Porträt: Günter Grass
Günter Grass am 28. November 1999
Wieder einmal musste Grass als Anlass und Objekt von Irritationen, Beschwörungen und Projektionen herhalten, viel weniger hingegen wurde er wahrgenommen als Exponent oder Vermittler streitbarer Haltungen und Urteile. Zu Recht stellte Johano Strasser eine Verbindung her zwischen der Gegenbewegung zur Politisierung von 1968, dem Zusammenbruch der DDR und der Erlangung der deutschen Einheit - im Verlauf dieser Entwicklung sei es zu einer "dramatischen Abwertung der Intellektuellenrolle in der Öffentlichkeit" gekommen. Dennoch, der Nimbus des Günter Grass blieb erhalten. Vor allem sein unverwüstliches Image bildete das Problem, das der frohgemute Literaturnobelpreisträger von 1999 der deutschen Medienwelt bereitete. Nicht die Häme der konservativen Presse war damals erstaunlich, sondern die Tatsache, dass sich selbst einige linksliberale Periodika freudlos und ressentimentgeladen präsentierten.
Nobelpreis für Günter Grass, [2:30]
Und dennoch, seit der Preisverleihung hatte sich die Stimmung leicht entspannt zwischen der deutschen Öffentlichkeit und ihrem Dichterrepublikaner. Manche Annäherung an die rot-grüne Regierungsspitze wollte man Grass allerdings nicht nachsehen. Dass der Schriftsteller für die Schrödersche "Agenda 2010" und für "Hartz IV" werben zu müssen glaubte, schien sich nicht dem alten Moralanspruch zu fügen, aber dass er in seiner Novelle "Im Krebsgang" den deutschen Kriegs- und Vertreibungsopfern historische Beachtung und Anerkennung zollte, vergalt man ihm mit einem Bestsellererfolg und mit einer großenteils wohlwollenden Publizistik.
Der Stolz des Günter Grass auf die Ablehnung des Irak-Krieges durch die Deutschen, seine sich mehrenden good-will-Auftritte, die versifizierten Tänze auf den Lesungen quer durchs Land, die Ausstellungen mit den bildkünstlerischen Arbeiten, überhaupt der entspannte, oft mild ironische Erzählton seiner späten literarischen Arbeiten – all dies hat Gewinnendes im Verhältnis des Dichters zu seinen Landsleuten offenbart. Nicht ohne Grund sind seine patriotisch inspirierten Haus- und Geschichtsbücher zu Hunderttausenden verkauft worden, das galt auch für die in der journalistischen Kritik so umstrittene Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel".
Günter Grass: Chronik [PDF, 32 Kb]
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