Porträt
Alfred Andersch in Berzona (Tessin) 1958
Der Schriftsteller und Radio-Mann Alfred Andersch (1914-1980) gehörte zu den großen Anregern und Netzwerkern der deutschen Nachkriegsliteratur. Als Mitglied der Gruppe 47, Herausgeber der Zeitschrift "Texte und Zeichen", als Rundfunkredakteur und als Autor von Romanen und Erzählungen wie "Die Kirschen der Freiheit", "Sansibar oder der letzte Grund" oder "Efraim" hat der 1914 geborene Münchner die deutschsprachige Literaturszene bis zu seinem Tode wesentlich mitgeprägt.
Alfred Andersch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
"Ich aber floh, wenn ich Zeit hatte. Fuhr oft mit dem Rad nach Schloß Schleißheim bei München, das von Neuhausen aus in einer knappen Stunde zu erreichen war. Hätte auch nach Nymphenburg fahren können, das unserer Wohnung vile näher lag, zog aber Schleißheim vor (…) Das perlhafte Weiß der Gartenfront des Schlosses drang in mich ein, während ich in den Gedichten Verlaines oder in Wolfensteins Rimbaud-Übertragungen las. (…) Ich bildete mich auf diese Weise, wie man wird sagen können, autodidaktisch heran. (…) Und begann mein eigenes Leben, indem ich durch die Gitterpforte der Pubertät und des Schlosses zu Schleißheim in den Park der Literatur und der Ästhetik eintrat." (Alfred Andersch: Die Kirschen der Freiheit. Ein Bericht, Zürich: Diogenes Verlag 1968, S. 19 f.)
Seine erste Begegnung mit der literarischen Welt charakterisierte Alfred Andersch in seinem autobiografischen Buch "Die Kirschen der Freiheit" (1952) als Grenzüberschreitung des Alltäglichen, als Ausbruchsversuch aus dem kleinbürgerlichen Milieu seiner Kindheit. Geboren wurde er 1914 in München-Neuhausen als Sohn eines Vaters, der die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg nicht verwinden konnte und sich nach 1918 der radikalen Rechten anschloss. Gegen den völkisch-nationalistischen Geist des Elternhauses rebellierte der junge Andersch auf seine Weise. Er brach seine Gymnasialbildung ab, absolvierte eine Buchhändlerlehre, trat dem Kommunistischen Jugendverband in München bei und wurde im Alter von 18 Jahren dessen Organisationsleiter.
Wegen seines Engagements auf Seiten der politischen Linken inhaftierten ihn die Nationalsozialisten 1933 im Konzentrationslager Dachau. Auf Intervention seiner Mutter, die auf die 'nationalen Verdienste' des Vaters verwiesen hatte, wurde Andersch nach einigen Monaten wieder aus der Haft entlassen. Danach fühlte er sich als 'heimatloser' Linker, der nach eigenen Worten auf den "totalen Staat mit totaler Introversion" reagierte. Fortan führte er ein unauffälliges Leben als kaufmännischer Angestellter in München, Hamburg und Frankfurt am Main, der ins unpolitische Reich von Kunst und Literatur flüchtete und sich der 'inneren Emigration' zugehörig fühlte. Eine Entscheidung, mit der Andersch freilich in einem Radio-Bremen-Gespräch von 1979 hart ins Gericht ging: "Was ich hätte tun können und was ich nicht getan habe ist: emigrieren. Ich hätte emigrieren können. Und ich habe es nicht getan. Dieses in einer Diktatur so in die innere Emigration gehen ist aber die schlechteste aller Möglichkeiten. Und es ist einer der Hauptgründe, warum ich diese ganze Epoche ganz besonders hasse."
Wachturm im Konzentrationslager Dachau
1935 heiratete Alfred Andersch Angelika Albert, die nach den Nürnberger Rassegesetzen als so genannte "Halbjüdin" galt. 1943 ließ er sich von ihr wieder scheiden. Ein Vorgang, der den Schriftstellerkollegen W.G. Sebald 1993, dreizehn Jahre nach Anderschs Tod, zu einer erbitterten Polemik veranlasste, in der er Andersch als skrupellosen Opportunisten denunzierte, der durch die Scheidung die Schreiberlaubnis in Nazideutschland habe erhalten wollen und damit bewusst die existentielle Gefährdung seiner Frau in Kauf genommen habe. Eine Schlussfolgerung, die allerdings für Johannes Tuchel, den Leiter der "Gedenkstätte deutscher Widerstand" in Berlin, nicht durch die Fakten bestätigt wird: "Es ist so, dass Angelika Andersch zu dieser Zeit als fünfzig prozentiger Mischling galt. Und es konnte kein Mensch in Deutschland wissen – so das Wissen in unserer heutigen Rückschau –, was mit dieser Personengruppe passieren würde. Erst im Oktober 1944 ergingen erste Erlasse von Heinrich Himmler und aus dem Reichssicherheitshauptamt, dass diese Gruppe der so genannten 'jüdischen Mischlinge' in geschlossenen Kolonnen zum Arbeitseinsatz herangezogen wurde und in Lagern – nicht in Konzentrationslagern – der so genannten 'Organisation Todt' untergebracht werden sollten."
Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin
Erst der Zweite Weltkrieg bot Andersch die Gelegenheit, sich aus den Zwängen des verhassten Nazi-Staates zu befreien. Als Soldat an der Italienfront desertierte er im Juni 1944 aus der Wehrmacht und lief zu den Amerikanern über – ein subversiver Akt der Selbstbefreiung, der für sein weiteres Leben zum Schlüsselerlebnis wurde und die Grundlage legte für sein bahnbrechendes Buch "Die Kirschen der Freiheit".
1979 beschrieb er dieses entscheidende Datum seiner Vita im Radio-Interview so: "Ich habe ja dann noch soviel (ich möchte sagen) Mumm in den Knochen gehabt, dass ich bei erster Gelegenheit aus der Hitler-Armee desertiert bin, habe also den Krieg so gut beendet, wie man ihn nur beenden kann, nämlich als amerikanischer Kriegsgefangener. Seit 1944 war ich in den USA als Kriegsgefangener und kam nun zurück und glaubte an die Demokratie."
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