Karl May
Karl Mays späte Lebensjahre sind überschattet von heftigen Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern und Kritikern. Mit immer neuen Pressekampagnen wird publik gemacht, dass er keine der Abenteuerreisen gemacht hat, dass er weder Old Shatterhand noch Kara Ben Nemsi gewesen war, dass er Träger eines falschen Doktortitels ist – und obendrein eine kriminelle Vergangenheit hatte. Von seinen Widersachern wird er als Betrüger und Hochstapler denunziert und seine Werke werden als jugendverderbende Schundliteratur disqualifiziert.
Karl Mays Grabmal auf dem Radebeuler Friedhof
Karl May reagiert darauf mit zahllosen Verleumdungsklagen und Prozessen, die seine Kritiker widerlegen und mundtot machen sollen. Ein aussichtsloses Unterfangen angesichts der Vielzahl seiner Gegner und der harten Fakten seiner Lebensgeschichte.
Chronik von Karl Mays Prozessen
Das Buch zum Thema:
Jürgen Seul: Old Shatterhand vor Gericht. Die 100 Prozesse des Schriftstellers Karl May; Karl-May-Verlag Bamberg
Die zermürbenden Prozesse vermögen allerdings nicht seine literarische Produktivität lahmzulegen. Er will fortan mit seinen neuen Büchern beweisen, dass er Anspruch erheben kann auf einen Platz auf dem Parnass der Hochliteratur.
"Ich habe mich bisher ja nur geübt, und meine Arbeit soll nun erst beginnen. Ich lernte schreiben, einen neuen Ductus, den es bisher noch nicht gegeben hat. Ich habe also weder Lust noch Zeit, mich auszuruhn, und gar von solchen Werken, die doch nur Übungen und keine Arbeiten waren. Ich trug in ihnen nur den Stoff zusammen für das, was ich jetzt nun zu bilden habe. Sie waren weiter nichts als die Palette, auf der ich Farben sammelte und prüfte, und wenn es wirklich Menschen geben sollte, die Malerscheiben für Gemälde halten, so tut mir das ihretwillen leid."
Die herausragenden Ergebnisse dieses so salbungsvoll angekündigten Spätwerkes sind die Romane "Im Reiche des silbernen Löwen" (1902/03) und "Ardistan und Dschinnistan" (1909). Symbolistisch überhöhte Werke, die der querköpfige Karl-May-Interpret Arno Schmidt zu Großwerken der deutschen Literaturgeschichte erklärte, die meilenweit entfernt seien von der flachen Trivialität der millionenfach verschlungenen Reiseromane. Ein Urteil, dass von der heutigen Fachwelt so nicht geteilt wird, wenngleich man den besonderen Rang dieser Bücher, die ja als Reflex auf die Querelen von Mays späten Lebensjahren enstanden sind, durchaus anerkennt.
1912 – Karl May in Wien, letzte Aufnahme acht Tage vor seinem Tod
Gegen Ende seines Lebens ist Karl May zum überzeugten Pazifisten geworden, der jetzt in der Pose eines Friedenspredigers auftritt. Seinen letzten großen Auftritt hat er wenige Wochen vor seinem Tod. Am 22. März 1912 hält er auf Einladung des "Akademischen Verbandes für Literatur und Musik", vor mehreren tausend Zuhörern und in Anwesenheit der Friedensnobelpreis-Trägerin Bertha von Suttner, im Wiener Sophiensaal einen Vortrag mit dem Titel "Empor ins Reich der Edelmenschen". Am Ende seines mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages bezeichnet sich Karl May als Menschen, "der nichts und nichts erstrebt, als nur das eine große Ziel: Und Friede auf Erden!"
Eine gute Woche nach diesem letzten Triumph vor großem Publikum stirbt Karl May am 30. März 1912 an einem Herzschlag in der Villa Shatterhand zu Radebeul.
Karl May
![Karl May [Quelle: Karl May 2012] Karl May [Quelle: Karl May 2012]](/kultur/portraets/may/karl-may124_v-mediateaser.jpg)
Vor 100 Jahren, am 30. März 1912, starb Karl May. Er ist der mit Abstand meistgelesene deutschsprachige Schriftsteller, dessen Werk die Phantasie ganzer Generationen von Lesern beflügelt hat.
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