Porträt: Wilhelm Kaisen
Geboren wurde Wilhelm Kaisen am 22. Mai 1887 in Hamburg. Der Vater war Maurer, die Mutter Aufwartefrau. Auf Drängen seines Vaters verließ er die Schule, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Sein Vater, Mitglied der SPD, machte ihn früh mit den Ideen der Sozialdemokratie vertraut. 1905, mit 18 Jahren, trat der gebürtige Hamburger in die Partei ein, die dem ungelernten Arbeiter und späteren Stuckateur, die Möglichkeit bot, sich fortzubilden.
Innerhalb weniger Jahre stieg er zum Mitglied im Hamburger Hauptvorstand der SPD auf. Er wurde an die Parteischule nach Berlin geschickt, wo er unter anderem von Rosa Luxemburg unterrichtet wurde.
Wilhelm Kaisen über seine Jugend in Hamburg, [37:01]
Wilhelm Kaisen orientierte sich am gewerkschaftsnahen und reformerischen Flügel der Partei. An der Reichsparteischule lernte er seine spätere Ehefrau Helene Schweida kennen, die er 1916 während eines Fronturlaubs in Worpswede heiratete. Beide teilten ihre Leidenschaft für Bücher. In zahlreichen Briefen von der Front beschwor er seiner Frau, dass sie sich nach dem Krieg ganz ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau widmen sollte und ihre Parteitätigkeit und Mitarbeit in sozialen Organisationen aufgeben müsse. Ihre politischen Vorstellungen waren radikaler als seine. Sie ließ sich nicht den Mund verbieten und trat nach dem Zweiten Weltkrieg gelegentlich beim Internationalen Sozialistischen Frauentag in Bremen auf.
Kaisen war 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges eingezogen worden. Bis Kriegsende diente er bei einem Artillerieregiment an der Westfront. Im November 1918 kehre er nach Hamburg zurück. Er bewies mit diversen Artikeln seine journalistische Fähigkeit, so dass ihn die Hamburger Genossen als Redakteur nach Bremen schickten. Er stieg bei der SPD-Zeitung "Bremer Volksblatt" zum Chefredakteur auf und zog 1920 für die Sozialdemokraten in die Bremische Bürgerschaft ein. Nie vergaß er, dass er aus einer Arbeiterfamilie kam und engagierte sich in der Sozialpolitik.
In der ersten Mehrparteienregierung mit Beteiligung der SPD diente er der Stadt von 1928 bis März 1933 als Senator für das Wohlfahrtswesen. Seine Glaubwürdigkeit und Integrität verhalfen ihm zu wachsender Popularität.
Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise traf auch die Hansestadt 1931 hart. Bürgschaften für Banken und Unternehmen gingen verloren, Bremen stand kurz vor dem Verlust seiner Souveränität. Eine einschneidende Erfahrung für Wilhelm Kaisen, die seine wirtschaftspolitische Haltung prägte.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 mussten die drei SPD-Senatoren ihre Posten räumen. Am 12. Mai wurden Kaisen und alle weiteren Mitglieder des Parteivorstandes verhaftet. Er blieb von Prügelattacken, Beschimpfungen und Erniedrigungen durch die SA verschont. Nach zwölf Tagen wurde er aus dem Lager entlassen.
Polizeiparade in der Bremer Innenstadt während der NS-Zeit
Auf der Suche nach einer Tätigkeit, die ihn und seine Familie ernähren konnte, bewarb er sich im Sommer 1933 um eine der letzten Siedlerstellen in der Borgfelder Flur, vor den Toren Bremens. Er erhielt den Zuschlag, zog im Dezember 1933 mit seiner Frau Helene und den vier Kindern "aufs Land" in ein 118 qm großes Haus.
Zeitweise lebte ein Neffe aus Hamburg bei den Kaisens. Das Arbeitszimmer, gleichzeitig die Bibliothek des Ehepaares, bewohnte der Schwiegervater. Im Sommer hielt sich auch Kaisens Vater dort auf. Die Familie lebte auf denkbar engem Raum. Die Töchter Inge und Ilse sowie die Söhne Niels und Franz besaßen jeweils eine Schlafkammer unter dem Dach. Das Schlafzimmer der Eltern befand sich neben der zwanzig Quadratmeter großen Wohnküche, in der sich der Alltag der Familie abspielte.
Das Dritte Reich überstand Kaisen dank der Übergangsgelder, die er bis 1943 erhielt, den Mieteinnahmen aus einem Haus im Bremer Stadtteil Findorff und seiner Arbeit als Landwirt auf seiner 13 Morgen großen Siedlerstelle. Er lebte zurückgezogen und vermied öffentliches Auftreten. Nur einmal wurde er im Zusammenhang mit dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 von der Gestapo für einen Tag vernommen.
Nachkriegsbürgermeister
Trümmerbeseitigung, Währungsreform, Wirtschaftswunder
Wilhelm Kaisen, Bremens Landesvater
Am 22. Mai 1887, also vor 125 Jahren, wurde in Hamburg Carl Wilhelm Kaisen geboren, der später für lange Jahre Bremens Bürgermeister werden sollte. Anlass für Radio Bremen, die Erinnerung an den beliebten Politiker und den passionierten Landwirt durch Sendungen und Archivbeiträge aufzufrischen. Mehr...
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Wilhelm und Helene Kaisen-Stiftung
![Wilhelm Kaisen mit seiner Frau [Quelle: Radio Bremen] Wilhelm Kaisen mit seiner Frau [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/wilhelm-kaisen108_v-mediateaser.jpg)
Die Wilhelm und Helene Kaisen-Stiftung hat es sich zur Aufgabe gestellt, das Andenken an das Wirken und die Leistungen von Wilhelm Kaisen und seiner Ehefrau Helene für die Freie Hansestadt Bremen und für deren Bürger und Bürgerinnen für die Nachwelt zu sichern.
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