Porträt: Günter Grass
Günter Grass
Fünfundsechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kann Günter Grass auf ein halbes Säkulum intellektueller Präsenz unter den Deutschen zurückblicken. Nicht nur für Heinz Friedrich ist er zur Gestalt einer "uralten Gegenwart" geworden - "als gäbe es Grass schon immer." Die Rede vom Markenzeichen und vom "Wappentier" der Bundesrepublik besitzt seit Jahrzehnten Gemeinplatzcharakter. Dabei war kaum ein deutscher Nachkriegsautor der Öffentlichkeit des Adenauer-Staates mit einer vergleichbaren Irritationskraft gegenübergetreten.
Über Phantasie, [14:37]
Siegfried Lenz im Gespräch mit Günter Grass
"Der dunkle Mann mit dem polnischen Bart" hatte seit Jahren nicht nur das Juste Milieu des CDU-Staates provoziert, sondern forderte so unterschiedliche Köpfe wie Max Frisch, Hans Werner Richter und Marcel Reich-Ranicki zu gleichermaßen exaltiertem Erstaunen heraus. Nicht zuletzt die drei haben das Bild vom schnauzbärtigen, finster und wild einher blickenden Kerl mit Schlägermütze geprägt, der "aussah, als sei er gerade dem Urwald entsprungen" oder zumindest einem Zigeuner, wenn nicht einem bewaffneten bulgarischen Spion, glich.
Heinz-Ludwig Arnold über den Schriftsteller Günter Grass, [11:54]
Nicht zufällig war es Günter Grass, mit dessen Erwähnung Reich-Ranicki die eigene Autobiographie beginnen ließ: "Was sind Sie denn nun eigentlich – ein Pole, ein Deutscher oder wie?" hatte ihn der junge Grass 1958 bei einem Treffen der "Gruppe 47" in Großholzleute gefragt, und damit die schwierige Lebenskonstellation dieses halben Polen, halben Deutschen und "ganzen Juden" ins Licht gerückt. Umgekehrt ist der Künstler Grass für den Kritiker Reich-Ranicki, weit über ihre jahrzehntelangen Literaturfehden hinaus, zu einer prägenden Zeit- und Kunsterfahrung geworden. "Unser Grass" betitelte er eines seiner späten Bücher. Das geschah nicht von ungefähr. Grass und Reich-Ranicki konnten in den fünfziger und sechziger Jahren, aufgrund sehr verschiedener Biographien, nicht ohne weiteres Frieden schließen mit der neuen deutschen Republik in postfaschistische Zeit. Gemeinsam war ihnen eines – die Skepsis, der Ideologieverdacht.
Text aus: Harro Zimmermann: Grass unter den Deutschen – Chronik eines Verhältnisses; Steidl Verlag 2006
Günter Grass: Chronik [PDF, 32 Kb]
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