Porträt
Adolf Hitler spricht im Münchner Bürgerbräukeller 1939
Auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 reagiert Manfred Hausmann höchst widerspruchsvoll. Noch im hohen Alter betont er: "Ich hatte ‚Mein Kampf’ gelesen. Wenige Leute haben das getan. Und ich habe gewusst, was kommen würde. Die meisten haben es entweder nicht gelesen oder gedacht: ‚Das ist halt ein Programm, aber verwirklicht wird das nie.’ Ich habe immer daran geglaubt, dass es verwirklicht würde. Weil ich die Stimme Adolf Hitlers im Rundfunk gehört habe. Immer wieder. Und diese Stimme war so, dass ich sagte: Der spricht nicht nur so, der steht da voll dahinter und der macht das alles. Bis ins Letzte."
Hausmann selber wird nach 1945 eifrig die Legende von seinem Rückzug in die "innere Emigration" befördern. Ein Rückzug, der verstärkt worden sei durch seine Konversion zu einem "bekennenden Christentum". Tatsächlich hatten ihn schon 1921 in Göttingen die Predigten des Schweizer Theologen Karl Barth zutiefst beeindruckt. Und dessen humanistische Lehre sei dann nach Hitlers Machtergreifung für ihn richtungweisend geworden. Von aktivem Widerstand kann bei Hausmann allerdings keine Rede sein. Er selbst hat noch 1983 den Mangel an Mut und Zivilcourage so begründet: "Ich war kein Widerstandskämpfer. Wenn ich’s gewesen wäre, dann so, dass ich nicht überlebt hätte. Meine These ist: Jeder, der überlebt hat, ist schuldig geworden dadurch, dass er sich nicht so verhalten hat, dass er getötet werden musste."
Wenig passen will zu dieser Haltung Hausmanns Tätigkeit im Umfeld der Berliner Olympiade 1936, die als große Propagandaschau Nazideutschlands inszeniert wird. Als Redaktionsmitglied der "Olympiazeitung", dem offiziellen Organ des Organisationskomitees, verfasst er Artikel, die sich auf fatale Weise den nationalsozialistischen Rassetheorien annähern. So heißt es etwa in einem Beitrag über den schwarzen Hochsprungsieger Cooper Johnson: "Die Entwicklung der Menschheit geht zweifellos vom Ahnen zum Wissen, vom Instinkt zur Technik. Zunächst zeigt sich das Tier überlegen, aber langsam und unabänderlich dringt der Mensch vor. Er horcht, er erkennt, er weiß, er spürt Zusammenhänge auf, er denkt, er zieht Folgerungen, er schafft sich eine Technik und verbessert sie unaufhörlich, und mit jeder neuen Erkenntnis kommt er dem unendlich fernen Ideal der Göttlichkeit einen kleinen Schritt näher. (…) Darum sind die Möglichkeiten der weißen Rasse, die hauptsächlich die Trägerin des Wissens ist, gar nicht abzusehen. Und darum haben die coloured men, entgegen gewisser pessimistischer Prophezeiungen, keine Chance auf dieser Welt."
In den Kriegsjahren zählt Manfred Hausmann auch zu den Mitarbeitern der Zeitschrift "Das Reich". Einer Propaganda-Gazette unter der Ägide von Joseph Goebbels, die Nazideutschlands kulturelles Renommee aufpolieren sollte. Einen für das Blatt typischen Artikel schrieb Hausmann am 3. November 1940 über ein "großdeutsches Dichtertreffen in Weimar".
Hier finden sich erstaunliche Sätze aus der Feder eines angeblichen Gegners der Nazi-Ideologie: "Wer noch nicht wusste, in welchem Ausmaß dieser gegenwärtige Krieg ein totaler Krieg ist, der konnte es hier erfahren. Nicht nur alle militärischen Kräfte, nicht nur alle wirtschaftlichen Mächte, nicht nur alle propagandistischen Möglichkeiten sind aufgerufen und aufgefangen, sondern auch alle, aber auch wirklich alle Kraftströme, die aus dem historischen, politischen, fachlichen, philosophischen und dichterischen Schrifttum irgend hervorgehen. Wenn der deutsche Soldat heute der erste Soldat der Welt ist, so nicht zuletzt dank dem Schrifttum. (…) Im Deutschland von 1940 gehört das Buch zum Schwert, das Schwert zum Buch, gehört der Dichter zum Soldaten und der Soldat zum Dichter."
Manfred Hausmann
Manfred Hausmann (1898-1986) zählt zu den meistgelesenen deutschen Autoren der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Heute ist er allerdings ein fast Vergessener. Berühmt wurde er durch Romane wie "Lampioon" und "Abel mit der Mundharmonika", mit denen er der Landschaft des deutschen Nordwestens literarische Denkmale gesetzt hat.
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