Porträt: Thomas Mann
Feldherrnhalle und Theatinerkirche in München
Dass das Lübeck seiner Kindheit und Jugend Thomas Mann für immer geprägt hat, ist unbestritten - in zahlreichen seiner Werke sind die hanseatischen Versatzstücke und Reminiszenzen unübersehbar. Das gilt erst recht von München - der Stadt, der der Autor Thomas Mann wohl am meisten verdankt. 1894 ist er in die bayerische Metropole übergesiedelt, in Nachfolge der Mutter und der jüngeren Geschwister, die sich bereits ein Jahr zuvor hier niedergelassen hatten.
"Ich bin ja München, wo ich die Hälfte meines Lebens verbrachte, von Herzen zugetan (...) und nie habe ich Ihrer Stadt gegrollt, auch zu Zeiten nicht, wo mir Böses kam von dort, denn ich wusste wohl, dass es nicht das wahre und eigentliche München, nicht sein ‚ewiger, unzerstörbarer Genius loci' war, von dem es mir kam. Ich versichere Sie: Wann immer ich Münchener Laute höre, Münchener Tonfall, wird es mir warm ums Herz, und allen Leute sage ich: Es ist doch merkwürdig, seit ich zurück bin von drüben, habe ich doch eine ganze Anzahl deutscher Städte gesehen und wieder gesehen, aber wo ich mich am wohlsten fühlte, das war München." (Thomas Mann in einem Brief an den Münchener Oberbürgermeister Thomas Wimmer am 8. Juni 1955)
In seiner Münchener Zeit entstanden "Buddenbrooks", "Königliche Hoheit" (1909), die Erstfassung des "Felix Krull" (1922), die frühen und mittleren Erzählungen sowie "Der Zauberberg" (1924). Und München ist gleichermaßen geistiger "Nährboden" für große essayistische Arbeiten, von den "Betrachtungen eines Unpolitischen" (1918) über die Reden "Von deutscher Republik" (1922) und "Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters" (1932) bis zum Vortrag "Leiden und Größe Richard Wagner" (1933). Eine bedeutsame Werk-Galerie, die den Wandel Thomas Manns vom poetischen Schöngeist zum politisch bewussten Literaten eindrucksvoll bezeugt.
Dirk Heisserer und Radio-Bremen-Redakteur Michael Augustin
Der beste Kenner von Thomas Manns Münchener Zeit ist Dirk Heißerer, Autor des Buches "Im Zaubergarten - Thomas Mann in Bayern" und Vorsitzender des Thomas-Mann-Förderkreises München. Ein literarischer Stadtrundgang mit ihm wird zur faszinierenden Entdeckungsreise auf den Spuren eines "Jahrhundertautors" und seiner illustren Familie. Etwa am Haus in der Feilitzstraße 32 (ehemals Nummer 5), wo Thomas Mann von 1899 bis 1902 gewohnt hat und die Arbeit an den "Buddenbrooks" abgeschlossen hat.
Oder bei der Begehung der Meiserstraße (ehemals Arcisstraße) in der Nähe des Lenbachhauses, wo seinerzeit das berühmte Palais Pringsheim stand, der luxuriöse Wohnort des steinreichen Mathematikprofessors Alfred Pringsheim, dessen Tochter Katia (1883-1980) Thomas Mann im Jahr 1905 ehelichte. Eine Ehe, die fünfzig Jahre dauern sollte und aus der sechs Kinder hervorgingen: Erika Mann (1905-1969), Klaus Mann (1906-1949), Golo Mann (1909-1994), Monika Mann (1910-1992) Elisabeth Mann-Borgese (1918-2002) und Michael Mann (1919-1977).
Standesgemäß gewohnt hat die Familie von 1914 bis 1933 in der Villa, die Thomas Mann 1913/14 im Münchener Herzogpark an der Poschingerstraße bauen ließ. Das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Gebäude wurde 1952 abgerissen und ist inzwischen von einem Privatmann nach den Originalplänen wieder aufgebaut worden.
Thomas-Mann-Förderkreis München
Nicht unerwähnt bleiben darf beim Thomas-Mann-Spaziergang durch München auch nicht der Ort seines letzten Auftritts vor dem Exil: dem Auditorium Maximum der Ludwig-Maximilian-Universität, wo er am 10. Februar 1933 seine denkwürdige Rede "Leiden und Größe Richard Wagners" hielt, die zur definitiven Absage an Nazideutschland wurde.
Eine Spurensuche nach den Hinterlassenschaften der Familie Mann in München führt unweigerlich auch ins Hildebrandhaus an der Maria-Theresia-Straße 23. Hier residiert seit dreißig Jahren die "Monacensia" - ein Kulturinstitut, das eine umfangreiche München-Bibliothek und das fabelhafte Literaturarchiv der Stadt München beherbergt. Unter den zahlreichen Archivalien befinden sich auch die Nachlässe von Erika Mann und Klaus Mann - den beiden Thomas-Mann-Kindern, die künstlerisch am produktivsten waren. Regelmäßig werden auch Ausstellungen zu literarischen Themen gezeigt.
Thomas Mann
![Thomas Mann [Quelle: DPA] Thomas Mann [Quelle: DPA]](/kultur/portraets/dpa1520_v-mediateaser.jpg)
Kein anderer deutscher Schriftsteller des 20. Jahrhunderts hat eine derartige Weltgeltung erreicht wie Thomas Mann (1875-1955). Mit seinen Romanen, Erzählungen, Novellen und Essays wurde er zum kritischen Chronisten europäischer Geschichte vom Kaiserreich bis zur Ära des Kalten Krieges.
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