19. November 2011, 9:41 Uhr
Bremer Fernsehpreis 2011
Jury und Preisträger/innen auf der Bühne versammelt
Zwei große ARD-Anstalten sind die Gewinner des Bremer Fernsehpreises 2011. Der WDR wird für eine "Aktuelle Stunde" aus Düsseldorf mit dem Preis für die beste Sendung ausgezeichnet. Als besten Einzelbeitrag bewertete die Jury unter Vorsitz von Frank Plasberg einen Nachruf des NDR-Landesfunkhauses Schleswig-Holstein. Mit dem Beitrag trafen die Norddeutschen das Leitmotiv des Bremer Fernsehpreises 2011 genau: "Kurz vor Schluss: wenn etwas zu Ende geht", hieß das Thema in diesem Jahr.
Lobend erwähnt wurden außerdem zwei ganze Sendungen: "Hallo Niedersachsen" (NDR) und "Hier und heute" vom WDR. Am Abend des 18. November 2011 wurden die Sieger bei einem festlichen Empfang im Event-Studio von Radio Bremen ausgezeichnet.
Alle Fernsehsender im deutschsprachigen Raum waren aufgerufen, ihre Beiträge aus Regionalsendungen einzureichen. Mit 20 Einsendungen erreichte der von Radio Bremen durchgeführte ARD-Wettbewerb etwa die gleiche Teilnehmerzahl wie im Vorjahr. Das bedeutete viel Arbeit für die Jury, immerhin waren zahlreiche Einreichungen ganze Sendungen, die die Macher für besonders innovativ hielten.
Weniger Arbeit als sonst hatte die Jury dann aber bei den Beratungen. "Wir waren uns schnell einig", sagt Fernsehmoderator und Jury-Vorsitzender Frank Plasberg: "So leicht hatten wir es noch nie. Die Siegerbeiträge haben uns regelrecht angesprungen". Nicht jedes Jury-Mitglied habe seinen eigenen Favoriten gehabt. "Es gab keine diplomatischen Verwicklungen, es herrschte diesmal eine verdächtige Harmonie", so Plasberg weiter. Der Jury gehörten neben ihm Christian Dröse (ARD/ZDF-Medienakademie), Maria Gresz (Spiegel TV), Birgitta Weber (SWR) und Dr. Peter Fritz (ORF) an.
Die Begeisterung der Juroren für die Gewinnerbeiträge ist aus den Begründungen herauszulesen: "Ein Stück, von dem man den Nachbarn und Kollegen erzählt", nennen sie den NDR-Beitrag aus Schleswig-Holstein. "Mit einem gezielten Verstoß gegen die Regeln herkömmlicher Dramaturgie zieht uns dieser Beitrag in einen Strudel hinein, in dem sich die Handlung immer weiter verdichtet", lobt die Jury das Stück über einen Mann, der sich selbst das Leben nahm.
Zur ausgezeichneten "Aktuellen Stunde" vom WDR Düsseldorf schreiben die Preisrichter: "Diese aktuelle Stunde bietet mehr als Glasperlendramaturgie – Moderation – Beitrag – Moderation, sie lebt von pfiffigen Ideen. Sie komponiert die Sendung, schafft Rhythmus und baut Erwartungsspannung auf. Verstärkt wird das durch den intelligenten Einsatz von Studiotechnik, grafischem Design und einer sympathisch kompetenten Moderation."
Die prämierten Beiträge "leuchteten dieses Jahr besonders hell", findet Juror Plasberg, "weil es im Fernsehen auch immer mehr Dutzendware gibt". Der ARD-Moderator gehört zum Urgestein im Regional-Metier und ist seit drei Jahren Jury-Vorsitzender beim Bremer Fernsehpreis. Nach seiner Beobachtung verändert sich die regionale Fernsehkultur derzeit massiv: "Es herrscht ein starker Kontrast zwischen Schnellschüssen, die mit Mangel an Zeit und Geld produziert werden, und wirklich gut und stark erzählten Stücken".
Den Bremer Fernsehpreis gibt es schon seit 1974 – obwohl Radio Bremen damals noch kein eigenes Fernseh-Regionalprogramm anbot. Der Preis gilt bis heute als maßgebliche Auszeichnung für regionale Fernsehprogramme, was auch die Umwidmung in einen ARD-Preis zeigt, den Radio Bremen im Auftrag des Senderverbunds organisiert. Zahlreiche prominente Autoren sind mit dem Preis ausgezeichnet worden. Unter den Gewinnern ist übrigens auch Frank Plasberg, der in Bremen vor 22 Jahren seinen ersten Fernsehpreis erhielt. Prämiert wurde damals sein Studiogespräch zum Geiseldrama von Gladbeck in der "Aktuellen Stunde".
Der Preis des Wettbewerbs wird von Radio Bremen im Auftrag der ARD zur Würdigung hervorragender Leistungen im deutschsprachigen Fernsehregionalprogramm vergeben. Er ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert. Mit dem Bremer Fernsehpreis werden Auszeichnungen für die beste Sendung und den besten Beitrag vergeben. Zusätzlich vierlieh die Jury in diesem Jahr zwei Mal "Ehrende Anerkennung" für einen einzelnen Beitrag bzw. eine ganze Sendung. Diese sind nicht dotiert.
Teil des Wettbewerbs ist ein Werkstattgespräch, in dem die Möglichkeit besteht, sich unter Berücksichtigung einer gesetzten Fragestellung über journalistische Formen und Themen der regionalen Berichterstattung auszutauschen. In diesem Jahr geht es um das Thema "Social-Media in den Regionalprogrammen". Chancen und Risiken anhand von ausgewählten Fallbeispielen.
Werkstattgespräch in den sozialen Netzwerken übertragen
Thema 2011: Social-Media in den Regionalprogrammen
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