Kino-Tipp
Der neue Film "Und dann der Regen" der spanischen Regisseurin Icíar Bollaìn handelt von einem Regisseur und einem Produzenten, die mit ihrem Team in Bolivien ein Historiendrama drehen wollen. Ihre Arbeit wird allerdings bald unmöglich, weil die einheimischen Indios gegen die Privatisierung ihres Trinkwassers kämpfen. Der Film beruht auf einer wahren Geschichte aus Bolivien im Jahr 2000.
Filmkritik: "Und dann der Regen" , [3:31]
Beitrag von Jürgen Francke
Die Lichtung auf einem Hochplateau in Bolivien mit den dahinterliegenden bewaldeten Bergen bietet einen prachtvollen Anblick. Doch über der Szenerie liegt etwas Unheilvolles: Den bunt geschmückten Ureinwohnern stehen schwer bewaffnete spanische Eroberer gegenüber.
Es sind die Dreharbeiten zu einem Historiendrama über die Eroberung Mittelamerikas durch die Spanier. Eigentlich geht es um die Einnahme Kubas durch Christopher Kolumbus. Aber aus Geldgründen wird kräftig geschummelt. Die Filmaufnahmen finden nämlich im bolivianischen Hochland statt.
Es wird schon niemand merken, hofft der Produzent des Films. Die Indios sind bettelarm und brauchen jeden Peso. Also werden sie zu Hunderten für einen Hungerlohn als Statisten angeheuert. Dass die Filmemacher damit genau die Ausbeutung begehen, die sie in ihrem Historienfilm anprangern, wollen sie nicht wahrhaben. Der einheimische Laien-Hauptdarsteller Daniel allerdings merkt, wie der Hase läuft.
Parallel zu den Dreharbeiten protestieren die bolivianischen Indio-Statisten für ihre freie Wasserversorgung. Ein US-Konzern hat die Rechte dafür aufgekauft. Das heißt, dass die Einheimischen nicht einmal das Regenwasser auffangen dürfen, sondern ihr Trinkwasser nun vom internationalen Multi kaufen müssen. Die Demos werden immer gewalttätiger und machen das Filmen unmöglich. Hauptdarsteller Daniel ist der Anführer.
Eigentlich verfolgt "Und dann der Regen" also ein spannendes Konzept. Leider ist der Film aber völlig überfrachtet: Zum einen wird die Ausbeutung der Indios im "Film im Film" angeprangert, aber bei den Dreharbeiten selbst betrieben. Hinzu kommt, dass die Einheimischen um ihre Naturressourcen kämpfen. Aber warum das Drehbuch in den letzten dreißig Minuten einschwenkt und aus den skrupellosen Filmemachern auf einmal flammende Unterstützer für die Rechte der Indios macht, ist völlig unverständlich. "Und dann der Regen" begibt sich gegen Ende ohne erkennbaren Grund auf die Ebene eines gefühlsduseligen Betroffenheitsdramas. Bis dahin war der Film richtig spannend, getragen von überzeugenden Darstellern mit überwältigenden Landschafts-Bildern. Diesen Schluss hat der Film nicht verdient.
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