artikel für die Aktuelle Stunde mitnehmen, was ihm einen spöttischen Blick von Mr. A einhandeln würde; außerdem konnte er nicht im Wetterbericht die zu erwartende Luftfeuchtigkeit überprüfen.
Dienstag, der 14. Februar, fing also schlecht an und ging auch so weiter. Frankies Schwester Gordana hatte sich den letzten Müsliriegel und den einzigen knackigen Apfel unter den Nagel gerissen; es waren keine Wasserflaschen mehr da; die Frischhaltefolie war alle; im Portemonnaie seiner Mutter fand sich kein Busgeld. Sieh es ein, hatte Gigs gesagt. Du hasst sie. Das ist offiziell. Und beruht auf Gegenseitigkeit. Deine Schwester ist deine Feindin. Kein Umgang mehr mit ihr.
"Vielleicht ist es ja deine Schuld, wenn das Haus nicht funktioniert", sagte Gordana.
"Wieso das denn?", sagte Frankie. "Ich bin das Kind."
"Das ist genau das Problem«, zickte Gordana. "Ein Kind kann dieses Haus überhaupt nicht gebrauchen."
"Kein Gezanke, bitte", sagte Ma. Das sagte sie automatisch immer, wenn sie einen Raum betrat, in dem sich Frankie und Gordana befanden. Meistens war das nötig, meinte sie.
"Wir brauchen Katzenfutter", sagte Frankie. "Und Menschenfutter."
"Und Frankiefutter", grinste Gordana.
"Und Geld", fuhr Frankie fort. "Und neue Batterien für den Rauchmelder."
"Oh mein Gott", sagte Gordana. "Nicht schon wieder die Rauchmeldernummer."
"Ich rufe Onkel George an", antwortete Ma. "Der kauft grad wegen der Tanten ein."
Die Tanten. Plötzlich drückte eine vertraute Last Frankie nieder. Als hätte jemand überall an seinem Körper Riesenmurmeln befestigt. Natürlich. Warum auch nicht? Dienstag, der 14. ging mit einem Mangel an Müsli los und würde mit einem Übermaß von Tanten enden. Na toll.
"Dieses Buch ist zauberhaft." (Die Welt)
"Dieser bunte Haufen Neuseeländer ist so liebenswert, dass man sofort hinziehen will." (Financial Times Deutschland)
Kate de Goldi wurde 1959 geboren. Sie wuchs in Christchurch auf und lebt heute in Wellington, Neuseeland . Für ihre Kurzgeschichten und Romane hat sie bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Für "Abends um 10" hat sie u.a. den "New Zealand Post Book of the Year Award" und den "Readers' Choice Award" gewonnen. Das Buch stand monatelang auf der Bestsellerliste. Es ist ihr erstes Buch, das ins Deutsche übersetzt wurde.
Ingo Herzke
Ingo Herzke wurde 1966 in Alfeld geboren und ist hier, in einem Dorf im südlichen Niedersachsen, aufgewachsen. Er hat Klassische Philologie, Anglistik und Geschichte an der Georg-August-Universität in Göttingen und an der University of Glasgow studiert. Ingo Herzke lebt zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern in Hamburg.
2000 wurde er durch die Übersetzung von A.L. Kennedys Roman "Gleißendes Glück" bekannt. Alle ihre Werke, bis auf "Einladung zum Tanz", sind von ihm ins Deutsche übersetzt worden. Auch übersetzte er den Bestseller "Rausch" von John Griesemer und "Die souveräne Leserin" von Alan Bennett. Weitere von ihm übersetzte Autoren sind unter anderen Paula Fox, A.M. Homes, Rick Moody, Jeff Noon.
Für die Übersetzung von "Weit weg" aus A. L. Kennedys "Ein makelloser Mann" (2001) und von Kapitel 28 aus Rick Moodys "Die Wassersucher" (2006) erhielt er jeweils den Hamburger Förderpreis für Übersetzer.
Luchs 293: "Abends um 10" von Kate de Goldi, [3:35]
Von Esther Willbrandt
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