Kino-Tipp
Marcus H. Rosenmüller gilt als Erfinder des modernen Heimatfilms. Auch in seinem neuen Film "Sommer in Orange" bleibt er diesem Genre treu. Der Film erzählt von einer Gruppe Sannyasins, die sich Anfang der Achtziger in einem urbayerischen Dorf ansiedeln. Der Zusammenstoß der Kulturen ist vorprogrammiert.
Prakasch (Chiem van Houweninge), Chandra (Wiebke Puls) und Jogi (Daniel Zillmann) singen während des bayerischen Dorffests ein Mantra.
Filmstart: Sommer in Orange, [3:01]
Heute sind die Sannyasins – eine spirituelle Bewegung mit Ursprung in Indien – aus der Mode gekommen. Nach diversen kriminellen Aktivitäten in den USA (darunter ein Bio-Anschlag mit Salmonellen und Wahlmanipulation) sowie dem Tod ihres Gurus, ist es still um die Jünger Bhagwans geworden.
Anfang der Achtziger war das noch anders. Von den späteren Skandalen um die Bewegung war noch nichts zu erahnen, und viele Suchende fühlten sich zu Bhagwans Lehren von Meditation, Therapie und freier Liebe hingezogen.
So auch Amrita, eine junge Berlinerin. Als begeisterte Sannyasin lebt sie mit ihren beiden Kindern Lili und Fabian und mit anderen Anhängern des Gurus zunächst in einer Berliner WG. Als einer der Sannyasins jedoch einen Bauernhof im tiefsten Bayern erbt, zieht die Gemeinschaft kurzerhand um und schlägt ihre Zelte in dem urbayerischen Dorf Talbichl auf.
Davon sind die Einwohner nicht gerade begeistert. Misstrauisch beäugen sie die neuen Nachbarn, und schnell machen Gerüchte die Runde: Drogendealer und Teufelsanbeter seien diese Leute…
Die Fronten zwischen den Sannyasin und der Dorfgemeinschaft sind verhärtet. Das bekommen Amritas Kinder schnell zu spüren. Geprägt von ihrer freigeistigen Mutter ecken sie in der Schule überall an – und fühlen sich schnell ausgeschlossen. Um in die neue Gemeinschaft aufgenommen zu werden, passen sie sich immer mehr den dörflichen Regeln an. Verstärkt wird der Konflikt, als ihre Mutter nach Amerika gehen will, um sich dort auszuleben. Und schon bald trifft die orange gekleidete Amrita auf dem Dorffest ihre Kinder in bayerischen Trachten.
Drehbuchautorin Ursula Gruber schreibt über die Sannyasins mit dem Wissen einer Insiderin: Ihre Geschichte ist in großen Teilen autobiographisch. Zusammen mit ihrem Bruder Georg ist sie in einer oberbayrischen Sannyasin-Kommune aufgewachsen. Diese Kindheitserfahrungen hat sie – natürlich überspitzt – in "Sommer in Orange", verarbeitet.
Marcus H. Rosenmüller hat den Stoff verfilmt, er gilt seit seinem Debüt "Wer früher stirbt ist länger tot" als der Erneuerer das deutschen Heimatfilms. Und "Sommer in Orange" passt zunächst bestens in diese Sparte hinein. Wieder ist die Story in Oberbayern angesiedelt, und wieder ist der Film angefüllt mit Humor. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten – leider. "Sommer in Orange" reicht nicht ansatzweise an Rosenmüllers Überraschungshit heran und ist wenig mehr als ein vorhersehbarer Feel-Good-Film.
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