Kino-Tipp
Der Deutsch-Türke Murat Kurnaz (Sascha Alexander Geršak) war fünf Jahre lang unschuldig gefangen.
Guantanamo – die Schande Amerikas im 21. Jahrhundert.166 Häftlinge sind noch heute im US-Gefangenenlager inhaftiert. US-Präsident Obama ist es trotz seines Versprechens nicht gelungen, Guantanamo zu schließen. Viele Häftlinge befinden sich seit Wochen im Hungerstreik. Der Druck auf die US-Regierung wächst. Der Bremer Murat Kurnaz wurde fast fünf Jahre unschuldig in Guantanamo gefangen gehalten – ohne ein Gerichtsverfahren. Er wurde wiederholt gefoltert. Deutschland weigerte sich lange Zeit, ihn aufzunehmen, obwohl Ermittlungen der CIA schon 2002 ergeben hatten, dass er keine terroristische Bedrohung darstellt. Die Behörden in Bremen erklärten zwischenzeitig, seine Aufenhaltsgenehmigung sei erloschen.
Im August 2006 kam Kurnaz frei, er lebt in Bremen, hat wieder geheiratet und ist Vater zweier Kinder. Über seine Zeit in Guantanamo hat er ein Buch geschrieben – und im Mai 2013 feiert ein Film in der Bremer Schauburg Vorpremiere, der Kurnaz Geschichte nacherzählt: "Fünf Jahre Leben" heißt die bewegende, bereits preisgekrönte Radio-Bremen-Koproduktion. Nicole Ritterbusch hat "Fünf Jahre Leben" gesehen:
Filmtipp: Fünf Jahre Leben, [3:51]
Kurnaz betet ununterbrochen, im Lager, nach Folterungen, während des Hungerstreiks und in der Isolationshaft. Es ist das einzige, was ihn hält. Es ist noch nicht lange her, dass der 19-Jährige den Weg zum Islam gefunden hat. Zu Hause in Bremen lag er deshalb im Clinch mit seinen Eltern. In Pakistan wollte Murat Kurnaz eine Koranschule besuchen –wird jedoch im November 2001 verhaftet und gegen ein Kopfgeld an die US-Streitkräfte in Afghanistan übergeben, anschließend nach Guantanamo verlegt.
Kurnaz gehört zu den ersten Häftlingen dort. In den Käfigen auf dem Außengelände liegen Decken bereit, doch die Gefangenen dürfen sie nicht benutzen. Als Murat Kurnaz danach greift, tritt ihm ein Soldat auf die Hand und bricht ihm einen Finger: Kurnaz Leben in Bremen, sein Job als Türsteher einer Diskothek, der Konflikt mit den Eltern, wie er an die falschen Freunde gerät, seine Heirat – all dies zeigt "Fünf Jahre Leben" nur als Erinnerung. Der Film ist fokussiert auf die ersten zwei Jahre in Guantanamo. Auf das "System Guantanamo". Auf die menschenverachtenden Bedingungen, die wiederkehrende Folter, die unzähligen Verhöre, die Isolationshaft in einem Glaskäfig – in gleißendes Licht getaucht und unter Dauerbeschallung.
Der Film stellt Kurnaz Gail Holford gegenüber: Ein Mann der amerikanischen Regierung, graumeliert, weißes Hemd, schicker Anzug. Nach Guantanamo entsandt, um mit allen Mitteln ein Geständnis zu erpressen. Ein perfides Frage-Antwort-Spiel beginnt, psychologische Kriegsführung, die darin gipfelt, dass Holford Kurnaz in dem Glauben lässt, er könne Guantanamo verlassen. Doch die Schikanen gehen weiter – Kurnaz wird wieder bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen. Doch er hält stand und unterschreibt kein Geständnis. Er durchschaut das "System Guantanamo" – und überlebt! "Ich muss gar nicht gestehen. Ich bin schon im Gefängnis. Ich habe nichts zu verlieren. Sie schon. Sie haben nichts gegen mich in der Hand. Nicht mal einen Fetzen. Aber sie haben mich gefoltert. Und wenn ich gestehe, können Sie alles rechtfertigen."
"Fünf Jahre Leben" ist erschütterndes Kino, klaustrophobisch inszeniert, von brillanter psychologischer Tiefenschärfe. Und über allem steht die Frage: Wie ein Mensch dieses System überleben – und dabei seine innere Würde wahren kann.
Mehr zum Thema:
Nachbericht: Film-Premiere "Fünf Jahre Leben", [3:07]
Berhard Docke über den Fall Kurnaz, [6:38]
Gesprächszeit mit Stefan Schaller , [38:30]
Regisseur und Drehbuchautor
Ein Bremer unschuldig in der Hölle von Guantanamo
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