Porträt: Heinrich Heine
Zweimal hat Heinrich Heine Bremen besucht. Im Oktober 1843 bezog er im "Hotel Lindenhof" am Domshof Quartier. Ein Aufenthalt, der allerdings zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt stattfand. An seine Frau schrieb er: "Ich hatte viel Ungemach mit schlechtem Wetter. Alle Welt verreist hier im Mantel; ich in einem Paletot, der mir nur bis an die Knie reicht, welche steif vor Kälte sind. – Ich schreibe Dir in einem Zimmer, das voller Leute ist; das Geschrei um mich her verursacht mir die entsetzlichsten Kopfschmerzen."
Bremer Rathaus und Marktplatz um 1820
Der nervtötende Lärm tönte vom "Freimarkt" herüber, dem traditionsreichen Bremer Volksfest, das gerade auf dem Domshof stattfand. Aber Heine war offenbar nicht in Stimmung für Volksbelustigungen, die ohnehin nicht seinem Geselligkeits-Ideal entsprachen. Weit eher schätzte er das feucht-fröhliche Beisammensein in gediegenem Ambiente, wie er es während seines Bremer Aufenthalts im September 1826 kennen gelernt hatte – und zwar in den Gewölben des Ratskellers, den er in einem seiner Gedichte verewigt hat.
Glücklich der Mann, der den Hafen erreicht hat,
Und hinter sich ließ das Meer und die Stürme,
Und jetzo warm und ruhig sitzt
Im guten Ratskeller zu Bremen.
Wie doch die Welt so traulich und lieblich
Im Römerglas sich widerspiegelt,
Und wie der wogende Mikrokosmos
Sonnig hinabfließt ins durstige Herz!
Ich trank auf das Wohl meiner bittersten Feinde,
Und allen schlechten Poeten vergab ich,
Wie einst mir selber vergeben soll werden -
Ich weinte vor Andacht, und endlich
Erschlossen sich mir die Pforten des Heils.
Wie rauscht der Jordan und taumelt vor Freude! -
Auch meine unsterbliche Seele taumelt,
Und ich taumle mit ihr, und taumelnd
Bringt mich die Treppe hinauf, ans Tagslicht,
Der brave Ratskellermeister von Bremen.
Du braver Ratskellermeister von Bremen!
Siehst du, auf den Dächern der Häuser sitzen
Die Engel und sind betrunken und singen;
Die glühende Sonne dort oben,
Ist nur eine rote, betrunkene Nase,
Die Nase des Weltgeists;
Und um die rote Weltgeistnase
Dreht sich die ganze betrunkene Welt.
Eine Bank für Heinrich Heine
Heine-Bank im Bremer Bürgerpark
Fünfzig Jahre nach Heines Tod wurde ihm in Bremen ein Denkmal der besonderen Art gesetzt. 1904 errichtete der "Bremer Literarische Verein" eine von Hans Lassen entworfene Bank mit einem Porträtmedaillon und zwei Texttafeln zu Ehren des Dichters im Bürgerpark. Eine Aktion, die von Anfang an umstritten war und auf den Widerstand deutschnationaler und antisemitischer Kreise stieß. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Bank durch einen Anschlag beschädigt und das Medaillon entwendet. In der Zeit des Nationalsozialismus entfernte man die Platten und das Medaillon, die Bank selbst fiel den Bomben des 2. Weltkriegs zum Opfer. Erst 1989 stellte man die "Heinrich-Heine-Bank" im Bürgerpark in ihrer ursprünglichen Form wieder her.
Nach einem langen Streit um den Standort ist in den Bremer Wallanlagen 2010 ein Heinrich-Heine-Denkmal enthüllt worden. Die mehr als drei Meter hohe Bronzefigur wurde nach dem Modell des 1984 verstorbenen Bildhauers Waldemar Grzimek angefertigt und zeigt den Dichter in jungen Jahren.
Heinrich Heine
![Heinrich Heine [Quelle: gemeinfrei] Heinrich Heine [Quelle: gemeinfrei]](/kultur/portraets/heine/heine112_v-mediateaser.jpg)
Heinrich Heine (1797-1856 ) war der bedeutendste deutsche Schriftsteller und Journalist des 19. Jahrhunderts. Er gilt als "letzter Romantiker" und gleichzeitig als ihr Überwinder.
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