Luchs 314
Der monatliche Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs von Radio Bremen und Die Zeit geht im März 2013 an das Jugendbuch "Mary, Tansey und die Reise in die Nacht" von Roddy Doyle. Es geht um das Thema Sterben, das der irische Autor sensibel umgesetzt hat.
Kindern und Jugendlichen das Thema Sterben nahezubringen, das ist wirklich keine leichte Aufgabe. Und nicht allen Autorinnen und Autoren gelingt es, das Thema kindgerecht aufzubereiten, ohne kitschig zu werden oder gar Alpträume auszulösen. Der irische Autor und Bookerpreisträger Roddy Doyle geht mit gutem Beispiel voran: In seinem Jugendbuch "Mary, Tansey und die Reise in die Nacht" setzt er sich mit den Themen Tod, Abschied und Verlust auseinander – und es gelingt ihm so gut, dass er dafür mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis Luch des Monats ausgezeichnet wird.
Esther Willbrandt hat das Buch gelesen:
Mary, Tansey und die Reise in die Nacht, cbj Verlag, 14,99 Euro
Er hatte wirklich eine tolle Idee, und zwar bringt er in seiner Geschichte vier Generationen von Frauen zusammen: Mary, die zwölfjährige Hauptfigur, dann ihre Mutter, ihre Großmutter, die im Sterben liegt, und ihre Urgroßmutter, die schon 1928 gestorben ist. Marys Urgroßmutter heißt Tansey und ist mit 25 Jahren an der Grippe gestorben, da war ihre Tochter, also Marys Großmutter, gerade drei. Und jetzt kehrt Tansey zurück, um in dieser schwierigen Zeit für ihre Tochter da zu sein – als Geist.
Nein, gar nicht. Tansey ist zwar ein bisschen durchsichtig und hat kein Spiegelbild und so, aber sie macht ihren Familienmitgliedern keine Angst. Und weil sie schon tot ist, kann sie den anderen eben sehr gut die Angst vor dem Sterben nehmen. Und den Lesern auch.
Alle vier zusammen machen eine Reise im Auto. Die ganze Nacht sind sie unterwegs, und es ist klar, dass es der letzte gemeinsame Ausflug wird, denn Marys Oma ist wirklich sehr schwer krank. Aber auf dieser Fahrt, da wird geweint und gelacht und alle sprechen über ihre Ängste und Sorgen. Und als dann der Morgen kommt, fällt der Abschied nicht mehr ganz so schwer.
Nein. Es ist schon auch traurig, aber Roddy Doyle hat einen ganz tollen Sinn für Humor, sehr irisch. Und Mary ist ein besonders altkluges, witziges und freches Mädchen, und manche Dialoge treiben einem die Tränen in die Augen – vor Lachen.
Luchs 314: Mary, Tansey und die Reise in die Nacht, [2:11]
Carolina Quesada im Gespräch mit Esther Willbrandt
Roddy Doyle, 1958 in Dublin geboren, ist einer der bekanntesten Vertreter der neueren irischen Literatur. Für seinen Roman "Paddy Clarke Ha Ha Ha" erhielt er den renommierten Booker Prize. Auch als Autor für Kinder hat er sich einen großen Namen gemacht. Roddy Doyle lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Dublin.
Andreas Steinhöfel wurde 1962 in Battenberg geboren, arbeitet als Übersetzer und Rezensent und schreibt Drehbücher – vor allem aber ist er Autor zahlreicher, vielfach preisgekrönter Kinder- und Jugendbücher, er bekam unter anderem den Erich Kästner Preis für Literatur, den Deutschen Jugendliteraturpreis, den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis.
Kinder- und Jugendbuchpreis
Seit 1986 zeichnet eine unabhängige Jury Monat für Monat ein herausragendes Kinder- oder Jugendbuch aus. Seit 25 Jahren gibt es die – damals einmalige – heute immer noch außergewöhnliche Zusammenarbeit von Radio Bremen und Die Zeit. Immerhin sind damals erstmalig eine ARD-Anstalt und eine große Wochenzeitung eine Kooperation eingegangen. Und der Luchs ist heute so lebendig wie seinerzeit. Mehr...
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