Kino-Tipp
Regisseur David Cronenberg ("Die Fliege", "Die Unzertrennlichen") ist bekannt für Filme mit einem gewissen Horror-Ambiente, sehr tiefgründig, sehr körperlich – keine leichte Kost. Aber der kanadische Regisseur kann auch anders. In seinem neuen Film "Eine dunkle Begierde" setzt er auf ein bei ihm völlig neues Stilmittel – den Dialog. Fast sklavisch hält er sich diesmal an die Drehbuchübersetzung eines Theaterstücks über die Psychotherapeuten C. G. Jung und Siegmund Freud. Ganz ohne Horror-Effekte und irritierender Kamera-Einstellungen.
Filmkritik: "Dunkle Begierde", [3:32]
Beitrag von Jürgen Francke.
1904 am Zürichsee in der Schweiz: Die junge Russin Sabina Spielrein, in den Augen des Arztes eine "Hysterikerin", ist für den Psychoanalytiker Carl Gustav Jung eine Art Musterpatientin für eine neue Gesprächstherapie – eine "Redekur." Etwas, am Anfang des 20. Jahrhunderts, völlig Ungewöhnliches. Das Konzept akzeptiert dabei ein Menschenbild, das ganz und gar nicht mit den vorherrschenden Normen der bürgerlichen Gesellschaft zusammen passt. Die Sexualität spielt eine überaus wichtige Rolle. Jung kontaktiert den Psychoanalytiker Siegmund Freud in Wien.
"Eine dunkle Begierde" von Regisseur David Cronenberg, heißt im Original "A Dangerous Method" – also "Eine gefährliche Methode" – und ist die Verfilmung eines Theaterstückes. Es geht weniger um dunkle Triebe und innere Abgründe, es gibt auch keine Schockbilder oder Phantasiesequenzen als Abbild zerrissener Innenwelten. Der klar strukturierte, oft in hellen Innenräumen spielende Film zeichnet vielmehr das etwas schwierige Verhältnis seiner drei Protagonisten nach.
C. G. Jung heilt Sabina Spielrein. Es dauert Jahre. Sigmund Freud sieht in seinem jungen Kollegen so etwas wie den legitimen Nachfolger. Und einen Freund. Die Erwartungen der beiden Ärzte an den jeweils anderen sind groß. Der erfahrene und viel ältere Freud erhofft sich neue Impulse von C.G. Jung. Der wiederum sucht nach Anerkennung. Und nach besonderer Akzeptanz, ist er doch – einer Begierde folgend – eine sexuelle Beziehung zu seiner Patientin Sabina Spielrein eingegangen. Ein Tabu für Therapeuten.
Man kann dem Film das Theaterhafte nicht absprechen, wie überhaupt der Horror-Spezialist David Cronenberg, ganz entgegen seiner sonstigen Art ,beinahe ein konventionelles Kammerspiel inszeniert hat. Das nutzen die beiden männlichen Hauptdarsteller Michael Fassbender als Jung und Viggo Mortensen als Freud – jeder auf seine ganz spezielle Art – souverän. Keira Knightley hingegen versucht am ganz großen schauspielerischen Verzweiflungsrad zu drehen. Da wäre weniger mehr gewesen.
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