Porträt
In Worpswede beschließt Manfred Hausmann freier Schriftsteller zu werden. Und das, obwohl seine ersten veröffentlichten Novellen und Gedichte nur wenig Beachtung gefunden hatten. Aber er hat 1927 die Idee zu einem Erfolg versprechenden Buch, für das er eine originelle Recherchetour macht – sozusagen auf den Spuren seiner Wandervogel-Zeit. Ein Jahr zieht er im Landstreicher-Habitus durch Deutschland und sammelt Stoff für sein erstes größeres Prosawerk. Es erscheint 1928 im Bremer Schünemann-Verlag unter dem Titel "Lampioon küßt Mädchen und kleine Birken". Der Roman erzählt die Geschichte eines Mörders, den seine Tat zum gesellschaftlichen Außenseiter und unsteten Vagabunden macht. Ein "Outlaw", der die bürgerliche Existenz abgestreift hat und nur noch einem unbezähmbaren Wandertrieb folgt.
Das Buch entsteht Ende der Zwanziger Jahre zur Zeit der großen wirtschaftlichen Depression in Deutschland, die Millionen ins soziale Abseits drängt. Ein Zeitbezug, der freilich nur vage angedeutet wird. "Lampioon" ist eher ein moderner Widergänger von Eichendorffs "Taugenichts", der aus der Tristesse der Zivilisation in die Geborgenheit des Naturidylls flieht. Eine Botschaft, die um 1930 bei zahlreichen Lesern offene Ohren findet. Erwarten sie doch von der Literatur vor allem ästhetische Kompensation der realen Lebensmisere.
Realistischer ist die Fortsetzung der "Lampioon"-Geschichte, die Hausmann 1929 unter dem Titel "Salut gen Himmel" bei S. Fischer veröffentlicht. Episodenhaft entwirft der Autor ein Panorama menschlicher Schicksale und Lebenskrisen, in denen sich die sozialen Verwerfungen am Ende der ‘Weimarer Republik’ widerspiegeln. Das Motiv der naturschwärmerischen Weltflucht "Lampioons" tritt zurück vor dem fatalistischen Bild menschlicher Vereinzelung in einer fremd gewordenen Welt.
In der Literaturszene der Zwanziger Jahre hat Manfred Hausmann mit seinen frühen Romanen für Aufsehen gesorgt. Man lobt den ‘frischen’, unverkrampften Ton dieser Prosa, in der sich ein viel versprechendes Talent zu artikulieren scheint. Ende der zwanziger Jahre wird Deutschlands führender Belletristik-Verleger Samuel Fischer auf den jungen Dichter aufmerksam und nimmt seine Bücher ins Verlagsprogramm auf.
1932 erscheint bei S. Fischer Hausmanns erfolgreichster Roman "Abel mit der Mundharmonika". Er schildert eine Nordsee-Fahrt der beiden Vegesacker Jungen Peter und Jumbo, die unterwegs zwei Schiffbrüchige in ihr Segelboot aufnehmen: zunächst den sechzehnjährigen Abel aus Berlin, und später die siebzehnjährige Bremerin Corinna, die während einer riskanten Ballonfahrt mit ihrem erwachsenen Geliebten beinahe ums Leben gekommen wäre. Die gemeinsame Weiterfahrt entwickelt sich zum maritimen Abenteuer, zur Bewährungsprobe im Kampf mit der unberechenbaren See. Und ein letztes Mal klingen die Themen aus alten "Wandervogel"-Tagen an: die Sehnsucht der Jugend nach Abenteuer und Freiheit, ihr Traum vom selbstbestimmten Leben, die pubertäre Verwirrung der Gefühle an der Schwelle zum Erwachsensein.
Manfred Hausmann
Manfred Hausmann (1898-1986) zählt zu den meistgelesenen deutschen Autoren der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Heute ist er allerdings ein fast Vergessener. Berühmt wurde er durch Romane wie "Lampioon" und "Abel mit der Mundharmonika", mit denen er der Landschaft des deutschen Nordwestens literarische Denkmale gesetzt hat.
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