Porträt: Thomas Mann
Thomas Manns Wohnhaus in Kilchberg
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Thomas Mann verschiedentlich nach Deutschland zurück - vor allem zu Vorträgen und Ehrungen, die sich in seinen letzten Lebensjahren mehr und mehr häuften. Höhepunkte waren die Reden zu Goethes 200. Geburtstag, die er 1949 in Frankfurt am Main und Weimar hielt. Zu einer endgültigen Rückkehr nach Deutschland kam es jedoch nicht. Wie im Jahr 1933 wählte Thomas Mann die Schweiz als dauerhaften Wohnsitz. In einem Radio-Interview sagte er über seine Motive: "Wenn ich aber ‚Europa' dachte, so war es eigentlich immer die Schweiz, die ich im Sinne hatte: dies freie, kleine, aber nicht enge, sondern vielgestaltige und mehrsprachige, von europäischer Luft durchwehte und nach seiner Natur so großartige Land, das ich liebe von jeher und dem ich drüben immer ein gewisses Heimweh getragen habe."
1952 siedelte er zunächst nach Erlenbach bei Zürich über und im April 1954 bezog er sein letztes Haus in Kilchberg am Zürichsee. Enkel Frido Mann war oft zu Besuch bei seinem Großvater und kann sich noch heute ganz genau an das Leben in der Villa mit Seeblick erinnern.
Thomas Manns Wohnhaus in Kilchberg ist heute nicht mehr im Besitz der Familie Mann. Sein literarischer Nachlass, die Bibliothek, Teile des Mobiliars und die Ausstattung seines Arbeitszimmers befinden sich heute im Thomas-Mann-Archiv, das im zweiten Stock des Bodmerhauses auf dem Gelände der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich untergebracht ist. Beim Rundgang durch die Räumlichkeiten mit dem Leiter des Archivs, Dr. Thomas Sprecher, wird natürlich auch der Schreibtisch Thomas Manns in Augenschein genommen, über den es spannende Geschichten zu erzählen gibt.
Thomas Manns letztes Lebensjahr nach dem Einzug ins Kilchberger Haus entwickelte sich zu einer regelrechten Apotheose seiner Vita. In dieses Jahr fiel der triumphale Erfolg seines letzten Romans "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull", der im September 1954 in einer stark erweiterten Ausgabe bei S. Fischer erschien. Am 11. Februar 1955 wird die goldene Hochzeit des Ehepaars Katia und Thomas Mann gefeiert und am 6. Juni 1955 wird unter großer Anteilnahme des In- und Auslandes der 80. Geburtstag Thomas Manns in Kilchberg und Zürich gefeiert. Einen Monat zuvor hat der Jubilar seine letzte große Rede gehalten, die internationale Beachtung erfährt: die Ansprache zu Friedrich Schillers 150. Todestag. Sie wird zu einem gesamtdeutschen Ereignis wird, da Thomas Mann sie gleich zweimal hält: am 8. Mai 1955 im Stuttgarter Staatstheater und am 14. Mai 1955 im Weimar Nationaltheater. Bernhard Zeller, der 2008 verstorbene ehemaliger Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, gehörte seinerzeit zum Organisationskommitee, das im Auftrag der Deutschen Schillergesellschaft die denkwürdige Vortragsreise vorbereitete. Er erinnerte sich 2005 noch genau an seinen Besuch in Thomas Manns Kilchberger Haus.
Ein letztes Mal hat Thomas Mann seine Vaterstadt Lübeck vom 16.-21. Mai 1955 besucht. Der Aufenthalt gipfelte in der Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Lübecker Rathaus. In seiner Dankesrede beschwörte er zum Schluß noch einmal das Bild des Vaters als ehemaligen Lübecker Senators herauf: "Ich kann wohl sagen, sein Bild hat immer im Hintergrunde gestanden all meines Tuns, und immer hab' ichs bedauert, daß ich ihm zu seinen Lebzeiten so wenig Hoffnung machen konnte, es möchte aus mir in der Welt noch irgend etwas Ansehnliches werden. Desto tiefer ist die Genugtuung, mit der es mich erfüllt, daß es mir gegönnt war, meiner Herkunft und dieser Stadt, wenn auch auf ausgefallene Weise, doch noch etwas Ehre zu machen."
Am 30. Juni 1955 brach Thomas Mann zu seiner letzten Reise in die Niederlande auf. Nur noch wenige Ferienwochen sind ihm in Nordwijk an der Nordsee vergönnt. Schmerzen im linken Bein zwingen ihn, sich in ärztliche Behandlung zu begeben.
Die Diagnose lautet auf Thrombose, die im Züricher Kantonsspital behandelt werden soll. Am 23. Juli 1955 wird er von Amsterdam aus dorthin geflogen. Die Ärzte können aber sein Leben nicht mehr retten. Am 12. August 1955 ist Thomas Mann im Züricher Kantonsspital verstorben. Die Beerdigung fand am 16. August auf dem Kilchberger Friedhof statt. Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland nahmen an der Trauerfeier teil, darunter zahlreiche Freunde des Verstorbenen. Carl Zuckmayer formulierte tief bewegt seine "Worte des Abschieds", in denen es heißt: "An diesem Sarg verstummt die Meinung des Tages. Ein Leben hat sich erfüllt, das nur einem einzigen Inhalt gewidmet war: dem Werk deutscher Sprache, dem Fortbestand europäischen Geistes."
Thomas und Katia Manns Grab auf dem Kilchberger Friedhof
Thomas Mann
![Thomas Mann [Quelle: DPA] Thomas Mann [Quelle: DPA]](/kultur/portraets/dpa1520_v-mediateaser.jpg)
Kein anderer deutscher Schriftsteller des 20. Jahrhunderts hat eine derartige Weltgeltung erreicht wie Thomas Mann (1875-1955). Mit seinen Romanen, Erzählungen, Novellen und Essays wurde er zum kritischen Chronisten europäischer Geschichte vom Kaiserreich bis zur Ära des Kalten Krieges.
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